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Wolfram Malte Fues: Glück. Zum 200. Geburtstag von Gottfried Keller

Diskurs/Poetik/Essay > Essay
Wolfram Malte Fues

Glück

Zum 200. Geburtstag von Gottfried Keller


„Glück“, so erklärt der Philosoph, Zukunftsforscher und Sozialökologe Maik Hosang in einem Aufsatz, „entsteht aus einer gelingenden konkret-kulturellen Erfüllung der gesamten Bandbreite elementarer menschlicher Existenziale.“¹ Anspruchs- und Leistungsgesellschaften, wie sie die Modernisierungsprozesse der europäischen Aufklärung in Gang gebracht haben und in Gang halten, haben ihren Sinn darin, Differenzen, Probleme, Konflikte auszumachen, um sie zu überwinden und zugleich die dort neu entstehenden aufzuspüren und zu entwickeln. Staatsmacht und Reichtum gestehen sich und ihren Subjekten in ihren Optimierungs- und Maximierungs-Prozessen allenfalls momentanes Innehalten, aber keine letztendliche Erfüllung zu. Wären alle Bedürfnisse befriedigt, läge das Begehrte immer schon hautnah beim Begehren, blieben keine Wünsche mehr offen, würde alle Differenz nichtig und alle Entwicklung null. Die Zeit stände still. Ein Tag verginge wie der andere in einfacher Sich-selbst-Gleichheit: „Rien faire comme une bête, auf dem Wasser liegen und friedlich in den Himmel schauen.“²

Kennt die moderne Vernunft keinen Weg, die Negation aufzuheben statt sie zu annullieren? Die Gesetze der praktischen Vernunft gründen das Reich der Freiheit und schaffen so die Bedingung der Möglichkeit sittlichen Lebens. Die Gesetze der theoretischen Vernunft gründen das Reich der Notwendigkeit und schaffen so die Bedingung der Möglichkeit empirischer Erkenntnis. Eine menschliche Existenz, die mit allen Bestimmungen der Freiheit zusammenstimmte, wäre eine glückliche Existenz – aber nur dann, wenn sie mit den Bestimmungen der Notwendigkeit in gleicher Weise zusammenginge. Das aber widerspricht der ursprünglichen Erfahrung moderner, sich selbst bestimmender Vernunft.

„Glückseligkeit also, in dem genauen Ebenmaße mit der Sittlichkeit der vernünftigen Wesen […], macht allein das höchste Gut einer Welt aus, darin wir uns nach den Vorschriften der reinen aber praktischen Vernunft durchaus versetzen müssen, und welche freilich nur eine intelligible Welt ist, da die Sinnenwelt uns von der Natur der Dinge dergleichen systematische Einheit der Zwecke nicht verheißt.“³

‚Glück‘ ist demnach eine regulative Idee der spekulativen Vernunft. Würde die Idee Realität, höbe sie eben die Vernunft auf, der sie entstammt. Verschwände sie, verschwände die praktische Vernunft mit ihr. Freiheit löste sich vom Konzept der Befreiung und würde aus einem notwendigen Prinzip zu einem zufälligen Geschenk. So drängend die moderne bürgerlich-kapitalistische Gesellschaft sich auf Glück ausrichtet, so zwingend verwirklicht sie es immer nur dem Anschein nach, den so wahrscheinlich wie möglich zu machen sie sich unablässig bemüht.

Fazit: „Die Weltgeschichte ist nicht der Boden des Glücks. Die Perioden des Glücks sind leere Blätter in ihr; denn sie sind die Perioden […] des fehlenden Gegensatzes.“ Des gegen Null oder gegen Idealisierung gehenden Gegensatzes. Solche anscheinend leeren Blätter mischt Gottfried Keller unter diejenigen, auf die seine Erzählungen zu stehen kommen. Um auf ihnen zu schreiben, was sich angeblich nicht beschreiben lässt.

„Die Abendsonne floss unter das unendliche Gebälk der Halle herein und vergoldete tausende von lustverklärten Gesichtern, während die rauschenden Klänge des Orchesters die Räume erfüllten. Hermine saß im Schatten von ihres Vaters breiten Schultern so bescheiden und still, als ob sie nicht drei zählen könnte. Aber von der Sonne, welche den vor ihr stehenden Becher bestreifte, dass dessen inwendige Vergoldung samt dem Weine aufblitzte, spielten goldene Lichter über ihr rosig erglühtes Gesicht, welche sich mit dem Weine bewegten, wenn die Alten im Feuer der Rede auf den Tisch schlugen; und man wusste dann nicht, ob sie selber lächelte oder nur die spielenden Lichter.“

