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Monika Vasik: Schwermütige Partituren

Gedichte der Woche
Monika Vasik

Schwermütige Partituren


Dies Wirbeln dies Bewusstseinsrumoren
innerer Monologe im Kopf alles schreit
schrie ungeordnet wie es drängte sich stülpte
im Jetzt schädelte gegen Wand um Wand
sie spitzte die Feder stach tief sprengte Wörter
it’s writing that gives me my proportion
hinein in die Männerdominanz nicht nur
ihrer Zeit denn was wäre wenn mal angenommen
Shakespeare hätte eine Schwester hätte Judith
dieselben Chancen nie hätte sie gehabt Zeit nie
Macht nie eigenes Geld niemals Bildung Romane
kann man nicht sticken häkeln oder kochen sie
wollte schreibend die Zerrissenheit von Seelen
ergründen in relation to reality Stimmungen
Gedanken Erinnerungen how unutterably disgusting
life is Satz für Satz alles Überflüssige eliminieren
„Zwischen den Akten“ dann ihr Straucheln Absturz
in die alte Angst des nicht Genügens ihr Zer
splittern im Vermeintlichen ihrer Winzigkeit
elendes Wundsein grau die Dürre jedes Tags
sich ins Riesige weitete verwüstete zerdehnte
ohne Blau ohne Sonne keine Spur von Gold
getupft in den Wahn ihrer Sinne das Herz pulste
jammerwelk die Hand fügte falsch alles blass
jedes Wort kraftlos verharrend sah sie Jahres
zeiten beim Schwinden zu ohne deren Aufhören
oder Anfangen zu bemerken bis dies Wirbeln
dies Bewusstseinsrumoren freisinnig ihr die
Finger aus dem Schoß flirrte ihren Körper
head over heels an den Schreibtisch wo Poesie
frenetisch aus ihr drängelte aufs Blatt Papier


(Adeline) VIRGINIA WOOLF, geb. Stephen:
geb. 25.1.1882 in London; gest. 28.3.1941 bei Rodmell (nahe Lewes, Sussex)
englische Feministin, Schriftstellerin, Wegbereiterin der klassischen Moderne, Literaturkritikerin, Verlegerin


Vorab aus Monika Vasik: Knochenblüten. Gedichte. Nettetal (Elif Verlag) 2022. 94 Seiten. 20,00 Euro.

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