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Johann Lauremburg: Das Drüdde Schertz-Gedichte

Diskurs/Poetik/Essay > Poeterey



Dat Drüdde Schertz-Gedichte

Van Almodischer Sprake und Titeln


Vam meisten deel der Minschen de nu leven,
Vel idel Waen und Dorheit werd bedreven,
Doch des bin ick versekert und gewis,
Dat van den allen keine Dorheit gröter is,
Als dat einer van Dorheit wil spreken,
Vnd einem andern sine Dorheit wil her reken,
Dar he doch sülvest is de gröteste Geck,
Vnd hefft mehr als andere, Dorheit und Gebreck.
Nicht grote Wyßheit is bi dem, kan ick erachten,
De sick ergert an den velen nien Drachten,
Vnd segt dat van Kledern altydt wat nies kümpt,
Vnd alle Jahr man eine andre Mode vernimpt.
De Mening is nicht goet: my dünckt de sülkes reden,
Den is Verstand und Sinn gantz uth dem Koppe gleden.
Denn alles wat men nu vör nie Mode holt,
Dat is gewesen all vor velen Jahren olt.
Wil gy wat nipp ansehn der olden Greken Bilder,
De noch gemahlet hefft Zeusis de beste Schilder,
So werd gy lichtlyck sehn, dat de verweßde Dracht,
Vam Dode is upgestahn, und tho dem levend bracht.
Als men in Bökern sindt Glycerium gemahlet,
Als Pamphilus mit sinen widen Ermeln pralet,
Als uthstafferet wehren Alqvif und Urgande,
Ein sülke art Habit gebruckt men nu im Lande.
Van Kledern de fatzon dar Actæon in ginck,
Do he Dianæ sach er splitternaket Dinck,
Desülve Kleder Art is wedder niegebahren,
Ahn dat de Hörner sind darvan vam Kopp verlahren.
De Börgers tho Wartow, de olde antiqviteten,
Erinnern sick gar offt, und können noch wol weten,
Dat, do se wehren junck van Jahren, und noch kleen,
De sülve Klederdracht se hedden do gesehn.
Idt is glyck als de Sünn, de geit des Avends nedder,
Des andern Dages froh so kümpt se balde wedder,
So deit de Kleder Form: wen se etwas gewahrt,
So moet se undergahn: den kümpt eine andre Art,
De wahrt den ock nicht lang, men is se ock bald möde.
So breckt de olde hervör glyck als de Morgenröde,
Vör de wechwiken moet de düstre schwarte Nacht:
De affgelechte Form werd wedder upgebracht.
De Kleder sind gelyck einm Cabinet und Kamer,
Darin men is loseert vam Schnider und vam Kramer,
Einm jedern steit idt frie, in wat Maneer und maten
He wil syn Cabinet stoffern und putzen laten:
Off em de Malerknecht darin affmahlen schal
Einen Frantzöschen Got, edr einen Danschen Gal,
Edr einen Düdschen Geck, edr einen Welschen Maz,
Edr einen Spanschen Loc, edr Hollendischen Dwas.
Idt is doch all gelyck wol dar loseret in,
In einem sindt dar mehr, im andern sindt dar min.
In ein Frantzösisch Kleed kan men loseren kuem
Ein eingen Düdschen Kerl, so is dar nicht mehr ruem,
Men in ein Düdisch Kleedt, in einem Wams und Hosen
Find men offt inquarteert mehr als vyff schock Frantzosen:
So geit idt in der Welt: dat sind all sülke dinge,
De thor Glückselicheit sindt schlecht und sehr geringe.
De olde Nielicheit, dat nie Olderdohm
Verjünget jahrlick sick, als Bleder up dem Bohm.
Dat rechte Fundament leth schwerlick sick verrücken,
Dat olde principal steit fest in allen stücken.
Als idt gewesen is, so blifft idt na als vör.
Wen men wil gahn int Hus, so geit men dörch de Döhr,
Dat is de olde schick: idt wehr groet Vngemack
Wen men uth nielicheit wold stigen dörch dat Dack.
In andern dingen ock is noch beth her gar even,
De wise, de dar was vör dusent Jahr, gebleven.
Als Roland syn bajard, als Holger Dansches Hest,
So sind de Peerde nu, und sindt altyd gewest.
Ock hölt men den Gebruck noch hüden wen men rit,
Dat jeder Rüter buten up dem Peerde sit.
Do eins de Cavaliers binnen im Peerde seten,
Dat wart Troja verstört mit grotem Bloth vörgeten.
Men worüm schold man nicht de Klederdrachten halen
Vth Franckrick, edder ock van Spanniers edder Wahlen?
Materie und Form dat sind de beiden deel
Van einem jeden Ding, gelyck als Lyff und Seel:
Dewyl wy de Materie von fremden krigen her,
Warüm scholde den jemande bringen beschwer,
Dat wy de Forme ock van den frembden bekamen?
Ein Land kan nicht fortbringen alles tho samen.
Italien maket uns dat Sammit und Satyn,
Vth Holland krige wi Kamerdoeck klar und fyn.
