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Lars Gustafsson: Übergang vom Utopischen zum Trivialen

Diskurs/Poetik/Essay > Glossen

Lars Gustafsson

Aus: Utopien (Essay, 1969)

Eine Revolution richtet sich primär und aus einem sehr konkreten Gesichtspunkt gegen eine Gruppe von Menschen in einer Gesellschaft – diejenige nämlich, die das Privileg hat, das Leben der anderen Gruppen zu lenken, ohne daß auch das Umgekehrte gälte.
Das Ziel der Revolution ist, dieses Privileg aufzuheben. Wenn sie wirklich dazu führt, daß das Privileg aufgehoben wird, was eine Frage ideologischer, soziologischer und technischer Hilfsmittel ist, dann ist sie gelungen. Dieser Prozeß enthält nichts Magischeres und Geheimnisvolleres, als daß ein Eroberungskrieg gelingen oder eine geschäftliche Transaktion Gewinn bringen kann.
In diesem konkreten und klar umgrenzten Sinne sind sowohl die Französische als auch die Russische Revolution gelungen. Die Gruppen von konkreten Individuen innerhalb der beiden Gesellschaften, die vor den Revolutionen das Privileg der Macht innehatten, verloren es und bekamen es nie wieder. In diesem genau definierten Sinne ist es eine Absurdität, zu behaupten, diese beiden Revolutionen seien mißlungen.
Wenn wir behaupten, sie seien nicht gelungen, müssen wir etwas anderes meinen. Und was wir meinen, ist natürlich, daß eine Erwartung nicht erfüllt worden ist, die nämlich, daß der Wegfall der Privilegien eine hinreichende Bedingung für eine Veränderung der Gesellschaft als ganzer wäre.
Eine Revolution kann ihr historisch bestimmtes Ziel verwirklichen, und dennoch kann es ihr völlig mißlingen, ihre utopischen Ziele zu verwirklichen.

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