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Zsuzsanna Gahse: Post

Das besondere Gedicht
Zsuzsanna Gahse


Den türkischen Laden gibt es nicht mehr,
keine Gemüseauslage vor dem Geschäft,
der Besitzer hat sich das Leben genommen,
die Schwester sitzt in der Küche der Mutter,
der Bruder liefert Pakete aus und flucht,
die Apotheke gibt es auch nicht mehr,
die angenehme Apotheke gegenüber der
Hauptpost hat ihre Dienste vor einem Jahr
aufgegeben, soeben hat die Hauptpost
Schluss gemacht. Aus ist es, es ist aus,
diese Lage hat keinen Anspruch auf Reime,
alles ist ungereimt, keine Post mehr, man
verschickt keine Post mehr, man, man
von wem ist hier ungereimt die Rede!
Der Bruder liefert Pakete aus und flucht,
und gegenüber der Hauptpost befindet sich
seit einem Jahr keine Apotheke mehr,  
der angenehme Apotheker ist davongelaufen,
beziehungsweise ist ihm seine Frau angesichts
der absehbaren Lage davongelaufen, das
Desaster mit den abgewürgten Einzelläden
war vorauszusehen, beziehungsweise ist
der Apotheker einer jüngeren Frau begegnet,
etwa fünfundzwanzig Jahre jünger, da stand
die Ältere im Regen, mit einem Regenschirm,
und bald war die Hauptpoststelle geschlossen.

On the roads, das war in Konstanz,
wir fuhren weiter, und Ich glaube,
ich habe die Pflicht, alles genau
Zu bezeichnen. Wir fuhren weiter. Aber mir
Fällt sonst nichts Bedeutendes ein.

Dez. 2019


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