Ein endlicher Raum, dessen Endlichkeit in das Licht aufgehoben ist, das ihn ganz durchdringt, seine Grenzen ineinander spiegelt und so seine Endlichkeit aufschiebt. Musik, die für gewöhnlich den Lauf der Zeit rhythmisiert und akzentuiert, fasst sich hier so einfach zusammen, dass sie mit der Unmittelbarkeit des Lichts eins wird. Beide miteinander bewahren nun Gesichts- wie Gehörssinn vor dem Versehen wie vor dem Vergehen. Die Personen in diesem Zeit-Raum werden zu Zeichen am Horizont der Dinge; ebenso aber werden die Dinge zu Zeichen am Profil der Personen. Die Bedeutung dieser Zeichen liegt in der vollkommenen Ansicht, die Dinge und Personen miteinander eingehen und erfahren. Wer oder was auf wen oder was deutet, wird unwichtig. Gold teilt sich in Gold, um sich mit Gold zu treffen und zu berühren. Logisch gesprochen: Das Allgemeine wird das Besondere und umgekehrt, alles Vermittelte selbst Vermittlung und damit gediegene, konkrete Unmittelbarkeit. So zunächst die „Vision des Glücks […], die diese Prosa realisiert […]. In ihr […] wiegt jede kleinste angeschaute Zelle Welt soviel wie der Rest aller Wirklichkeit.“

Wie tritt dieses Glück in der eben analysierten Szene in Erscheinung? Als ideale Begegnung von realer und intelligibler Welt, in der beide für einen unendlichen Augenblick identisch zu werden scheinen. Der Schein trügt, wie wir wissen. Er muss sich aus der wirklichen Differenz, die er verbirgt, als spontan und momentan sich bildende Mitte immer wieder neu herstellen. Und woran hat solche Wiederherstellung ihre Dauer? An der Wiederkehr dieser Mitte, ihrer sie wiederholenden Selbstähnlichkeit. Glück, das tatsächlich unendlich würde, verkäme allmählich zu einer Entropie, in der es erlöschte. Diese Art Glück braucht ein Ende. Es lebt und leuchtet nur, insoweit es so sterblich ist wie seine Subjekte.¹⁰

Wie weit reicht die Zeitspanne dieses Glücks? Wie lange wohl vermögen die Personen-Zeichen und die Ding-Zeichen miteinander stimmig zu bleiben? Wie lange mag der gesellige Einklang zwischen der sittlichen, der politischen Welt und der empirischen, der realen anhalten? Wird der Widerspruch, auf dem er beruht, nicht früher oder später aufbrechen und ihn durchkreuzen, so dass seine beiden Stimmen neu aufeinander bezogen und neu geordnet werden müssen? Glück macht sich selbst ein Ende; aber darin fordert es seine Wiederholung, die es in seiner ursprünglichen Form wieder herstellen soll.¹¹ Das ist unmöglich. Die Vorstellung, die sich ein Jetzt von einem Damals macht, das es in seine Gegenwart zurückholen will, ist von der Zeit geprägt, die zwischen ihm und jenem Damals liegt. Würde es diese Prägung anerkennen, verwandelte sich das wieder geholte Damals nie in ein rein gegenwärtiges Jetzt, sondern bliebe ein Jetzt von damals. Vergegenwärtigung ist nicht gleich Gegenwart, Erinnerung nicht gleich Erlebnis. Demgemäß versucht das Jetzt, das sein Glück zurück will, dessen Vorstellung von allen erinnernden Elementen zu reinigen, um sie sich so zu präsentieren, dass sie alles Repräsentierende verliert. Das misslingt. Das Ausgeschlossene, Verdrängte kehrt wieder, drängt sich in die Strukturen der Präsenz, überdehnt sie, verzerrt sie, sprengt sie. Der unendliche Augenblick festlich aufgehobener Endlichkeit zerfällt in einander gleichgültige oder gar feindliche Szenen, der Spiegel, der Personen und Dinge, Dinge und Personen einander vertraut und bedeutend macht, zerspringt und lässt sie einander fremd und ungedeutet zurück. Logisch gesprochen: Das zu präsentierende Allgemeine und das repräsentierende Besondere Stoßen einander ab und stehen einander verneinend gegenüber. Vermittlung schrumpft zu bloßer Relation, und die Unmittelbarkeit, die sie in einen Blick, eine Empfindung, einen Begriff zusammenfassen soll, wird abstrakt. Der Versuch, Glück zu wiederholen, der Wunsch nach seinem Noch-Einmal und Noch-Einmal, mündet in sein Gegenteil. Kennt Kellers Prosa auch diese Vision des Unglücks?

„Die Abendsonne, welche eben unter die betreffende Festhalle hereinschien, spiegelte an der vergoldeten Innenwand eines großen Ehrenpokales, der vor ihm stand, mit rotem Weine frisch versehen, und der Goldschein leuchtete mit unbeschreiblichem Zauber in die durchsichtige Purpurflut.“¹²

Martin Salander wiederholt das Glücks-Fest aus dem Fähnlein der sieben Aufrechten. Während dort jedoch die Abendsonne „unter das unendliche Gebälk der Halle“ hineinfließt, scheint sie hier nur in die „betreffende Festhalle“. Keine Unendlichkeit mehr. Keine Musik und damit auch kein Zusammenspiel von Gehörs- und Gesichtssinn, der nun für die Vermittlung der Glücks-Momente in der ihm gemäßen Form der Reflexion allein verantwortlich wird. Da ihr somit die Konkretion zu reicher Unmittelbarkeit abgeht, wie sie im Fähnlein Licht und Ton aus ihrer Begegnung erzeugen, bleibt auch die Unendlichkeit aus. Dieses Glück ist ursprünglich auf sein Vergehen hin angelegt, auch wenn die Spiegelung von Gold in Gold zunächst einen anderen Eindruck erweckt.¹³

