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John Donne: Elegy XVI - On His Mistress

Werkstatt/Reihen

ELEGY XVI – On His Mistress

By our first strange and fatal interview,
By all desires which thereof did ensue,
By our long starving hopes, by that remorse
Which my words’ masculine persuasive force
Begot in thee, and by the memory
Of hurts, which spies and rivals threatened me,
I calmly beg; but by thy father’s wrath,
By all pains, which want and divorcement hath,
I conjure thee; and the oaths which I
And thou have sworn to seal joint constancy,
Here I unswear, and overswear them thus;
Thou shalt not love by ways so dangerous.
Temper, O fair love, love’s impetuous rage;
Be my true mistress still, not my feigned page.
I’ll go, and, by thy kind leave, leave behind
Thee, only worthy to nurse in my mind
Thirst to come back; oh, if thou die before,
My soul from other lands to thee shall soar.
Thy (else almighty) beauty cannot move
Rage from the seas, nor thy love teach them love,
Nor tame wild Boreas’ harshness; thou hast read
How roughly he in pieces shiveréd
Fair Orithea, whom he swore he loved.
Fall ill or good, ’tis madness to have proved
Dangers unurged; feed on this flattery,
That absent lovers one in th’other be.
Dissemble nothing, not a boy, nor change
Thy body’s habit, nor mind’s; be not strange
To thyself only; all will spy in thy face
A blushing, womanly, discovering grace.
Richly clothed apes are called apes, and as soon
Eclipsed as bright, we call the moon the moon.
Men of France, changeable chameleons,
Spitals of diseases, shops of fashions,
Love’s fuelers, and the rightest company
Of players, which upon the world’s stage be,
Will quickly know thee, and no less, alas! [a lass]
Th’ indifferent Italian, as we pass
His warm land, well content to think thee page,
Will hunt thee with such lust und hideous rage
As Lot’s fair guests were vexed. But none of these
Nor spongy, hydroptic Dutch shall thee displease,
If thou stay here. O stay here; for, for thee
England is only a worthy gallery,
To walk in expectation, till from thence
Our greatest King call thee to his presence.
When I am gone, dream me some happiness;
Nor let thy looks our long-hid love confess;
Nor praise, nor dispraise me, nor bless, nor curse
Openly love’s force, nor in bed fright thy nurse
With midnight’s startings, crying out, “Oh, oh
Nurse, oh my love is slain, I saw him go
O’er the white Alps alone; I saw him, I,
Assailed, fight, taken, stabbed, bleed, fall, and die.
Augur me better chance, except dread Jove
Think it enough for me to have thy love.

(1572 - 1631)

16. Elegie - Auf seine Herrin

Beim seltsam vorbestimmten ersten Du;
der Sehnsucht, die ihm folgte; unserer zu
hungrigen Hoffnung; der Mit-Leidenschaft,
die meiner Worte Überredungskraft
in dir erregt; und bei all dem, was mir
Rivalen angedroht—bitt ich dich hier;
doch bei dem Zorn des Vaters; bei dem Schmerz,
den Trennung mit sich bringt fürs leere Herz,
—beschwör ich dich und löse alle Eide,
die, uns zu binden, wir geschworen beide,
und übersteigere sie: Du sollst nicht lieben
auf so riskante Art, ’s ist übertrieben!
Laß, schöne Liebe, die verliebte Rage,
bleib treu als Herrin, nicht als falscher Page!
Ich reise mit Verlaub und lasse dich,
die einzig wert ist, diesen Durst in mich
zu senken: heimzukehren; stirbst du mir,
schwebt meine Seele fernher hin zu dir.
Die Schönheit (sonst allmächtig) kann den Meeren
die Wut nicht nehmen, noch sie Liebe lehren,
noch den Boreas zähmen; hast es ja
gelesen: selbst die schöne Orithea,
die er zu lieben schwor, erschreckte er.
Glückts oder nicht, glaub, daß es Wahnsinn wär
Gefahren zu versuchen; glaubs, mein Kind,
daß Liebende eins in dem andern sind!
Verkleid dich nicht als Knabe; ändre nicht
dein Wesen; alle sehn dir ins Gesicht,
und schon wenn du errötest (wider Willen),
wirst selbst du deine Weiblichkeit enthüllen.
Affe bleibt Affe, auch in Kleidern; Mond,
verfinstert oder strahlend, bleibt doch Mond.
Franzosen, wie Chamäleons wandelbar,
Hort jeder Krankheit, jeder Mode gar,
die Liebe lodern lassen und Berater
von Spielern sind in diesem Welttheater,
werden dich rasch erkennen: une jeune-fille!
Im warmen Land Italien werden sie
dich nur zu gern für einen Pagen halten,
dich lüstern rasend jagen wie die Alten
die lichten Gäste Lots. Nein, niemand soll,
nicht mal ein Holländer, nur einen Zoll
Fehl an dir finden—wenn du hier bleibst. Hier,
in Englands Galerien nur, ziemt es dir,
dich zu ergehn im Glauben, daß von hinnen
dich Gott beruft, in ihm neu zu beginnen.
Ich reise; du erträum mir etwas Glück!
Die Liebe, lang verborgen, halt zurück!
Nicht preise, tadle, segne, fluche auf
die Liebe offen; achte nachts darauf,
die Amme nicht zu schrecken mit Geschrei:
„Oh mein Geliebter ist erschlagen, ei,
ich sah ihn, ich, über die Alpen gehn,
im Kampf, im Blut, ich hab ihn fallen sehn!“
Sieh beßre Chance; es sei denn, Zeus verfüge,
daß deine-Liebe-Haben mir genüge!


GP 21.2.2007

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