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Jopa Jotakin: im darknet sind alle katzen miau

Rezensionen/Verlage


Astrid Nischkauer

Jopa Jotakin: im darknet sind alle katzen miau. Gedichte. Wien (Edition ZZOO) 2020. 128 Seiten. 13,50 Euro.

dieses buch ist für die katz


Die Pharaonen im alten Ägypten haben in vielerlei Hinsicht sehr umfassend vorausgeplant und nicht nur die eigenen Körper mumifizieren und riesige Pyramiden bauen lassen, sondern auch an ausreichend Proviant wie getrocknete Früchte oder Honig gedacht, und kleine Figürchen, die einen Arbeiter für jeden Tag des Jahres symbolisierten, mitgenommen, um in der Ewigkeit des Jenseits nie arbeiten zu müssen. Und es wurden nicht nur Menschen mumifiziert, sondern auch Tiere wie Schlangen, Krokodile, Spitzmäuse oder Katzen, um im Jenseits Gesellschaft zu haben. Vergleichbar vorrausschauend ist Jopa Jotakin in Bezug auf das von ihm geschaffene Schreibuniversum vorgegangen, hat der bekennende Katzenliebhaber doch vorsorglich 2015 erst das Buch „für die fisch“ in der edition ch veröffentlicht, im Oktober 2020 eine Ausstellung zum Thema „Das Glück, ein Vogerl…“ gemacht und nahezu zeitgleich mit „im darknet sind alle katzen miau“ eine neue Zeitschrift mit dem vielversprechenden Titel „die nestbeschmutzerin“ herausgegeben, deren erste Ausgabe „Das Jahr der Ratte“ zum Thema hat. Den Katzen im Darknet mangelt es im Fall des Falles in der literarischen Welt Jopa Jotakins somit nie an Nahrung, sollten die DREAMIES doch einmal ausgehen.
    im darknet sind alle katzen miau lehrt uns eine neue Sicht auf die Dinge und rückt unser anthropozentrisches Weltbild wieder etwas zurecht. Dass sich die Sonne nicht um die Erde dreht, hat sich bereits weitgehend herumgesprochen, Folgendes noch nicht so sehr:

die welt
ist ein fellball
im katzenmagenweltall
  
Es sind sehr verrückte und sehr lustige Gedichte. Einige davon sind zusätzlich dazu auch noch sehr politisch. So werden beispielsweise gleich mehrere Versionen der „interkatzionale“ intoniert: „wacht auf, ihr katzen dieser erde / die stets man noch zu youtube zwingt!“ Das Verwenden, Überschreiben, oder Einbauen allgemein bekannter Texte ist sehr witzig und funktioniert nicht nur mit einem Text wie der Internationalen, sondern genauso gut auch mit Kinderreimen und –liedern („katz du hast die maus gestohlen“), oder mit Avantgardegedichten. Ein Teil des mehrteiligen Gedichts „das sommerloch“ lässt sich nicht von ungefähr als vielschichtige Jandlreferenz lesen, wird doch eine Verszeile aus Ernst Jandls Gedicht „loch“ zitiert („so loch doch schon“) und zugleich das berühmte „schtzngrmm“ paraphrasiert, bzw. in der Art einer freien Improvisation, ausgehend von einem anderen Thema, neu variiert.

Wie schon der Titel im darknet sind alle katzen miau erahnen lässt, stellt Jopa Jotakin in vielen seiner Gedichte die Katzen- der Internetwelt gegenüber:

unterschiede

wo es zwitschert
wartet
ein geflügeltes buffet

wo es twittert
wird es schnell
eher ungenießbar

Jopa Jotakin findet Antworten auf Fragen wie der, warum Katzen nie auf facebook liken, und analysiert sehr einfühlsam die rätselhafte Beziehung von Mensch („leicht zu manipulierender / futterlieferant / streuerneuerer“) und Katze („verfaucht und zugekratzt“).
    In einem Buch, das „für die katz“ ist, darf selbstverständlich auch kein Gedicht zur „katerstimmung“ fehlen, und es gibt tatsächlich eine kleine Sammlung durchnummerierter Katerstimmungsgedichte („immer schneller / wird es heller“), wenn auch, was der Natur der Sache entspricht, zwischendurch das eine oder andere vergessen, verloren, oder spurlos von der Kopffestplatte gelöscht worden ist. Und genau genommen erscheint es nur logisch, dass es die Pflicht aller katzenliebenden Menschen ist, viel zu trinken – dem Kater zuliebe:

ich trinke doch nur
damit ich danach
1 kätzchen habe

1 kater
der mir sanft
den magen
durch das zimmer rollt

Neben vielen erfrischend schrägen Gedichten enthält im darknet sind alle katzen miau auch einige Katzendoppelbelichtungen und Katzencollagen. Die Lektüre des Bandes ist für alle außer Mäuse, Ratten und Singvögel ungefährlich, aber nicht unbedenklich, sondern zum Denken anregend, zu empfehlen und sehr erheiternd. Es darf und soll gelacht werden. Ernst zu nehmen sind die Gedichte dennoch oder vielleicht auch gerade deswegen.


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