Siegfried Völlger: flusswärts
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Florian Birnmeyer
Siegfried Völlger: flusswärts. Gedichte. Visbek (Geest Verlag) 2025. 134
Seiten. 13,00 Euro.
„flusswärts“ heißt der neue Lyrikband von Siegfried Völlger, jenem Dichter
aus Augsburg, der schon einige Berufe ausgeübt hat, ehe er schließlich als
Buchhändler und Dichter tätig war. Geboren 1955 im Bayerischen Wald, arbeitete
er zunächst unter anderem als Bauarbeiter, Fabrikarbeiter, Spüler,
Krankenpfleger und Wirt. Seine ersten lyrischen Veröffentlichungen gehen auf
die 1970er Jahre zurück. Später übte er lange seinen Beruf als Buchhändler aus.
Ich habe diesen Lyriker 2018 zum ersten Mal für mich entdeckt, als er in der
Lyrikedition 2000 des Allitera Verlags den Gedichtband „(so viel zeit hat
niemand)“ publizierte. Schon damals gefiel mir an seinen Gedichten dieser
Sound, der zugleich eine philosophische und etwas lebenspraktische Seite hatte.
Die Gedichte waren damals noch etwas kürzer als die im neuen Band „flusswärts“.
Schon das Cover deutet diese Richtung an. Zusammengehalten wird die
Sammlung, die aus mehreren thematisch verschiedenen Kapiteln besteht, durch einen
einheitlichen Zugang. Es ist also mehr der Ansatz, der Blick auf die Welt, der
die Gedichte eint. Mal geht es um Donovan und seinen Song „Hurdy Gurdy Man“ aus
dem Jahr 1968, dann wieder um Nachtschwärmer, um den Pfarrer und schließlich um
den Fluss.
Und dennoch ist der Band innerhalb seiner Kapitel weitgehend geschlossen.
Man merkt, dass Völlger viel geschrieben hat und das lyrische Handwerk
beherrscht. Gerade dort, wo originelle Einfälle und persönliche Erfahrungen
auftreten, glänzt „flusswärts“ besonders.
„wenn die ziege zu dir kommthast du etwas falsch gemachtund musst sehr vorsichtig seinfrüher dachte manziegen sind teufel(sieh dir einen genau an)
das denkt man jetzt nicht mehrteufel sind wegnur noch das mahnwesenist den ziegen geblieben“
Im Zentrum stehen immer wieder die Seele und das Glück, als würde in den
Gedichten etwas verhandelt, was den Dichter immer von neuem beschäftigt:
„die leute haben immerweniger achtgegebenauf ihre seelenvon anfang anwir konnten die einfachnicht mehr brauchenkleine unnütze dingerchenein wenig feucht meistein dutzend für höchstensmittleren reichtum“
Mitunter findet sich auch Witz dazu ein, denn Vollger nimmt seine Lyrik
nicht bitterernst. Diese Gedichte vermitteln eine Weisheit, die die moderne
Welt gut gebrauchen könnte. Gerade wenn man an die aktuelle Politik denkt, kann
entspannte, gleichmütige Dichtung vielleicht auch heilsam sein und guttun.
Besonders gelungen in diesem Gedichtband ist der letzte Teil, „die
freundlichkeit des flusses“. Der Fluss erscheint hier als eigenständige Persönlichkeit,
Figur und Lebewesen, das uns manches lehren kann:
„wenn du gehen musstgeh auf dem flusszuverlässigere freundefindest du nicht
er führt dich überallhiner ist mit der welt vertrauter verteilt sich in der welt“
Vom Fluss geht Heilung und Wissen aus. Man stellt sich unweigerlich die
Frage, woher Völlger die Ideen, Gedanken und Vorstellungen für diesen Band gewonnen
hat. Ob er die Flüsse Lech und Wertach in Augsburg beobachtet hat. Ob er alten
Leuten zugehört hat. Ob er aus Erinnerungen, Gesprächen, Bräuchen und Lektüren
jene eigentümliche Mischung gewonnen hat, die seine Gedichte ausmacht.
Die Lyrik Völlgers lässt sich keiner eindeutigen Schule zuordnen. Seine
Metaphern und Gedanken wirken tiefsinnig und philosophisch, aber auch
lebenszugewandt und praktisch. Wer diese Gedichte liest, legt das Buch
vielleicht nicht nur ein wenig glücklicher, sondern auch lebensklüger aus der
Hand.