Marion Margarethe Kecht: Drei Gedichte
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Foto: Martin Trimmel
Marion Margarethe Kecht
Drei Gedichte
Mein schwingendes Lasso bei zwei Grad unter Null
Heute schwinge ich
mein Lasso
über die Dächer der Stadt
fange verlorene Minuten ein
die ich dir gegeben habe
Morgen wird Luft dich beißen
wie scharfes Rasierwasser
mein Kopf schlägt auf Asphalt
und schreit in die Nacht
Ich reiße deinen Charme aus meinem Schädel
packe ihn bei den Haaren
werfe ihn gegen den Mond
er zerbröselt zu Puderzucker
Gezwungene Küsse
ungelebte Fieberträume
knirschen als Kiesel unter meinen Schuhen
ich ziehe sie aus
Mein Lasso schwingt
es singt
umkreist den Ursprung meiner Nacht
fängt Wut ein
und Ekstase
Ich tanze auf Eis bei
zwei Grad unter Null
mein Atem gefriert zu Kristallen und
mein Herz implodiert nicht mehr
still
ohne Titel
Ich habe den Schatten
bis auf die Knochen abgetragen.
So sieht Überleben aus:
ein ruhiges Gesicht
vor botanischer Gefahr.
Der Sommer liegt enger
an meiner Haut, als er sollte –
die Nerven wach genug,
um Blüten nicht zu trauen.
Ode an John Huston
Lass doch
den Unsinn mit
der Psychoanalyse
behalt dir lieber
deine Angst
Suche jede Form
der Paralyse
halt dich, bitte,
an das Brodeln der Schlingpflanzen in ihrem Saft
an das Brodeln der Schlingpflanzen in ihrem Saft
hier fault Zeit in Lichtjahren
niste dich dort ein
Löse die Probleme
mit dem Make-up und
behalt dir lieber
deine Angst