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Tereza Šustková: Drei Gedichte

Werkstatt/Reihen > Reihen > Über die Schwelle - Neues aus Tschechien

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Foto: Alžběta Procházka
Tereza Šustková

Drei Gedichte
Aus dem Tschechischen von Patrik Valouch

Diese Frau schenkte Wasser in den Wein.
War es deine Schwester? Geliebte, Mutter?
Sie trug ein dunkelblaues Kleid und sagte:
Meine Flamme wird bald erlöschen,
bin unfruchtbar wie ein Brachfeld,
voller Steine, die aber nicht reichen,
um mich in den Tod hinunterzuziehen.
Also hast du spät in die Nacht ein Bild gemalt,
bis du einschliefst mit dem Kopf auf der Leinwand.
Am Morgen hattest du dann im Gesicht
den Abdruck eines Heiligenantlitzes.


Ich will noch einmal hören,
wie dich die Geschichte der Vertreibung aus dem Paradies erzürnt,
während Juliana am Tisch die Zeitung durchblättert,
Josefinka vorsichtig aus der Katzenschüssel frisst,
der Kamin schlecht zieht, das Feuer erstickt,
und das macht uns ja lebendig,
dieser Rauch, Löcher im Dach, Schutt ringsum,
nicht fertiggestellte Bilder, wacklige Freundschaften,
Sträucher und Weißdorn,
Flammenschwerter in Cherubimhänden.

Unsere Unerfülltheit wächst stetig,
das schwächt bloß ihre Macht.
Meine Sehnsucht – Axt,
du fielst ins Eis.
Ich trage dich in mir wie eine Chiffre,
die sich erst im nächsten Leben öffnet.
Das letzte Lumpenstück schützt
das Gesicht vor Frostbeulen.


Tereza Šustková (*1991, Šternber) ist eine in Mittelmähren geborene und verortete Dichterin und Organisatorin von Poesieveranstaltungen. Die ausgewählten Gedichte stammen aus ihrem bislang letzten Lyrikband „Koutnice“ (2024, dt. Schirmnische).   In ihrer spirituell angehauchten Lyrik geht sie mit klarsichtiger Schärfe und einer filigranen Empathie den düsteren Nuancen des Glaubens und Hoffens nach. In einem kompakten und konzentrierten (geistigen und physiologischen) Raum entfaltet sie die Widersprüchlichkeiten des Menschseins und die Sehnsucht nach Horizonten des Göttlichen.

Der Übersetzer dankt Klaus Anders für die kritische Durchsicht der Gedichte.

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