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Joseph Conrad: Finsternis

Diskurs/Poetik/Essay > Glossen

Joseph Conrad:

Aus "Herz der Finsternis" (Kap. 1)



Sie starben langsam - das war sehr deutlich. Sie waren keine Feinde, sie waren keine Verbrecher, sie waren nichts Irdisches mehr - nichts als schwarze Schatten der Krankheit und des Hungers, die durcheinandergeworfen in der grünlichen Düsternis lagen. Herangeschleppt aus allen Schlupfwinkeln der Küste, mit der ganzen Rechtmäßigkeit zeitlicher Verträge, verloren in einer unfreundlichen Umgebung, versorgt mit unzulänglicher Nahrung, begannen sie dahinzusiechen, wurden arbeitsuntauglich und erhielten die Erlaubnis davonzukriechen, um sich auszuruhen. Diese todgeweihten Gestalten waren frei wie die Luft - und nahezu ebenso dünn. Ich begann den Glanz von Augen unter den Bäumen zu erkennen. Dann, als ich mich bückte, sah ich ein Gesicht neben meiner Hand. Die schwarzen Gliedmaßen lagen langausgestreckt da, die eine Schulter war gegen den Baum gelehnt, und nun hoben sich langsam die Lider, und die eingesunkenen Augen blickten zu mir auf: riesig und leer, ein blindes, weißes Flackern in den Tiefen der Augäpfel, das langsam erstarb.
                                                                                                                            


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