„Martin heftete seine Augen auf das funkelnde Farbenbild, das, urplötzlich aus offenem Himmel gekommen, seine Gedanken zu besiegeln schien wie ein flammendes Siegelwachs. Ein rötlicher Schimmer aus dem Becher spazierte sogar über sein begeistertes Gesicht, was eine ihm gegenübersitzende anmutige Frau wahrnahm und es ihm sagte mit der Mahnung, er solle sich still halten, denn er sehe jetzt hübsch aus. Geschmeichelt hielt er ein Weilchen das Gesicht unbeweglich still, bis auf demselben der Abglanz zu flimmern begann, gleich dem Wein im Pokale. Denn es lief eine schwache Erschütterung durch den langen schmalen Tisch herauf, welche auch den Inhalt des Bechers bewegte.“¹⁴

Hermine sitzt neben ihrem Vater „so bescheiden und still, als ob sie nicht drei zählen könnte“. Aber die goldenen Lichter aus der Raum-Zeit-Schleife des Glücks-Festes zählen für sie und auf sie, als ob sie selber sie zählte, so dass Ding und Person, Objekt und Subjekt miteinander eine symbolische Zeichenreihe bilden. Martin hingegen wahrt Abstand. Er prägt sich ein Bild ein, indem er es mit seinen Überlegungen verbindet und es so als deren affirmierendes Abzeichen nutzt. An die Stelle des in sich unendlichen Augenblicks, wie ihn die sinnenfällige Vermittlung des Objektiven und des Subjektiven hervorbringt, tritt die subjektive Vorstellung des Objektiven – zunächst als Szene, dann als Pose. Die endet, als sie von außen her einen Stoß bekommt. Weshalb?

„Die Erschütterung rührte aber davon her, dass ein Festgenosse von zwei bürgerlich gekleideten Polizeibeamten unversehens aufgefordert wurde, sich zu erheben und mit ihnen hinauszugehen, und sich dessen weigerte, so dass der leicht gezimmerte Tisch einen Stoß empfing, als sie Hand an den Mann legten und ihn zum Aufstehen zwangen. Erbleichend fügte er sich und folgte ihnen, nicht ohne mit niedergeschlagenen Blicken verschiedene Dekorationen, bestehend in Rosetten, Schleifen und silbernen oder vergoldeten Emblemen, vom schwarzen Kleide zu nehmen […]“¹⁵

Der in sich unendliche Augenblick des Glücks-Festes kommt nur zustande und in Geltung, wenn er die aktuelle Selbstsicht der es feiernden Gesellschaft ideal widerspiegelt, um sie, zum Glücks-Bild erhoben, wieder auf sie zurück zu projizieren. Er öffnet die leeren Blätter nicht nur, er eröffnet sie zugleich. Die Gesellschaft, der diese Eröffnung gemacht wird, muss ihre Interessen-Gegensätze so weit zu mäßigen und auszugleichen verstehen, dass sie das Glücks-Bild nicht stören, das sie sich von sich zu machen trachtet.¹⁶ Sie mögen es markieren und konturieren, aber sie dürfen es nicht schneiden und verwunden. Das ist 1886, im Erscheinungsjahr des Martin Salander, schon seit gut einem Dutzend Jahren nicht mehr der Fall. Keller ist sich dessen sehr genau bewusst.

„Das Fähnlein, welches Dero Beifall erregt, würde leider dermalen zu schreiben nicht möglich sein, da es von glücklicheren tempi passati handelt und nun politisch und social bei uns ein großes Missbehagen herrscht.“¹⁷

Das patriotische Fest am Schluss des Fähnleins der sieben Aufrechten feiert das Glück eines Bürgertums, dem es gelingt, seinen existentiellen Grundwiderspruch zwischen Ökonomie und Sozialmoral so weit zu zähmen, dass er nicht antagonistisch wird. Dieses Gelingen und die reiche, glückbringende Unmittelbarkeit, die ihm innewohnen, enden mit der Gründerzeit.¹⁸ Die Akkumulation des Kapitals ordnet sich der Akkomodation des gesellschaftlichen Zusammenhalts nicht länger unter. Der Bourgeois gehorcht dem Citoyen nur noch zum Schein, während er ihn in der Tat zu umgehen und zu hintergehen, zu instrumentalisieren und zu funktionalisieren trachtet. Die bürgerliche Feier bürgerlichen Glücks verliert ihre Grundlage. Von der goldenen Allgemeinheit, die sie bedingt und entfaltet, bleibt nichts als der dekorierende Flitter, den der Verhaftete von seinem Rock nimmt.

Auch gescheitertes Glück verlangt nach Wiederholung, gerade weil es gescheitert ist. Wohin und wozu wird das führen?

