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Michael Braun: Strömungslehre der Poesie

Dreißig Jahre Lyrik Kabinett
Michael Braun
Strömungslehre der Poesie


Als am 25. November 2013 Peter Hamm noch einmal ins Lyrik Kabinett kam, um gemeinsam mit Michael Lentz den vergessenen Dichter Jesse Thoor vorzustellen, war sie wieder da – jene sinnliche Erfahrung, die sich nur im Lyrik Kabinett machen lässt: die an diesem Abend hautnah zu erlebende Erfahrung, dass uns die Geschichte der modernen Poesie lebendig, live, unmittelbar berührend auf der Bühne gegenübertritt. Zwei inspirierte Poeten sprachen über einen Dritten, einen vergessenen Kollegen. Peter Hamm, der bereits als 17jähriges Junggenie im Jahr 1954 Gedichte in den „Akzenten“ veröffentlicht hatte, traf auf Michael Lentz, den Meister der experimentellen Poesie, der da schon an seinem Roman „Schattenfroh“ arbeitete, dem bislang radikalsten deutschen Roman des 21. Jahrhunderts. Zwei ungeheuer belesene, ungeheuer kenntnisreiche Autoren präsentierten den unglücklichen Dichter Jesse Thoor, ein wortmächtiger Paradiesvogel, der ab den späten 1930er Jahren als Vagabund durch die Lande gezogen war und 1952 bei einer Bergwanderung einem Infarkt erlag. Das Lyrik Kabinett war an diesem Abend wieder mal der Ort für eine Strömungslehre der Poesie. Und es wird dieser Ort bleiben – dank der epochalen Leistung, die Ursula Haeusgen mit der Gründung der Stiftung Lyrik Kabinett vollbracht hat. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!

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