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Vala Hauks: Flucht und zwei weitere Gedichte

Werkstatt/Reihen > Reihen > Wortlaut Island

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Foto © Birta Rán Björgvinsdóttir
Vala Hauks
Flucht und zwei weitere Gedichte
(Aus: Félagsland / Gemeindeland, Mál og menning, Reykjavík 2025)
Aus dem Isländischen von Jón Thor Gíslason und Wolfgang Schiffer


FLUCHT

Ich möchte
nur
eine kurze Pause
von mir selbst
deshalb
blättere ich
ein wenig
weiter



WAS ANZIEHT

Eine Schlucht
bei der man kein Ende sieht

eine Höhle
in einem hohen Felsen

ein hängendes Tal
zwischen namenlosen Gipfeln

ein Schafpfad
ein längst aufgegebener Weg

eine Schutzhütte
auf einer Karte

allein
sein



EINE BEGEGNUNG

Ich möchte
nur
eine kurze Pause
von mir selbst
deshalb
liege ich auf welkem Gras
und blättere durch die Wolken
schiebe mit dem Finger einen Eissturmvogel
vom Berg  
zum Strand
starre ins Blaue  
beobachte schwebende Teilchen
die sich im Sichtfeld voneinander trennen

unterdrücke den Wunsch
dass jemand vorbeigeht
und meine Achtsamkeit
bewundert


Vala Hauks, geb. 1992 in Húsavík in Nordisland, war nach einem Kunststudium an der Gesamtschule Süd-Islands und einem B.S.-Studium in Tourismus an der Universität von Island sowie der Universität Limerick in Irland über ein Jahrzehnt in der Tourismusbranche tätig. Danach absolvierte sie einen Masterstudiengang in Kreativem Schreiben an der Universität von Island. Sie lebt in Selfoss in Südisland. Für ihr Gedicht Schmerz verspüren wurde sie im Jahr 2024 mit dem Jón-úr-Vör-Poesiestab ausgezeichnet. Félagsland / Gemeindeland ist ihr erster Gedichtband.

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