Theresa Seraphin: 2005
Gedichte > Gedichte der Woche
0
Foto: Stella Traub
Theresa Seraphin
2005
Schiffbrüchig liege ich auf der Matratze,
seit ich uns verraten habe.
Trinke nicht, esse nicht, träume keinen Traum.
Neben mir, zwischen Pyjama und Daunen,
liegt als würde sie fliegen — eine Putte.
Keine Panik! ruft sie mir zu.
Retten kannst du uns später,
erst rede ich von der Liebe.
In Augen, wie Äpfel zum Reinbeißen,
dem Speckbauch, rausgestreckt und Flügeln,
für nichts weiter als zum Sahne schlagen,
erkenne ich mich.
Wenn ich so liebe, wie ich liebe,
was ist dann Liebe? frage ich die Putte.
Lieber noch ist die Liebe etwas Häßliches,
als dass das keine Liebe ist, sagt sie.
In Theresa Seraphin: Pigeon Heart. Berlin (Verlagshaus Berlin) 2026.
80 Seiten. 18,00 Euro.