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Tristan Marquardt, Andreas Töpfer: Katalog der Kataloge

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Elke Engelhardt

Tristan Marquardt, Andreas Töpfer: Katalog der Kataloge. Texte und Zeichnungen. Berlin (kookbooks) 2026. 288 Seiten. 39,00 Euro.

Katalog der Kataloge – Tristan Marquardt u. Andreas Töpfer
Wie aus zwei Hälften eine Schatztruhe wird  


Ein gewichtiges Buch ist der Katalog der Kataloge, schwarz und weiß auf rot, und so gestaltet, dass er zwei Bände in sich vereint. Entsprechend dem ersten Eintrag von Tristan Marquardt, „auszüge eines hälftenkatalogs“, ist der Katalog der Kataloge in zwei Hälften geteilt, die man parallel ansehen kann, denn das Buch ist so gestaltet, dass es erlaubt die Texthälfte, die der Lyriker Tristan Marquardt geschrieben hat, mit der Bildhälfte, die aus Zeichnungen von Andreas Töpfer besteht, gleichzeitig aufzuschlagen und nebeneinander zu betrachten. Dann liegen z.B. die Zeichnungen auszüge eines schattenkatalogs neben besagtem hälftenkatalog und man wird feststellen, dass sie hervorragend korrespondieren, denn auch Schatten haben jeweils eine andere Hälfte, und auch die Hälften sind Schatten einer jeweils anderen Hälfte. Was ich hier trocken und wortreich zu beschreiben versuche, ist im Katalog der Kataloge beeindruckend spielerisch und erfindungsreich umgesetzt. Es gibt zwei Lese- und Betrachtungsmöglichkeiten, die vielleicht (vielleicht auch nicht) zufällige, wenn man die beiden Kataloge chronologisch durchblättert, und diejenige, die jeweils unten auf der Seite auf die korrespondierenden Einträge des Partners verweist. Egal auf welche Weise man sich den Band erschließt, man öffnet unweigerlich zwei Schatztruhen.

Marquardt begann bereits 2013, in seinem Debüt das amortisiert sich nicht damit, Wahrnehmungen, Gedanken und Gefühle mit poetischen Mitteln zu ergründen. Fünf Jahre später, 2018, führte er das Projekt mit scrollen in tiefsee weiter. Wie bereichernd das Zusammenspiel zwischen Text und Bild ist, zeigte sich bereits beim ersten Band, der durch ein Heft mit Zeichnungen ergänzt wurde.  
Die Einträge beinhalten neben den auszügen Aufzählungen und Listen, die Befragung von Phänomenen wie Angst und Freundschaft, oder auch eine stupende Auseinandersetzung mit Verhalten und Umgang in sozialen Medien.
Marquardt betrachtet die Dinge von innen und außen, als Gefühl und als Tatsache. Als Form und als Farbe. Als Schatten und Licht. Geräusch und Bild. Als Möglichkeiten:

„farbe, die alte word-dokumente hätten, wenn sie vergilben würden und vergilbt wären.“

Hier kann lesend mitverfolgt werden, wie Farben von Worten profitieren können und andererseits auf Worte abfärben, es ist eine wunderbare poetische Gründlichkeit in diesen Überlegungen.
Schöpfung findet durch immer wieder neues und anderes Durchdringen des Materials statt. So entfaltet sich eine Poesie der Nüchternheit und Genauigkeit. Getragen von viel spielerischem Eigensinn. Und bereichert durch die Bewegung, die Andreas Töpfers Zeichnungen herstellen. Marquardt und Töpfer gelingt es, formen der leere mit Fragen zu füllen, nicht nur in den jeweiligen Auszügen, sondern generell: gedanklicher Leerstand wird in Bewegung gebracht. Unmöglich sich nicht anstecken zu lassen von den verspielten, philosophischen, einfallsreichen und immer poetischen Spielarten, die sich in diesem Band entfalten.

Man kann dieses Werk nicht nur lesen oder anschauen, man muss (bzw. darf) sich damit beschäftigen. Oder vielleicht fasst der allererste Eintrag sehr gut zusammen, was den Katalog der Kataloge ausmacht:

„hälfte, die häfte ist, weil es eine andere hälfte gibt, mit der sie a) ein ganzes bildet und mit der sie b) identisch ist.“

Obwohl der Fall hier noch ein wenig anders liegt. Hier liegen Hälften vor, die jeweils ein Ganzes sind und ein Drittes bilden, wenn sie miteinander korrespondieren.


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