Glück liegt für die bürgerliche Gesellschaft im harmonischen Ausgleich zwischen Moral und Empirie, zwischen dem Sittengesetz und den Erfahrungsgesetzen. Diese Harmonie kann dort entstehen, wo beide Gesetzesformen einander berühren, aber nur als augenblicklich schöner Schein, weil beide an ihrem substantiellen Gegensatz ihre Existenz haben. Kellers Erzählen im Fähnlein vermag diesen Augenblick nicht nur zu erzeugen, sondern ihm auch die Dauer eines langen Augenaufschlags zu geben, bevor er sich auflöst. Kellers Erzählen im Martin Salander legt sich Rechenschaft über die veränderte Ausgangslage ab. Die Subjekte dieses Glücks-Augenblicks sind keine sittlichen, die den Ausgleich mit der sie realisierenden Empirie suchen, sondern ökonomische, die auf Bereicherung aus sind und ihre Sittlichkeit nur noch in „silbernen oder vergoldeten Emblemen“ zur Schau stellen. Der Bourgeois dirigiert den Citoyen; nicht umgekehrt. Damit verkehrt sich die Bedingung bürgerlichen Glücks in ihr Gegenteil. Im Salander erscheint der unbedingte Wille zum Geld in der karikierenden Form des Betrugs und der Unterschlagung, also noch aus der Perspektive der Sittlichkeit. Hinter ihr zeichnet sich aber bereits die eigentlich ökonomische ab: die der Konkurrenz unter Warenproduzenten auf einem von aller Fremdregulierung möglichst freien Markt. Was geschieht, wenn die Agenten dieses Marktes daran gehen, das bürgerliche Glücks-Projekt zu verwirklichen? Da sie die Erfahrungswelt mit der Warenwelt gleichsetzen, konstruieren sie den Glücks-Augenblick aus demjenigen Waren-Arrangement, dessen Erscheinung am wahrscheinlichsten mit dem Lebensgefühl und den Lebenserwartungen möglicher KäuferInnen zusammenstimmt. Bestätigt und wieder und noch einmal bestätigt werden – ist das nicht, als läge man auf dem Wasser und schaute in den Himmel? Das Fest wird zum Festbetrieb, der Festbetrieb zur Event-Kultur. Während im „vorimperialistischen Bürgertum“¹⁹ Glück in der Darstellung des Sittengesetzes in der und durch die Erfahrungswelt besteht, wird es im nachimperialistischen ein Produkt der Warenwelt, in der die Präsenz des Sittengesetzes auf die Annehmlichkeit von Stimmungen und Phantasien zusammenschrumpft. Sehr zusammenschrumpft. „Schrei vor Glück! Oder schick’s zurück.“ So der Werbe-Spruch eines bekannten Internet-Händlers. Wenn der Schrei nicht kommen will, versuch’s noch einmal. Und noch einmal. Das Glück klingelt ganz gewiss nächstens bei Dir. Vielleicht.

Wir haben am Weg vom Fähnlein der sieben Aufrechten zum Martin Salander den vom bürgerlich republikanischen Glück zu dessen Verkehrung durch die bürgerlich kapitalistische Ökonomie verfolgen und absehen können. Ist das alles, was Kellers Erzählen in Gold-Schrift auf die leeren Blätter im Buch der Weltgeschichte schreibt? Oder gibt es irgendwo noch andere Tönung, anderes Timbre, veränderten und ändernden Schimmer?

„Die Erde war überall, wo man hin sah, mit Blumen bedeckt, von den eben verblühenden Bäumen wehten die Blüten hinweg, wenn ein Lufthauch sich erhob. Jetzt begannen die Kirchenglocken in der Nähe und in der Ferne zu läuten, rings um den langhin gedehnten See, in den weißschimmernden Ortschaften; die tiefen vollen Töne der mächtigen Glocken flossen zusammen und erfüllten weit und breit die Luft wie ein unendliches Klangmeer, welches an das klopfende Herz Justines hinan schwoll und es in seine Tiefe zurück zu ziehen drohte. Allein sie kehrte nicht zurück, sondern eilte, getragen von den tönenden Wogen, dem Manne entgegen, der jetzt im Scheine der Morgensonne raschen Schrittes heran kam.“²⁰

Sittlichkeit qua Religion und Empirie qua Natur sind in glückbringendem Einklang. Wie im Fest am Schluss des Fähnleins: „Die Abendsonne floss unter das unendliche Gebälk der Halle herein und vergoldete tausende von lustverklärten Gesichtern, während die rauschenden Klänge des Orchesters die Räume erfüllten.“ Während dort jedoch die Subjekte des in sich unendlichen Glücks-Zeit-Raums einfach und unmittelbar in ihn aufgehoben sind, als wären sie Teil seiner Architektur, wehren Justines Herz und Selbst-Gefühl diese Aufhebung zunächst ab und scheinen in eine sich gegen sie behauptende eigensinnige Individualität zurückzugehen. Aber dieser Schein verfliegt schnell. Justine, die, wie ihr Name sagt, das Herz für das Rechte und Richtige hat, lässt sich von den „tönenden Wogen“ durch den unendlichen Augenblick zu den endlichen weil geschichtlichen Zeiten von Ehe, Familie und bürgerlicher Gesellschaftlichkeit tragen, die zwar Glück nicht jederzeit beinhalten, aber seine Wiederkehr verbürgen. So weit bietet Das verlorene Lachen gegenüber dem Fähnlein der sieben Aufrechten nichts Neues. Tatsächlich? Sehen wir den ausschlaggebenden Satz noch einmal genau an: „Die tiefen vollen Töne […] flossen zusammen und erfüllten […] die Luft wie ein unendliches Klangmeer, welches an das klopfende Herz Justines hinan schwoll und es in seine Tiefe zurück zu ziehen drohte.“ In welche Tiefe? In die Tiefe von Justines Herz. Gewiss. Aber ebenso sehr in die Tiefe des Klangmeers, das dieses Herz zu überfluten und mit sich in sich zurück zu ziehen droht. Im unendlichen Augenblick des Glücks verbirgt sich eine Gefahr.

