Marina Krug: Sonnenhungrig
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Marina Krug
Sonnenhungrig
In einer Zone der Imagination
drehst du langsam den Finger um Buchstaben.
Jemand im Schatten rät dir:
Lies, bevor du schreibst,
was ausgesprochen: denn der Befehl
der Sonnen scheint nuklear.
Mit Herzrädern lauf die Spur entlang
nordwärts zum Terrain der Vögel.
Dort ein schattiges Plätzchen für Damen und Herren
Nichtsnutze und all ihre dislozierten Qualitäten:
Grippe, koronare Infekte, Sonnenbrand,
eia, eia, Hand in Hand.
Signifikante Strahlen flimmern hungrig
und Fütterung erst um zehn.
Unter Sonnenschirmen
lümmeln Zehen, Wortspielpuppen, Fingerkuppen.
Auf der Haut Verbalkörper um Verbalkörper
eintätowiert
erscheint ein Schrift-Bild.
Lies, bevor das, was Gesetz ist,
unlesbar wird, laut
den Sonnenhungrigen vor.
In ausgedörrten Städten,
Einzugszonen für beschattete Kinder,
die in doppelten Zungen reden,
singt schon
niemand mehr vom Sonnuntergang.
Bevor ein Luftzug auch
sie forttreibt kalt übers Gebirge
nordwärts.