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Veronica Forrest-Thomson: Die Lady von Shalott: Ode

Zeitzünder/Lyrik heute
Veronica Forrest-Thomson

The Lady Of Shalott: Ode
übersetzt von Norbert Lange


The Lady Of Shalott: Ode

The child in the snow has found her mouth,
And estate-agents must beware;
For if what we are seeking is not the truth
And we’ve only a lie to share,
The modern conveniences won’t last out,
Bear tear flair dare,
And the old ones just don’t care.

Back and forth she moves her arms;
Forth and back, her legs.
No one would care to say:
Her lips are red, her looks are free,
Her locks are yellow as gold,
Whether she’s very young or old,
The nightmare life-in-death is she,
Who thicks men’s blood with cold.

What of the future is in the past
Channels towards us now.
Present and future perfect past
Makes no tracks in the snow.
Turn the tap and water will come
For five seconds
And then the sand
Flows into our ever-open mouth.
What was it we understand?

She does not stand in the snow; she kneels:
A parody of prayer.
Lucretius said it long ago:
Why think the gods care?
When the telephone goes dead,
The fridge is broken, the light ...

Why should we think of knowledge as light;
There is enough to see her.
And, having seen, the message is plain
To those who wish to know
(They are not many):
Run quickly back to darkness again;
We have seen the child in the snow.


Die Lady von Shalott: Ode

Das Kind hat im Schnee gefunden seinen Mund,
Und Häusermakler sind gewarnt;
Denn streben wir nicht nach einem wahren Grund,
Und haben Lüge nur im Angebot,
Wird sein, dass uns kein Komfort genügt,
Fetz Metz Petz Protz,
Und die Alten reagieren mit Trotz.

Auf und ab bewegt sie ihre Arme,
Ab und auf, die Beine.
Wer hätte schon zu sich gesagt:
Der Mund ist rot, ihr Haar frisiert,
Die Locken gelb wie Gold,
Ob blutjung oder alt,
Als Alp lebt sie, kalt wie der Tod,
Dass jeden Mannes Blut gefriert.

Was von der Zukunft ist verklärt,
Das fließt uns zu im Augenblick.
Ist Präsens und Futur, Plusquamperfekt,
Ließ keine Spur im Schnee zurück.
Dreh am Wasserhahn und es kommt Wasser
Fünf Sekunden lang
Und dann kommt Sand
Geströmt in unsren ewig-aufgesperrten Mund.
Was verstanden, haben wir erkannt?

Sie steht ja nicht im Schnee; sie kniet:
In Parodie ein Bittgebet.
Lukretius sprach vor langer Zeit:
Was glaubst Du, dass es Götter bewegt?
Wenn die Telefonleitung tot,
Der Kühlschrank kaputt ist, das Licht ...

Uns da Erkenntnis vorstellen als Licht?
Es reicht schon, sie zu sehen.
Und sie gesehen, ist die Botschaft bekannt
Für jeden, der auf Wissen sinnt
(Sind nur wenige):
Schnell, zurück ins Dunkel gerannt,
Wir haben im Schnee gesehen das Kind.


Veronica Forrest-Thomson (1947-1975) errang - trotz ihrer kurzen Lebenszeit - durch ihr Werk weltliterarische Bedeutung  Nun nehmen sich ihrer Tobias Herold und Peter Holland vom Lyrik im Ausland mit ihrer Reihe "Unknown Pleasures" an und darin speziell Norbert Lange sowie Mathias Traxler in einer Lesung nebst Performance in der WABE Berlin am 29. September 2020, um 20 Uhr.
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