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Montags=Text
/ 27. Juni
Alexandru Bulucz:
"Thesen einer Tagesform. Es regnet." (5 Gedichte)

Michael Lentz:
Mons Augen


Jan Kuhlbrodt
interviewt
Michael Lentz
über Franz Mon

Gottfried Benn, Friedrich W. Oelze:  
Briefwechsel 1932-1956  

Besprechung
Michael Braun

Martina Hefter
Ungeheuer.
Stücke / Gedichte


Besprechung
Dirk Uwe Hansen

Tim Holland
vom wuchern

Besprechung
Jan Kuhlbrodt

Kate Tempest
Hold Your Owen

Besprechung
Mario Osterland

José F. A. Oliver
21 Gedichte aus Istanbul
4 Briefe & 10 Fotow:orte


Besprechung
Jan Kuhlbrodt

G. F. R. G.
(Gesellschaft für religiöse Gründungen)






Dada-Alphabet, Teil 2

Politik & Poesie
Zeitzünder


01.07
.
ANONYMUS:

Das Gewürm kriecht aus

 

Gedicht der Woche
(30.06. - 07.07.2016)


                                                  


Peter Orlovsky                                    übersetzt von Marcus Roloff

Zweites Gedicht

Wieder ein Morgen, nichts, das getan werden müsste, vielleicht ein Klavier kaufen

oder irgendwas hinwichsen.

Immerhin hab ich staubgewedelt im Zimmer, genau wie mein Vater die Kippen samt Asche

übers Bett auf den Boden geschnipst.

Aber erstmal die Brille putzen und Wasser trinken, um den Mundgeruch wegzukriegen.
Ein Stoß gegen die Tür und die Katze kommt rein, hinter ihr der Babyelefant aus dem Zoo

verlangt frische Eierkuchen – ich kann diese Hallus kaum noch ertragen.

Zeit für die zweite Zigarette, dann gehen die Vorhänge auf und ich schwör, der Dreck

bildet eine Gasse bis zum Müllschlucker –

Ohne Kühlbox eine verdorrte Pampelmuse.
Gibts denn kein heilig-Ding, mit dem ich mein Zimmer aufhübschen könnte? Es rosa

anstreichen vielleicht? Einen Lift einbauen vom Bett bis zum Boden vielleicht?
Duschen im Bett?

Was nutzt das Leben, wenn ich mir das Paradies nicht in mein Wohnland einbauen kann?
Durch diesen Tropfen Zeit auf meinen Augen
der die Ausdauer eines roten Sterns auf einer Fluppe hat
scheint das Leben schneller zu zersplittern als Piece.
Ich weiß, wenn ich mir die Wanzen aus dem Gesicht rasieren könnte

wären sie für immer verschwunden.

Die Löcher in meinen Schuhen sind nur temporär, ich versteh das.
Mein Bettvorleger ist dreckig, aber wessen Anhängsel ist das?
Es kommt eine Zeit im Leben, wo jeder mal in die Spüle pisst – lass mich

das Fenster hier eine Minute lang schwarz anpinseln.

Einen Teller schleudern & aus Bosheit zerdeppern oder vielleicht einfach nur

unschuldig-nebenher fallen lassen, während ich um den Tisch
wandre.

Vor dem Spiegel seh ich aus wie ein Wüste-Sahara-Geist

oder auf dem Bett ähnle ich einer aufjaulenden Mumie, die nach Luft schreit
oder auf dem Tisch fühl ich mich wie Napoleon.

Doch jetzt an die erste Pflicht des Tages, das Waschen meiner Unterwäsche – der zwei

Monate lang missachteten – was würden die Ameisen dazu sagen?

Wie geht Klamottenwaschen – wieso würd-würd-würd ich eine Frau sein

wenn ich das wüsste?

Nein, ich würd lieber meine Turnschuhe putzen gehn, und was den Boden betrifft

ist es viel kreativer, ihn zu bemalen als ihn zu wischen.

Was die Speisen angeht, das kann ich seit ich denke, einen Job

in einer Imbissbude zu kriegen.

Mein Leben und mein Zimmer sind wie zwei riesige Wanzen, die mich

rund um den Erdball verfolgen.

Gottseidank ist mein Sinn für Natur harmlos.
Ich wurde geboren, um mich an ein Liebeslied zu erinnern – auf einem Hügel

bildet ein Schmetterling einen Becher, aus dem ich trinke
während ich über eine Brücke aus Blumen spaziere.


Paris, 27.12.1957

(Übersetzt von Marcus Roloff, 2016: Peter Orlovsky, Clean Asshole Poems & Smiling Vegetable Songs, Poems 1957-1977, City Lights Books, San Francisco 1978)

Audio
Christian Morgenstern

Täglich ein Galgenlied


01.07.2016
Armin Steigenberger
Bim, Bam, Bum

Memo:

Im Shakespeare-Jahr
sieben Sonette wöchentlich

- übersetzt und kommentiert
von Günter Plessow


01. 07. 2016:
          

69.


Dem, was das Aug der Welt von dir erblickt,
fehlt nichts, was Herzen sich ersinnen können,
und alle Zungen gebens zu, entzückt,
so wahr es selbst die Feinde anerkennen.
So wird dein Aussehn außenhin gerühmt,
doch eben jene, die dirs zugestehn,
bezweifeln auch, ob höchstes Lob dir ziemt,
wenn weiter, als das Auge weist, sie sehn.
Sie suchen nach der Schönheit im Gemüt,
sie schätzen sie nach deinen Taten ein,
und sinnen drauf, dem Edlen, das da blüht,
den üblen Ruch des Unkrauts zu verleihn.

Daß An– und Aussehn nicht zusammenfallen ––
warum ? –– Du wächst auf einem Grund mit allen.


Zu den Originalen 64 - 70

Die Münchner Anthologie

stellt lyrische Texte vor, die in der Zeit nach der Anti-Lyrik-Revolte der sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts entstanden sind.

Moderne Herangehensweisen – rhetorische, semiologische, strukturalistische, dekonstruktivistische usf. – werden vorgestellt.

Die Form essayistisch und spielerisch, so poetisch wie möglich und sehr persönlich – von der Hymne bis zur Verdammung, wird Schlaglichter werfen auf ein sonst unübersichtliches Gelände.

Zuletzt:

 

Jan Wagner:
zwei städte, 2014

Wolfram Malte Fues:
zwei städte

 

Sonja vom Brocke:
Le Luxe, 2015

 

Ulrike Feibig
perlicke, perlacke, mein herz schlägt

Besprechung
Konstantin Ames

Ann Cotten
Verbannt!

Rhapsodische Gedanken
Meinolf Reul

Mathias Traxler:
"Mir ist in Dantes Hölle nie bange."


Jan Kuhlbrodt
bespricht mit
Mathias Traxler
dessen "Unterhaltungsessays"

Wolfram Malte Fues
SkalpeSkalpelle

Besprechung
Jan Kuhlbrodt

Markus Berges
Die Köchin von Bob Dylan

Besprechung
Julia Trompeter

Thema: Tanz

Martina Hefters
Nachbereitung des Poeticon-Diskussions-Abends im „Ausland“, Berlin.

Teil 1
Teil 2
Teil 3: Ausflug in Techniken
Reaktionen

 
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