Setzen wir noch einmal neu an. Was gibt dem in sich unendlichen Augenblick des Glücks seine Unendlichkeit? Alle seine Momente sind so miteinander vermittelt, dass jedes ihn als ganzen auffasst und zu seinen Bedingungen darstellt, während es zugleich in seiner Einzelheit beharrt und sich darin auf alle übrigen bezieht, seine eigene Konkretheit in die Konkretion des Ganzen aufhebend. Die in dieser Beziehung angelegte Vergänglichkeit des besonderen einzelnen Momentes gegenüber seiner es umfassenden Allgemeinheit wird in seine Präsenz umgebogen, weil es in jedem anderen besonderen einzelnen Moment, das ihm seine Ergänzung fordernde besondere Einzelheit zu bestätigen scheint, ebenso sehr auf das es umfassende allgemeine Ganze trifft und sich durch es bestimmt findet. Die Absicht, die Zeit „durch ihre Verhältnisse zu den Dingen die in der Zeit sind,“²¹ zu definieren, sie demnach als endlose Abfolge des Vergehens aufzufassen, wendet sich durch die oben beschriebene Konstruktion für einen Augenblick in ihre Gegenansicht. Was an diesem Augenblick macht nun seine Subjekte glücklich? Jedes trifft seiner Anschauung, seiner Empfindung, seiner Erfahrung nach auf eine reich erfüllte, sich selbst genügende Objektivität, die ihm reinen Zugang ohne Anstrengung und Umstände anbietet. Tausend Gesichter, von der Synästhesie aus Licht und Klang und der sie gewährleistenden Architektur zur Lust unmittelbarer Übereinstimmung verklärt; ein Herz, das im Ineinander von Blütenregen und Glockenton, von Weiß und Gold in sich und aus sich zu sich zurückfindet. Alle Verneinung mit all ihrer Mühe fällt weg. Alle Existenz wird einfach – auf dem Klangmeer sich wiegen und in die Sonne schauen. Aber: Auch in diesem Meer kann man untergehen, versinken, verschwinden. Logisch gesprochen: Das Besondere konkretisiert sich mit dem Allgemeinen, das Allgemeine mit dem Besonderen, alles Vermittelte wird selbst Vermittlung und so deren reine Unmittelbarkeit, die sich rein durchdringt und darin ihre Vermittlungen überblendet. Reiche Unmittelbarkeit ist stets zugleich reiche Unmittelbarkeit. Übereinstimmung verführt sich und ihre Subjekte zur Über-Einstimmung, der, wie wir gesehen haben, Justine eben noch entgeht.

Worauf beruhen alle diese Überlegungen? Auf einem einzigen Satz aus Kellers Erzähl-Werk? Einer grammatischen Doppeldeutigkeit, die vielleicht unwillkürlich zustande gekommen ist? Nein.

Ursula, die titelgebende Figur in Kellers gleichnamiger Novelle, ist „gut, wie das tägliche Brot, frisch, wie das Quellwasser und rein wie die Luft vom Berge“²², eine so unmittelbare Einheit von Sittlichkeit und Natur, dass beide ihre Bestimmungen ohne weiteres miteinander wechseln können. Ursula symbolisiert das Glück. Es liegt in ihrem Wesen, aber es existiert nicht für sie, nur für andere, insbesondere für den Kriegsmann Hansli Gyr, dem „das Zusammenwohnen mit ihr […] so unentbehrlich wie die Heimaterde selbst“²³ scheint, der also in ihr das Glück zu finden weiß, das sie verkörpert. Ursula handelt, wie bekannt, während und von der Reformationszeit sowie von den Sekten, die sich vor allem im Zürcher Oberland ausbreiten und unter denen Ursulas Vater eine führende Rolle spielt. Sie verwechseln, wie uns erzählt wird, Himmelreich und Erdenreich, mit welcher Verirrung sie Ursula so anstecken, dass sie ihren Liebsten für den Erzengel Gabriel ansieht. Der ist ein himmlischer Kriegsmann wie Hansli Gyr ein irdischer; sie sieht also in der Verwechslung zugleich richtig. In ihrem Liebsten zeigt und bewährt sich für sie das Glück, das ihr Wesen nur für andere bedeutet; sie sieht also in der Verwechslung zugleich das Richtige. (Liebende nennen einander bis heute manchmal ‚mein Engel`; aller Ironie und aller Klischiertheit zum Trotz blitzt darin immer wieder die Erinnerung daran auf, dass im Antlitz dieses Du der unendliche Augenblick des Glücks aufgehen kann.) Wird nun bei Ursula, deren persönlichkeitsbestimmende Grenze zwischen Sittlichkeit und Natur nicht schärfer gezogen ist als ein Lufthauch, die oben als Verschiebung beschriebene Verwechslung dazu führen, dass sich ihre Übereinstimmung mit ihrem Glück in die Über-Einstimmung verschiebt?

