Salvador Espriu: XX
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Salvador Espriu
Aus: Llibre de Sinera / Buch von Sinera
Übertragen von Àxel Sanjosé
XX
Moll d’aigua de mar
el sol en aquesta
paret va arribant.
L’alcaren només
perquè la camini
la claror d’hivern.
La tranquil.la llum
puja el mur amb una
freda lentitud.
El dia segueix
la blancor. Retarda
l’hora de ponent.
El curt pas del sol
és la llarge mida
del son del dragó.
XX
Von Meerwasser nass,
gelangt nun die Sonne
hier an diese Wand.
Sie wurd’ nur gebaut,
dass des Winters Helle
darauf schreiten kann.
Das ruhige Licht
erklimmt jetzt die Mauer:
kalte Langsamkeit.
Der Tag folgt dem Weiß.
Verzögert die Stunde
des westlichen Scheins.
Kurzer Lauf der Sonne
ist das lange Maß
für den Schlaf der Echse.
Aus: Salvador Espriu: Llibre de Sinera. Barcelona: Edicions 62, 1983 [zuerst bei Alberti Ed., 1963] (Els llibres de l’Escorpí, poesia, 78)
Salvador Espriu (1913–1985) gilt als einer der wichtigsten katalanischen Schriftsteller über-haupt. Obwohl er in den 1930er Jahren zunächst als Erzähler hervortrat, war es seine Lyrik, die ihm – beginnend mit Cementiri de Sinera (Friedhof von Sinera, 1946) und mit klassisch gewordenen Bänden wie El caminant i el mur (Der Wanderer und die Mauer, 1954), Final del laberint (Ende des Labyrinths, 1955), La pell de brau (Die Stierhaut, 1960), Llibre de Sinera (Buch von Sinera, 1963) oder Setmana Santa (Karwoche, 1971) – weit über die katalanisch-sprachige Welt hinaus die Anerkennung als bedeutender Dichter der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eintrug. Übersetzungen in zahlreiche Sprachen (darunter die des gesamten poetischen Werks ins Deutsche durch Fritz Vogelgsang, 2007) und hohe Auszeichnungen einschließlich der mehrmaligen Einbeziehung in die Vorschlagsliste für den Nobelpreis spiegeln die Anziehungskraft, die von Esprius atmosphärisch dichtem, mit hermetisch-karger Symbolik ausgestattetem poetischen Universum ausgeht.
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