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Fundstücke

Diskurs / Poetik
Versuche der Formulierung, die, um die gemeinte Sache genau zu treffen, gegen das übliche Sprachgeplätscher schwimmen und gar sich bemühen, verzweigtere gedankliche Zusammenhänge getreu im Gefüge der Syntax aufzufangen, erregen durch die Anstrengung, die sie zumuten, Wut. Der sprachlich Naive schreibt das Befremdende daran den Fremdwörtern zu, die er überall dort verantwortlich macht, wo er etwas nicht versteht; auch wo er die Wörter ganz gut kennt. Schließlich geht es vielfach um die Abwehr von Gedanken, die den Wörtern zugeschoben werden: der Sack wird geschlagen, wo der Esel gemeint ist.

Theodor W. Adorno:

Wörter aus der Fremde

(Vortrag für den HR - gedruckt in Akzente 1959, Heft 2







19.01.2020

Die Lage der Person in der vom Markt definierten Ordnung sei schnell wiedererkannt, sagte er. Es sei die Lage der Minderheit. Wie dieser werde der Person nicht fehlerhaftes Verhalten vorgworfen, sondern fehlerhaftes Sein. Sie errege Widerwillen durch wenn auch noch so kleine Abweichungen von einer Norm, die nun freilich nicht mehr für Personen, sondern für die Ware niedergelegt sei. Trotzdem werde sie von dieser majori-siert, jedes Warenexemplar werde für sie zum Vorgesetzten, gebe ihr von allen Seiten unausführbare Befehle, bringe ihr unausgesetzt ihren Mangel in Erinnerung, ihr unappetitliches Anderssein.

Christian Enzensberger:

Größerer Versuch über den Schmutz (3)

1968








11.01.2020

Die Utopie einer vollkommenen Sprache hat nicht nur die europäische Kultur umgetrieben. Das Thema der Sprachver-wirrung und der Versuch, ihr durch Wiederentdeckung oder Erfindung einer allen Menschen gemeinsamen Sprache abzu-helfen, durchzieht die Geschichte aller Kulturen.

Umberto Eco:

Die Suche nach der vollkomenen Sprache

(Einleitung, 1) 1994

05.01.2020

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