Als Hansli Gyr seiner von ihm träumenden Ursula unerwartet gegenübertritt und sie beim Namen ruft,

„wachte sie auf und sah seine hohe Gestalt, die sich dunkel von der leuchtenden Fernsicht abhob und nur auf den Achseln vom beglänzten Eisen schimmerte. Aber so stattlich er anzusehen war, so verblasste doch seine soldatische Pracht und Herrlichkeit vor dem seltsamen Schönheitsstrahle, der ihr Gesicht verklärte, als sie ihn plötzlich erkannte. Und zwar entstand diese Schönheit sozusagen in Abwesenheit des Geistes wie der Sonnenblick, der über ein stilles Wasser läuft.“²⁴

Ursula sieht mit dem äußeren Auge, den sie mit dem inneren schon gesehen hat:

„Manchmal sah sie sich mit leuchtenden Augen um, bald in die duftige Ferne, in welcher die Gebirgshäupter gleich bläulichen Schatten sich reihten, bald in die nahen Waldsäume, die mit purpurner und goldener Farbe sie umgaben, so geheimnisvoll, als ob jeden Augenblick der geliebte Mann aus den Bäumen hervortreten sollte.“²⁵

So kommt es. Aber wer kommt? Hansli Gyr in seinem Soldatenschmuck? Oder doch und mit ihm zugleich und scheinbar als er der Erzengel Gabriel in „Pracht und Herrlichkeit“, von der „leuchtenden Fernsicht“ vor ihre „leuchtenden Augen“ gezeichnet? Kellers Erzählen setzt die Verirrung seiner Protagonistin ins Recht: Sie sieht richtig und falsch zugleich, so dass beide Sichtweisen einander bedingen und ergänzen. Der Anblick jeden Engels ist überwältigend. Anschauung, Empfindung und Erfahrung des Subjekts, dem er widerfährt, amalgamieren sich mit ihm bis zur „Abwesenheit des Geistes“. Der Anblick eines geliebten Menschen hingegen ist erhellend und klärend „wie der Sonnenblick, der über ein stilles Wasser läuft.“ Übereinstimmung oder Über-Einstimmung? Beides zugleich in Einheit und Zäsur.²⁶

Wenige Abschnitte später tut Kellers Erzählen noch einen Schritt über diese Architektur des in sich unendlichen Glücks-Augenblicks hinaus. Als Ursula ihrem Erzengel im Arm liegt, fragt sich Hansli, „ob sie scherzte oder irre redete […] Er konnte aber nichts entdecken, als eine unergründliche Flut von Liebe, Traurigkeit, Freude und Sorglosigkeit, was alles er eben nicht auseinanderzuhalten vermochte“²⁷. Liebe und Freude, weil Ursula sich eins mit ihrem gegenwärtigen Glück weiß; Traurigkeit, weil diese Übereinstimmung in den Selbst-Verlust der Über-Einstimmung mündet, der nicht als bedrohlich, sondern als befreiend und somit ohne Sorge erlebt wird. Beide Momente der Glücks-Erfahrung markiert keine Zäsur mehr; sie sind in eine „unergründliche Flut“ aufgehoben und aufgesogen.²⁸ Verständlich, dass Hansli Gyr zumut ist, „als ob er allein da wäre, der bei sich selbst sei, und keine zweite Person in der Nähe“²⁹.

Hier geht Kellers Erzählen keinen Schritt weiter. Es geht vielmehr einen Schritt zurück. Ursula, von den Schaustellungen ihres Vaters und seiner Anhängerinnen in Sinnen-Verschiebung und –Verirrung, aber, wie sich gezeigt hat, nicht in Verwirrung gebracht, bringt der schlichte Anblick des rechtschaffenen, Recht schaffenden Reformators Ulrich Zwingli wieder zur richtig wahrnehmenden Anschauung³⁰:

Die „Gedanken und Augen“ der „auf wunderbare Weise genesene[n] Ursula […] waren […] vollkommen sicher und klar. Das Glück, das sie empfand, half ihr bald wieder zu blühenden Wangen; denn sie war wie ein gesegnetes Fleckchen Erde, das alsobald wieder ergrünt, sobald nur ein Sonnenblick und ein Tau darauf fällt.“³¹

Ursula weiß und sieht sich in Übereinstimmung mit ihrem Glück, der Gegenwart des Geliebten. Die Gefahr der Über-Einstimmung, in der ihre Schönheit erscheint „wie der Sonnenblick, der über ein stilles Wasser läuft“³², ist abgewendet. Das Wasser wird zur Erde, die im goldenen Grün konkret möglichen Reichtums steht, und der Sonnenblick verbündet sich mit dem Tau, diesen Reichtum in Licht und Schimmer und Wirklichkeit zu setzen. Das Glück, das Ursula demgemäß mit Auge und Gedanke wahrnimmt, übersteigt und überblendet sie in Person nicht, sondern bestätigt sie – wie ihre „blühenden Wangen“ zeigen.

