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Fundstücke

Diskurs / Poetik
Sprache    behext das Innre das Schweigen und Gedächtnis
den chiffrierten Landschaften
aufprägen

Jean Daive:

"ward gebaut" (roughbook 047)
(übers. von Werner Hamacher, 1979/80)

17. 02. 2019

Es wird mir [das Wertvolle, das ich zu sagen habe] - wenn ich Glück habe - beim Schreiben bewusst werden und mich überrumpeln. Was ich beim Schreiben suche, ist diese Überrumpelung. Es ist die Richtschnur, nach der ich mein Tun beurteile - was nie leicht ist.

V.S. Naipaul:

"Zwei Welten". Rede anlässlich der Ver-leihung des Nobelpreises für Literatur im Dezember 2001

09. 02. 2019

Doch immer sind da auch noch ein paar Widerspenstige. Sie bleiben zornig am Rand des Kreises hocken, die Schlinge um den Hals, und erheben Geschrei. Wie Hunde den Mond an-heulen, und der Mond hört sie nicht, so schreien diese nach außen, wo niemand sie hört. Und weil sie nach außen schreien, nimmt man sie auch nicht allzu ernst. Sie sind eine Abwechs-lung im Alltag und sogar nützlich als Ventil für alles, was nicht einmal mehr im Traum zu schreien wagt.

Hans Erich Nossack:

Spirale II: Die Schalttafel

1956





03. 02. 2019

Der vor-moderne Mensch lebte in einer Bilderwelt, welche die «Welt» bedeutete. Wir leben in einer Bilderwelt, welche Theorien bezüglich der «Welt» zu bedeuten versucht. Das ist eine revolutionär neue Lage. […]

Vilém Flusser:

Die kodifizierte Welt

(Merkur - Heft 359), 1978

26. 01. 2019

Unmöglich eine weibliche Art des Schreibens zu definieren, das ist von einer Unmöglichkeit die weiterbestehen wird, denn man wird diese Schreibart nie theoretisieren, umgrenzen, kodieren können, was nicht bedeutet, daß es sie nicht gibt. Aber sie wird immer über den, vom phallozentrischen System bestimmten Diskurs hinausführen. Sie findet anderswo statt und wird an-derswo stattfinden als in jenen Gebieten die der philosophisch-theoretischen Herrschaft untergeordnet sind. Sie wird sich nur von den Subjektivitäten denken lassen, welche die Automatis-men in Trümmer legen und entlang der Grenzen eilen, keiner Autorität je untertan.

Hélène Cixous:

Das Lachen der Medusa

(Passagen Verlag, 2013), 1975 / 2010








19. 01. 2019
Gebären ist ja ein Synonym für alle Formen des Schaffens, wir sind schwanger mit Projekten und Plänen und Gedanken und eben auch mit Kindern. Auf dieser Ebene gibt es eine große Aufladung. Neben der Vorstellung, dass durch die Vulva das Leben kommt, gab und teilweise gibt es auch immer noch die Vorstellung, dass es dort wieder verschwindet. Oder dass dies der Ort ist, wo wir auch mit anderen Sphären der Vorstellungs-welt kommunizieren können. All das ist positiv und kreativ und lustvoll.
Und so lange damit spielerisch umgegangen wird, kann ich das Potential darin durchaus sehen. Das Problem ist, wenn es - wieder einmal - biologisiert wird. Nach dem Motto: dass die wahre Kreativität der Frau in ihrer Gebärfähigkeit steckt. Oder dass Frauen so viel empatischer oder was auch immer sein sollen als Männer, weil sie gebären können. Das ist nicht nur sexistischer Unfug, sondern knüpft an anderen sexistischen Unfug an, der - nur mit umgekehrten Vorzeichen - erklärt hat, dass Frauen, weil sie eine Vulva haben, nicht in der Lage sind, am kulturellen Prozess teilzunehmen.

Mithu M. Sanyal:

Gebären ist ein Synonym für alle Formen des Schaffens

(poetin nr. 25, 2018)















12.01.2019

Wenn ich schreibe, kommt mir das, was ich beschreiben will, so nahe, als ob es mir gegenübersitzt. Oft heule ich beim Schreiben, weil ich mich so gut in alles hineinversetzen kann. Menschen, Tiere, ganz egal, mit allem, was mir nahe ist, kann ich mich völlig identifizieren. Ich bin dann dieses Ding.

Friederike Mayröcker:

Ich bin erst Mitte 70 ein wirklicher Mensch geworden

(ZEIT, 19.09.2012)

05.01.2019

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