Engeland schaffet uns de besten schonsten Laken,
Vth Franckrick, uth Düdschland, hale wi andre saken,
De ein jeder tho Kleder bruken moet,
Etlike thom Ziradt, etlike tho der Noht.
Dit is ein dinck, dat nicht vel hedde tho bedüden,
Wen nicht grötere Dorheit were manck den Lüden.
Dat gröteste Verdreet und ergerlickste Sake
Is de vermengde Rede, und allemodsche Sprake,
Dat Frantzösische Düdsch dat vör gar wenig Jahren
Erst upgekamen is, und glyck als nie gebahren.
Dat man verendring hefft van Kleder und Habit,
Dat gifft noch mennigem goet vordeel und profit.
Men hefft noch Lust daran, men kan de Ogen weiden,
Ein jeder de idt hört, kant lichtlyck underscheiden:
Ja ein junck Plögekerl, ein schlichter Buer compan,
Wen he süth eine Fruw in Samitn Schnörlyff gaen,
So weet he also bald idt si ein Fruwen Wammes,
Vnd nicht de ruge Stert eins Ossen edder Lammes:
Wen he süth dat ein Man in braven Bücksen geit,
Se syn wydt edder eng, als bald he doch versteit,
Dat sülkes Kledt gewis si eines Mannes broke,
Vnd nicht ein Bessemstehl, ein Ploch edr Eyerkoke:
Wen averst einer de vermengde Sprake hört,
So werd he in sinen Verstande gantz verstört,
He steit und gapet dar, und weet nicht im geringsten,
Off men van Paschen spreckt, edr off men spreckt van Pingsten.
De eine hefft velicht van Junfern sinen snack,
De ander meent he rede van einem Hoppensack.
Twar idt geschüth gar offt, wen jemand sick begeven
Van Hus in frembde Land, und kan noch nicht gar even
Des Landes rechte Spraeck, de Noth en dartho drengt,
Dat he des Ordes Spraek na siner Land art mengt.
Als wen ein Düdscher erst in Franckrick is gekamen,
Spreckt he Frantzösisch als he idt hefft ingenahmen.
A fu Monsör mon frere, à fotre ponne gras,
Dat kümpt im Cabaret dem Werde wol tho pas.
Monsör feson debôske, allon schuweer la pome,
Dat wert gereken uns tho ehrn und grotem rohme:
Men kan idt doch verstahn: drifft en dar tho de Noth,
Dat he de Landesspraeck mit Lüden reden moet,
So spreckt he als he kan: wen he nicht mehr kan spreken,
So moet he mit gebehrde entdecken syn gebreken.
Men weet dat sülckes nicht mit willen kan geschehn,
Ock nicht uth üppicheit, üm sick tho laten sehn,
Men wyl se könen nicht, und idt nicht beter weten:
Darüm ock ere Feil sick nemand leth verdreten.
De averst uth Hofart geworden is so Stolt,
Dat he sülck nerrisch Dinck vör grote Wyßheit holt,
Vnd halet all hervör wat he man kan erhaschen
Van der Frantzöschen Spraeck, als uth der Gökeltaschen,
Desülve in sinem Sinn gestegen is so hoch,
Dat he sick bildet in, wat andrn is goet genoch
Dat sy em tho gering: he kan sick nögen nicht
Mit siner Moderspraeck, de is em altho schlicht.
Ock is vel ander Volck dat ere Spraeck verstümpert,
Als wen men Rostkerbeer mit Denschem öl verplümpert.
Ick heb wol ehr gehört dat mit gemengden snack
Ein Düdisch Denscher Man tho sinen Jungen sprack
»Kum hit du Drenge Jung, in dissem Saae Span
Vor mine Heste Peerd hent mi Wat water Van,
Vnd stracks snart hast igien kum wedder tho mi saa,
Sünst schaltu dichte huck paa dinen Rüggen faa.«
Dat is dat schlichte Volk dat so tho reden plecht,
De menen dat men sonst verstah nicht wat men secht.
Se wolden spreken gern als men dar spreckt im Lande,
Men se sindt noch nicht gantz gekamen thom verstande.
Mit andrer Völker Spraeck wil ick mi nicht vel plagen,
Men mine Moderspraeck ick billig moet beklagen.
Dat gode olde Düdsch so liden dul nu geit,
Dat de eine Düdsche den andern nicht versteit.
Wen ein Landsman tho mi Düdsch tho spreken begünt,
So moet ick fragen: »wat segge gy gode Fründ?
Ick kan juwe Mening nicht ermeten,
Gy reden als wen juw de Tunge wehr besmeten.
Men kan wol merken uth juwen Wörden,
Dat gy lange gewest sind an fremden örden,
Im Lande Parys, dat so wert gerömt,
Vnd der andern Völcker Vegetasche genömt.
Köne gy noch so vel, so sydt gebeden,
Dat gy wollen als ein Christen Minsche reden.
Juwe Möme de wert sick drefflick gremen,
Wen se mit Sorgen wert vernehmen,
Dat gy hebt juwe rechte Spraeke verlahren,
Dar gy by sydt upgetagen und gebahren.