Kellers Erzählen führt also nicht nur vom Fähnlein der sieben Aufrechten zum Martin Salander, vom bürgerlich republikanischen Glück zu dessen Verkehrung durch die bürgerlich kapitalistische Ökonomie. Es führt ebenso sehr ins ursprüngliche Zentrum dieses Glücks, in den Mittel-, den Ermittlungspunkt seiner Konstruktion. In der modernen bürgerlichen Gesellschaft sind Kellers Erzählen zufolge zwei Situationen glückverheißend und glückermöglichend: die Liebe und das Fest, die eine für das personale, die andere für das gemeinschaftliche Subjekt. Beide Subjekte sehen, empfinden, erfahren einen Augenblick, der dadurch in sich unendlich wird, dass jedes seiner Momente ihn ganz ausmacht und erfüllt und erklärt, während es zugleich eben darin auf alle übrigen Momente ebenso verweist. Von diesem Differenz präsentierenden wie integrierenden Ineinander-Scheinen geht ein Glanz aus, der seine Subjekte vom Leid aller Widersprüche und Widerwärtigkeiten glückbringend befreit, aber darin zugleich den ihm eigentümlichen Reichtum an Differenz zu überblenden und seine Subjekte für ihn blind zu machen vermag. Nicht dass er damit bedeutungslos würde; aber er zieht sich auf das reine Bedeuten zurück, das Raum für neue Begegnung, neue Projekte, neue Formen des Glücks bietet. Nichts davon bietet Kellers Erzählen tatsächlich an. Es verhält bei der Aussicht, bei der Andeutung des reinen Bedeutens. Es zeigt auf, aber es zeigt nicht auf etwas. Es weiß, dass „das Gesetzliche und das Leidenschaftliche, das Vertragsmäßige und das ursprünglich Naturwüchsige, der Bestand und das Revolutionäre erst das Leben ausmachen und es vorwärts bringen“³³ – und bescheidet sich mit dem ‚und‘.


Aufgeschaltet bei www.literaturkritik.de am 12. Juli 2019.


