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Malcolm Lowry: Wahn

Diskurs/Poetik/Essay > Glossen

Malcolm Lowry:

Aus: Die letzte Adresse, 1963/77


Der Arzt kam zurück. Er sah auf seine Uhr. »Entschuldigen Sie. Wo waren wir stehengeblieben?« »Ich weiß nicht. Ich glaube, ich sprach über Katzenjammer, Alpträume ... « Er sah hinaus auf die nervöse Riesenstadt, über die das letzte Luftschiff des Tages eine Goodyear-Reklame zog, während weiter oben im gnadenlosen, nun langsam abnehmenden Sonnenlicht ein unsichtbares Flugzeug ein einziges Wort am Horizont entrollte: Wahn. Er hatte Angst. Er hatte Angst, aus diesem Zimmer zurück auf die Station zu gehen. Er hatte Angst ... »Alptraume«, sagte er abrupt. »Sehen Sie New York? Da haben Sie die Alpträume. Dort draußen warten sie ... die Schrecken des Krieges ... alle Alpträume der Welt ... wie Wilde ... und das Delirium Christi Höllenfahrt ... das Gewissen schreit und die einsame Seele stürzt sich federlos in den Abgrund ... wissen Sie überhaupt, wovon ich spreche?«
"Wie bitte?«
»Aber wahrscheinlich sind Sie schrecklich überarbeitet und obendrein noch unterbezahlt. […]«

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