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Stéphane Mallarmé: Zu verwirklichen ist nur das Unmögliche

Memo/Klassiker
Edouard Manet: Mery Laurent
au Chapeau de Loutre
Stéphane Mallarmé

Zu verwirklichen ist nur das Unmögliche
Gedichte aus den Briefen an Méry Laurent

Aus dem Französischen von Leo Pinke und Tim Trzaskalik
(Auszüge aus der Übersetzung einer Auswahl aus der Korrespondenz Stéphane Mallarmés; voraussichtlich Matthes & Seitz Berlin 2022.)

Bei den folgenden vier Gedichten handelt es sich um Dokumente einer Freundschaft, die in den letzten 15 Jahren im Leben Mallarmés einen zentralen Platz einnahm. Méry Laurent (geb. Anne Rose Susanne Louviot, 1849-1900) war nach einer kurzen Karriere als Variété-Schauspielerin zu einer bekannten Persönlichkeit im Pariser Künstlermilieu avanciert, wo sie zur Mätresse zahlreicher bekannter Maler und Literaten wurde. Durch ihre Liaison mit Thomas Evans, dem ehemaligen Zahnarzt Napoleons des III., verfügte sie über eine beachtliche Rente sowie eine Wohnung in der Rue de Rome. Mallarmé wohnte ebenfalls in dieser Straße. In den Briefen des Dichters wird Méry Laurent erstmals im Jahr 1884 erwähnt; der Kontakt war über den gemeinsamen Freund Édouard Manet zustande gekommen. Es entsteht eine Freundschaft an der Schwelle einer Liebesbeziehung; über die Formen ihrer Überschreitung besteht bis heute keine Einigkeit unter den Biografen. Gleichwohl affirmieren die in der Korrespondenz überlieferten Liebeserklärungen des verheirateten Mallarmé mehr und mehr den Charakter eines nicht zu verwirklichenden Glücks, das in der langjährigen, niemals abbrechenden Freundschaft aufgehoben wird. Wie die gesamte Korrespondenz Mallarmés im Allgemeinen zeigen auch die hier versammelten Gedichte, wie sehr die vermeintlich realitätsverneinende Poetik des Dichters im Leben eines Menschen verankert ist, der die Wirklichkeit als etwas erst noch zu Stiftendes begreift. Die radikale Autonomie einer Komposition, die aus ihrem Nichtsein die Kraft zur Konsolidierung bezieht, kann zugleich zur Frage einer im Unmöglichen gelebten Liebe werden. Denn zu verwirklichen ist nach einem Wort Mallarmés nur das Unmögliche. So konstruieren mehrere Gedichte an Méry ein Idiom, das in gleicher Weise auf Fragen der Kunst und der Liebe bezogen bleibt; auf die beiden „menschlichen Handlungen“ par excellence.


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