Tim Trzaskalik: M. M.
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Tim Trzaskalik
M. M.
Derart pralle Brüste unterm Stoff,dass man eine ganze Kriegswirtschafthätte dranhängen können,mit Bombenteppichenund Kratern in der Ebene der Tonkrüge.Paol Keineg
Mein körper, sagt sie, erregt die männer
genau so, wie eine birne
auf knopfdruck leuchtet.
Z. b. in der Lexington Avenue
über einem u-bahn-schacht
gehen viele birnen an.
Späte worte ohne schminke.
Von Norma Jeane Mortenson oder Baker,
der waise,
die niemandem
gehört,
zur Unbekannten,
die dem ozean, dem himmel,
der ganzen welt gehört.
Geht sie an und aus
auf befehl?
Oder weiß sie genau,
wann es gilt,
M. M. zu spielen,
und wann nicht?
M. M. = abkürzung für poesie?
Oder: „Leider habe ich noch nie
eine hässliche brücke gesehen“?
Denn allein, immer allein, nie
nicht allein ...
Vogel zunähen, huhn oder truthahn,
bei 180° in den ofen,
30 minuten pro pfund.
Essig, öl, zwiebeln, gewürze.
Im eigenen saft kochen,
kartoffeln, pilze und frische erbsen dazu.
Sagt ihr, sagt einer auf der Lexington
Avenue,
dass ich im Hotel auf sie warte
gegen
arbeit, sagt sie, ist auch eine form von
liebe.
Oder gegen
zunächst einmal, sagt sie, gute filme machen
wie ein schwamm.
Das bedürfnis der jungen, alten und
schwachen.
Mehr nicht.
Mehr nicht.
Mutig lieben ist das beste,
was man machen kann,
und so viel ertragen,
wie man aushalten kann.
Mehr nicht.
Mehr nicht.
Die zartesten, vagsten gefühle =
jemand. Ein und dieselbe
in einem anderen kleid.
Greta Garbo + Charlie Chaplin.
Inklusive unamerikanischer gelegenheiten.
Für den einzigen, dem man vertraut
wie sich selbst.
– Wo ist sie?
– Auf die toilette verschwunden.
– Das kann dauern.
Denn sie kann so lange in den spiegel
schauen,
wie eine elefantenkuh trächtig ist.
– Unglaublich.
– Und wenn du sie fragst: Was machst du da
so lange vor dem spiegel?, antwortet sie:
Ich schaue sie mir an.
Ich,
sie,
jemand
ist gleich nebenan,
ohne je i., s., j. zu sein.
Die unangemessenheit unseres zusammenseins,
sagt einer (noch einer),
war für mich das zeichen,
dass es angemessen war.
Denn sie war sinnlich
und schien das leben zu lieben,
während tief in ihr
eine dunkelheit und tragik,
deren ausmaße [...].
Herr und Frau Müller ...
Trinken Sie ein glas champagner mit mir?
Einen unglaublichen sabotageakt?
Einen brief aus der hölle?
Was man nicht
alles trinken kann ...
Arthur, du warst ein a.
Viele mögen’s heiß
und sie dumm.
Sonst säße sie nicht
in diesem zug
mit dieser miesen mädchenband.
Daher gilt es,
alles zu verkomplizieren
mit mieser stimmung.
Wenn der wilde boss fragt:
Was ist los?,
antwortet Wilderin:
Ich habe mich verlaufen.
Oder: Rutsch mir den buckel runter.
Das heißt,
den weg zu einer rolle gehen,
einen stetigen kampf führen,
mehr verausgaben, als man hat,
aber ohne mund, füße, schultern.
(„Ich war mutiger.
Ich hatte einen nervenzusammenbruch.“
B. Wilder.)
Bald schon eine tänzerin,
die nicht mehr t. kann.
Darum
nicht gesellschaftsfähig?
Und so traurig?
M. M. zu A. M.:
Du hast ein paar sachen umgestellt?
Schab-
lone-
ly.
Komm, lass uns was trinken gehen.
Auf Traum aus.
Oder
John H. Geld.
Wenn sich alles zuspitzt,
gemeinsame sache mit den verfolgern machen.
– Ich kann nicht über mein persönliches leben
sprechen.
– Kein problem, lass uns ein paar fotos
machen.
Der mund ist das traurigste,
neben ihren toten augen,
zwischen den lippen
ein dunkler strich.
Wozu sind nächte gut?
Um S.-F.-Briefe zu lesen.
Science-Fiction? Nein.
Als sich die türen hinter ihr schlossen,
gab es nur noch doktoren,
die nicht ihre doktoren hätten sein sollen.
Payne Whitney.
Betonblock.
Alles unter verschluss.
Glühbirnen, schubladen, badezimmer, schränke.
Das heillose chaos.
Machen Sie, sagt sie mit sehr beherrschter
stimme,
einfach nur die tür auf,
bitte.
Most Valuable Player bricht sie auf.
Und führt Leserin
in einen wald voller weihnachtssterne.
Sonst gibt es ja niemanden mehr, sagt er.
Und vergisst einen doktor ...
Greenson. Welcome to California.
Ihr die tabletten zu verabreichen,
erläutert G. seine lehre,
war ein versuch,
ihr etwas von mir zu geben,
das sie schlucken konnte,
um das gefühl der schrecklichen leere
überwinden zu können.
[Sic.]
Eine frau sagt:
Meine arbeit ist die einzige
zuverlässige hoffnung,
die ich habe.
Nach einem unglaublich schweren jahr.
Nach einem unglaublich schweren jahr
veröffentlicht der Fuchs des 20. Jahrhunderts
die Böse Wölfin.
Doch sie zeigt sich wehrhaft, ist nicht
die maschine,
sosehr Fuchs sich diese maschine auch
wünschen mag.
Wenn ich, sagt sie frank und frei, ein star
bin,
dann weil die leute mich dazu gemacht haben,
nicht ein studio oder eine einzelne person.
Ich möchte wirklich eine gute schauspielerin
sein.
Ich wäre gerne glücklich,
aber das ist fast so schwer,
wie eine gute schauspielerin zu sein.
Nun denn, also lasst uns weitern.
Lieber Lee, schreibt sie,
es gibt eine zukunft
und ich freue mich sehr darauf!
Warum musste alles –
das licht schwand,
und sie schien mit ihm zu schwinden,
mit himmel und wolken zu verschmelzen
(kein wolkenbrecher weit und breit) –
so kommen?
Stirbt die zukunft,
will die fantasie,
dass es nicht einfach wird
und alle das schwierige
feilen müssen.
The thinking body.
Motor einer maschine.
Mit den augen hören.
Mit den ohren sehen.
Das Gedicht ist ein früher Vorabdruck aus "Notdürftige Armseligkeiten", dem neuen Band von Tim Trzaskalik, der im Oktober 2026 beim Verlag Rohstoff Berlin erscheinen wird.