¹ Tiefenkulturelle Widerstände und Chancen: Warum braucht Nachhaltigkeit Gefühls- und Glücks-forschung?, „GAIA“ 16 (2007), S. 186.
² Theodor W. Adorno, Minima Moralia. Reflexionen aus dem beschädigten Leben; Ges. Schriften, hg. von Rolf Tiedemann, Frankfurt/M. 1997, Bd. 4, S. 179.
³ Immanuel Kant, Kritik der reinen Vernunft. Transzendentale Methodenlehre B 842.
Eben diesen Schein und die Unruhe der Lüge, die sich in ihm verbirgt, nimmt Nietzsche für die Sache selbst: „Wenn wir [freien Geister, Vf.] das Wort ‚Glück‘ […] gebrauchen, so denken wir dabei nicht […] an äußeren und inneren Frieden, an Schmerzlosigkeit, Unbewegtheit, Ungestörtheit […] Das Ungewisse vielmehr, das Wechselnde Verwandlungsfähige Vieldeutige ist unsere Welt.“ (Nachgelassene Fragmente 1884-1885: Kritische Studienausgabe (KSA), hg. von Giorgio Colli und Mazzino Montinari, 2., durch-ges. Aufl. Berlin 1988, Bd. 11, S. 658)
G.W.F. Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte; Werke in 20 Bdn, hg. von Eva Moldenhauer und Karl Markus Michel, Bd. 12, Frankfurt/M. 1970, S. 42.
⁶   Das Fähnlein der sieben Aufrechten; Gottfried Keller, Sämtliche Werke, hg. unter der Leitung von Walter Morgenthaler im Auftrag der Stiftung Historisch-Kritische Gottfried Keller-Ausgabe (HKKA), Basel, Frankfurt/M., Zürich 1996ff., Bd. 6, S. 328.
Poetisch gesprochen: „O Abend, den ich nie vergessen will und kann! – Alles um mich her war mir nicht bedeutend, sondern ausgesprochen, alles war da, nicht entfliehend, und nicht kommend, alle Sehnsucht ruhte.“ (Sophie Mereau-Brentano, Betrachtungen, in: Dies., Wie sehn‘ ich mich hinaus in die freie Welt. Tagebuch, Betrachtungen und vermischte Prosa, hg. und komm. von Katharina von Hammerstein, München 1997, S. 142)
Walter Benjamin, Gottfried Keller. Zu Ehren einer kritischen Gesamtausgabe seiner Werke, in: Ders., Gesammelte Schriften II/1, werkausgabe Band 4, Frankfurt/M. 1977, S. 288.
„Die beste Definition [der Zeit, Vf.] wird wohl immer die seyn, dass Zeit Zeit ist, dafern man sie nicht und zwar auf eine sehr missliche Art, durch ihre Verhältnisse zu den Dingen die in der Zeit sind, definieren […] will.“ (Johann Heinrich Lambert 1779 an Immanuel Kant; in: Lambert, Philosophische Schriften. Briefwechsel, 1. Band, hg. von Hans Werner Arndt, Hildesheim 1968, S. 360)
¹⁰ Diese Sterblichkeit ist für Keller die Bedingung festlichen Glücks und das wiederum die Bedingung gelingender Kunst und Poesie: „Die Welt ist mir unendlich schöner und tiefer geworden, das Leben ist wertvoller und intensiver, der Tod ernster, bedenklicher und fordert mich nun mit aller Macht auf, meine Aufgabe zu erfüllen […], da ich keine Aussicht habe, das Versäumte in irgend einem Winkel der Welt nachzuholen […] und ich bin fest überzeugt, dass kein Künstler mehr eine Zukunft hat, der nicht ganz und ausschliesslich sterblicher Mensch sein will.“ (An Baumgartner am 27. März 1851; Gesammelte Briefe, in 4 Bdn hg. von Carl Helbling Bd. 1, Bern 1950, S. 290f.)
¹¹ „Dialektik des Glücks: ein zweifacher Wille: das Unerhörte, nie Dagewesene, der Gipfel der Seligkeit. Und: Ewiges Noch-Einmal der gleichen Situation, ewige Restauration des ursprünglichen, ersten Glücks.“ (Walter Benjamin, Fragmente vermischten Inhalts. Betrachtungen und Notizen. Ges. Schriften, hg. von Rolf Tiedemann und Hermann Schweppenhäuser, Bd. VI, Frankfurt/M. 1985, S. 202)
¹² Martin Salander, HKKA Bd. 8, S. 267.
¹³ Für Keller steht fest, dass „das einerseits das Gold einen sonstigen allgemeinen Sinn hat und es andererseits [---] mit allen andern Farben, um deren erhöhten Glanz oder ein gewisses Schimmern auszu-drücken, verbunden werden kann“ (Das goldene Grün bei Goethe und Schiller, HKKA Bd. 15, S. 135).
¹⁴ Martin Salander, HKKA Bd. 8, S. 267.
¹⁵ Ebd.
¹⁶ „Erwerben, Erhalten, Erweitern, Mitteilen, Geniessen gehen gleichen Schrittes, und in diesem lebendigen Ebenmass lässt uns die bürgerliche Weisheit ihre schönsten Wirkungen sehen.“ (Johann Wolfgang von Goethe, Anhang zur Lebensbeschreibung des Benvenuto Cellini; Jubiläumsausgabe in 40 Bdn, hg. von Eduard von der Hellen u.a., Stuttgart und Berlin 1902ff., Bd. 32, S. 254)
¹⁷ An Julius Rodenberg am 27. März 1878 (HKKA Bd. 22, S. 553f.) Zu lesen ist es aber eben deshalb umso nötiger. Deshalb hat Keller den Text von 1860 nahezu unverändert in die Züricher Novellen von 1878 aufgenommen. Trotzdem: „Das ‚Fähnlein‘, kaum 18 Jahre alt, ist bereits ein antiquirtes Grossvaterstück, die patriotisch-politische Zufriedenheit, der siegreiche altmodische Freisinn sind wie verschwunden, sociales Missbehagen, Eisenbahnmisere, eine endlose Hatz sind an die Stelle getreten.“ (An Theodor Storm am 25. Juni 1878; HKKA Bd. 22, S. 557) 1878 bricht die mit Kapital aus demokratischen Kreisen gegründete „Nationalbahn“ zusammen, die als „Volksbahn“ die „Herrenbahn“ Alfred Eschers, die „Nordostbahn“, bekämpfen soll. Escher siegt und kauft 1880 die bankrotte „Nationalbahn“ auf.
¹⁸ „Schon die Schweiz der Mitte des 19. Jahrhunderts war nicht mehr ausschliesslich jene arme ‚Alpenrepublik‘, als welche sie der idealisierende Blick von aussen stilisierte. Sie zählte […] zu den wohlhabenderen Nationen Europas. In der folgenden langen industriellen Wachstumsphase rückte sie bis gegen 1880 an den zweiten Platz hinter Grossbritannien vor.“ (Mario König, Wohlhabenheit. Vom Erfolg einer kleinen offenen Volkswirtschaft, in: Ders. et al., Eine kleine Geschichte der Schweiz. Der Bundesstaat und seine Traditionen, Frankfurt/M. 1998, S. 276)
¹⁹ Benjamin [wie Anm. 8], S. 285.
²⁰ Das verlorene Lachen, HKKA Bd. 5, S. 351f.
²¹ Siehe Anm. 9.
²² HKKA Bd. 6, S. 340.
²³ Ebd.
²⁴ HKKA Bd. 6, S. 373f.
²⁵ HKKA Bd. 6, S. 370.
²⁶ „Eine Spiegelwelt ist die Welt der Kellerschen Schriften – freilich auch darin, dass irgend etwas in ihr von Grund auf verkehrt, rechts und links darinnen vertauscht ist.“ (Benjamin ebd., S. 291)
²⁷ HKKA Bd. 6, S. 375.
²⁸ Ursula selber beschreibt ihr Wesen in dieser Daseinsweise so: „Ich bin so leicht, wie ein Vögelein in der Luft, wie das kleinste Fläumlein, das ein solches verloren hat und das nun still steht zwischen Himmel und Erde und das nicht weiss, soll es steigen oder fallen!“ <eHKKA>
²⁹ HKKA Bd. 6, S. 375.
³⁰ Siehe HKKA Bd. 6, S. 404.
³¹ HKKA Bd. 6, S. 410.
³² HKKA Bd. 6, S. 374.
³³ Frau Regel Amrain und ihr Jüngster HKKA Bd. 4, S. 187f.

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