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Tonda Montasser: Der alte See meines Ichs, verdammt

Gedichte der Woche
Tonda Montasser

Der alte See meines Ichs, verdammt


Narziss hat sich verliebt
in sich selbst, ich nicht.

Ich hocke an einem See
aus Selbstbeherrschung.

Der See vermischt
Purpurrot mit dunklem Grau,

fast unmöglich,
hier wahnsinnig zu werden.  

Darüber ein Baum des Chaos.
Zerstörung und Verstörung.

Ich schaue in mich selbst.
Riesige Stuhlmonster.

Was ist die beste Plage:
Masken, die andere beleidigen.

Dreiköpfige Eichhörnchen,
die in die Leere schauen.

Oder Handys mit Gefühlen.
„Ich habe mich immer gefragt:

was ist passiert,
dann wurde es mir egal“,

flüstert niederträchtig
verwirrt ich in alt.

Ich schau hin. Ich schau weg.
Bizarr, prometheushaft.

Es ist schrecklich,
die Zukunft so zu sehen.

Alle Terrassenmassakerkinder
sind tot. Außer ich.

Mein Hals kennt die Gefühle.
Ein Insekt, das langsam stirbt.

Ich habe Hunger. Essen...
Sitze endlos auf Stühlen...

„Oh, ich werde mich niemals töten,
um meine Seele zu retten“,

so singe ich,
willenlos und verstört.

Ich sehe meine Leber.
Ebenfalls gefesselt.

Adler können kommen
in jedem Moment.

Ich schreie und falle
vom Stuhl ins Wasser.

Das graue Wasser
färbt sich purpurrot,

und ich bin endlich
alt und tot.


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