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Teaser-Lesung bei Literatur Moths

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Auftakt zum Großen Tag der jungen Münchner Literatur

teaser-Lesung bei Literatur Moths



Bis auf den letzten Platz und darüber hinaus besetzt war an diesem Herbstabend, Donnerstag, 23.10., die Buchhandlung Literatur Moths in der Rumfordstraße nahe des Isartors, als die Organisatoren des »Großen Tags junger Münchner Literatur« zur Teaser-Lesung luden. Viele Interessierte, Studierende und Mitwirkende sammelten sich in der gemütlichen und bibliophil gestalteten Buchhandlung, die dieses Jahr ihren 20. Geburtstag feiert.  

Den Auftakt zu diesem „Großen Tag“, der am 24. Januar im Einstein Kultur stattfinden soll und zu dem 42 Autorinnen und Autoren verschiedener Literaturgenres (Prosa, Lyrik, spoken word) eingeladen werden, bildeten Dorian Steinhoff (Prosa), Heike Fröhlich (Lyrik) und Nina Sahm (Prosa).  


Der Abend


Die Veranstaltung bestand aus drei Lesungen á 15 Minuten, so wie es auch in größerer Dimension am 24. Januar vonstattengehen wird. Aufgrund der drei unterschiedlichen Texte und Stimmen, die von einer kurzen Anmoderation eingeleitet wurden, war die Zeit im besten Sinne kurzweilig, und man hatte in entspannter und freundlicher Atmosphäre den Eindruck eines ereignisreichen und spannenden Abends. Die unterschiedlichen Stile und Vortragsweisen der Autoren ließen die gelesenen Texte klar zur Geltung kommen und gerade der Wechsel zwischen Lyrik und Prosa verhinderte eine Vermischung.

Der Literaturvermittler und Autor Dorian Steinhoff las aus seinem Debütband »Das Licht der Flammen auf unseren Gesichtern«, der letztes Jahr bei mairisch erschienen ist. In seiner Erzählung wird auf einfühlende und sympathische, aber auch problematisierende Weise geschildert, inwiefern sich stationäre Therapie als kontraproduktiv erweisen kann. Mit dem Blick auf das Menschliche und Zwischenmenschliche zweier junger Männer, die sich in Therapie befinden, hinterließ die kurze Erzählung durch das zärtliche Moment, das bestehen blieb, das aber mit der Institution Psychiatrie in Gestalt der Therapeutin konfrontiert wird, einen betroffen machenden Eindruck.

Heike Fröhlich, Lyrikerin und Mitinitiatorin einer jungen Lesereihe im Lyrik Kabinett nächstes Frühjahr, las ihre Gedichte mit einer beeindruckenden Stimmlichkeit. Dabei stand das Botanische, Gewächsartige im Kontrast zu den Betonbauten der Großstadt. Die gebürtige Ludwigshafenerin bezog eines dieser Gedichte in ihrer Erläuterung auf das Collini-Center am Mannheimer Neckarufer. Die Textgewächse bildeten ein phonetisch mal dissonantes, mal harmonisches Spiel der Wörter miteinander, gegen einander.

Den Abschluss bildete Nina Sahms Roman »Das letzte Polaroid«, der dieses Frühjahr in der Reihe Blumenbar im Aufbau-Verlag erschienen ist. Die Autorin las eine Passage zu Beginn des Buchs, die von der Begegnung zweier 14-jähriger Mädchen im Sommerurlaub in Ungarn handelt. Konflikte, aber auch Freundschaft werden gerade in den Beschreibungen der kleinen Dinge lebendig, von denen zum Schluss der Veranstaltung die Autorin in Episodenform an einem Badesee auch erzählte.

Die Einblicke aus den jeweiligen Werken haben an diesem Abend in ihrer sekundären Funktion als teaser Lust auf mehr gemacht, da gerade durch die Vielseitigkeit und Kürze des Vortrags, aber auch durch die jeweilige Anmoderation jeder Text für sich selbst stehen konnte. Man kann sich also auf den 24. Januar freuen.    


Ziel des Großen Tags junger Münchner Literatur


Das Ziel der Veranstaltung in den vier Hallen des Einstein soll sein, aktuelle junge Münchner Autoren und Autorinnen vorzustellen und dabei gerade die noch nicht in den Literaturbetrieb involvierte Literaturszene Münchens zu Tage treten zu lassen; erscheint es doch spannend, junge Künstler, die in einer Stadt wirken, auch in dieser Stadt sichtbar zu machen und ihnen eine Plattform zu bieten. In den letzten Jahren ist in München im Bereich junger Literatur viel passiert, so Tristan Marquardt, Lyriker und Initiator der Veranstaltungsreihe für neue Lyrik »Meine drei lyrischen Ichs« im Einstein Kultur, der davon erzählte, dass die Idee vor einem Jahr auf einem gemeinsamen abendlichen Stadtstreifzug mit Daniel Bayerstorfer (Lyriker)  entstanden sei.

Zusammen mit Nora Zapf (Lyrikerin) und Heike Hauf (Lektorin) wurde innerhalb des letzten Jahres viel Vernetzungsarbeit geleistet. Die vier Initiatoren wollen zeigen, dass die junge Münchner Literaturszene zwar klein ist, dass aber gerade dadurch eine Zusammenarbeit umso besser gelingen kann und muss. Der Einbezug schon bestehender Schreibwerkstätten, wie z.B. der Schreibwerkstatt der LMU und der Poetry-Slam-Szene, macht deutlich, dass man alle schreibenden jungen Kräfte einbezieht. All das scheint mit einer freundschaftlichen Leichtigkeit zu entstehen, die erheblich zu dem positiven Grundton des sich Formierenden beiträgt. Passend dazu wird der Große Tag der jungen Münchner Literatur von einer Party abgerundet werden, bei der Tristan Marquardt alias Simian Keiser als DJ auflegen wird. Erfreulich ist auch, dass vorab ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung („Viele Freunde sollt ihr sein“) über die kommende Veranstaltung erschienen ist.


Katharina Kohm

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