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Giordano Bruno: Die Vertreibung der triumphierenden Bestie

Diskurs/Poetik/Essay > Glossen

Giordano Bruno
Die Vertreibung der triumphierenden Bestie, I, 1 (1584)


Sofia. So dass es also, wenn die Körper, die Materie und das Seiende nicht der Verwandlung, dem Wechsel und den Veränderungen unterworfen wären, nichts Angenehmes, nichts Gutes, nichts Genussreiches geben würde.
Saulino. Das hast du uns genügend bewiesen, Sofia.
Sofia. Wir sahen, dass jeder Genuss in nichts anderem besteht, als in einem gewissen Übergange, in dem Wege und der Bewegung zu einem andern Zustand. Zugegeben, dass der Zustand des Hungerns peinlich und traurig ist, so ist doch auch der Zustand des Sattseins ohne Vergnügen und selbst nicht ohne gewisse Unlust; aber das, was uns Genuss gewährt, ist der Übergang von einem zum andern, der Akt der Sättigung. Die unbefriedigte Liebesbegierde quält, der gesättigte Liebesgenuss macht traurig. Was entzückt, ist der Übergang vom einen zum andern. An keinem gegenwärtigen Zustande findet man Vergnügen, wenn man nicht des ihm unmittelbar vorhergegangenen zuvor überdrüssig wurde. Arbeit gefällt nicht, es sei denn im Beginn gleich nach der Ruhe, und Ruhe gewährt nur unmittelbar nach der Arbeit in ihrem Anfange wahren Genuss.
Saulino. Wenn dem so ist, so gibt es ja gar keine Lust ohne Beimischung von Unlust, denn an der die Lust bewirkenden Bewegung hat ja ebenso gut dasjenige seinen Anteil, was die Befriedigung gewähren soll, wie dasjenige, was uns Unlust bereitet.
Sofia. Da hast du ganz recht!
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