Men wert vör juw bidden in allen Kercken,
Dat juw Gott juwe Tunge wolle wedder stercken.«
Seht sülck Schipbröck hefft de Düdsche Spraek geleden,
De Frantzösche hefft er de Nese affgeschneden,
Vnd hefft er eine fremde Nese wedder angeflicket,
De sick by de Düdsche Ohren nicht wol schicket.
De olden Nedder Saxen plegent nicht so tho maken,
Se spreken als ere Vöroldern hadden gespraken.
Dat rechte was lyck, dat krumme scheeff men heet,
De Ermel weren Mowen, ein Helbard was ein Speet.
Ein Courtisane, hore: de Presters weren Papen,
De Meerkatten ahne Schwantz de nömden se Apen.
Dar weren Dener noech, men dar was nicht ein Pasie,
Se geven eren Knechten Lohn, und gantz keine gasie.
Se vörden up Wagen, und nicht up Kutzen,
Ein Schelmstück ward genömt wat men nu heet Putzen.
De bar plechten tho Roven und stelen,
De heten se Deve, und hengden se up by der Kehlen.
Nu höret men, Gott Loff, van keinen Deven schnacken,
Roven und stehlen dat het künstlick anpacken.
De Flucht nehmen, und den Rüggen kehren,
Dat het im Krige, sick retireren.
Wol do ein Schlüngel was, de is nu ein Cojon,
Wat domals was fort, fort, is nu allohn, allohn.
Im mars begriffen syn, was ein unfledig Wort,
Nu is idt, wen Soldaten in Ordnung rücken fort.
Besöcht men sinen Fründ, gahr höfflick schal men seggen,
»Ick moet nu myn devôr und schüldicheit affleggen.«
Als ick erst solckes hörd, meende ick he wolde schnacken,
»Ick kan nicht lenger holdn, recht nu moet ick eins kacken.«
Domahl im gantzen Land was nicht ein Servitör,
Nicht ein Signor, nicht eine Dame, nicht ein Monsör.
Were domals einer to den Junfern gekahmen,
Vnd hed tho en gesecht, »Gott grüs euch schöne Damen
Se hedden em gahr bald den Rüggen tho gekehrt,
En nicht geachtet eines Peckelherings werth.
Eine van en hedd wol gesecht, »wat bildestu dy in?
Wat meinstu grave Esel, wat nimstu dy in den Sin?
Weestu Bernhüter nicht mehr wo ick hete?
Myn Nahme is Annemeken edder Grete:
Ick bin keine Dame, du lichtferdige Finck,
Dine Moder de Hoer was sülck ein Dinck.
Ick bin ein ehrlick Medken gebahren,
Laet my mit sülcken ökelnahm ungescharen.«
Se meenden, Damen wehren Sögen edder Teven,
Edder eine de Horerie hadde bedreven.
Averst, Gott betert, se weten nu altosamen,
Wat idt vör dinger sindt, de schönen Damen.
Se hebben nu gelehrt so vel Tucht und Törlör,
Wen men tho en secht Dame, so seggen se Monsör.
Averst doch de Nahme Monsör is nu gahr tho gemeen,
Vörnehmen Lüden is he tho geringe und tho kleen.
Idt sindt nu alle Monsörs, Monsörs,
De Fohrlüde am Strande, de Jungens up der Börs.
Stalknechte, Scherschliper, Kockedrengen,
De laten sick nu all mit Monsörs behengen.
Im Stalle kan man Complementen hören,
»Myn hochgeehrter Cammerade, Monsör Bören,
Went em nicht tho weddern wer, als ick hape,
Wolde he den Perden den Ers striken mit der Schrape.
Idt sy doch des Heren syn wolgevalle,
Dat he de Perdekötel fege uth dem Stalle:«
In der Köken: »Monsör Jens, Broer lille,
Wen idt wehre des Hern sin wille,
Wolle he den solten Dörsch howen in stücken,
Vnd den Stockfisch mit den Negeln plücken,
Minem grotgünstigem leven Heren,
Wil ick wedder denen hertlyck geren.«
Wem scholde idt numehr nicht verdreten,
Wen men einen wolde Monsör heten?
Ick wolde my vör allen Lüden schemen,
Dat ick scholde Monsör in den Mund nehmen.
Den Monsör up Frantzösisch is mit einem word
Even so vel als up Engelsch ein Lord.
Wen de Engelschen einen willen ehren, thor stund
Nehmen se einen groten Lord in den Mund.
Lord Gentelmen, lord Biskop, lord Prelat,
Lord Borgemester, lord Doctor, lord Advocat,
Lord
hyr lord dar, Monsör Monsör,
My deit de Bueck weh, wen ick idt hör.
Laet de Frantzosen in ere Frantzösche Reden
Beholden er Monsör, und syn darmit tho freden:
Ein Engelsman mag lord in siner Spraeke bruken,
Vnd einen groten dicken Denschen Lord upschluken.
My wundert ock, dat men mit sülckem schlimmen Nahmen
De ehrliken Junfern darfft heten Damen.
Dame is ein van den bösen Deeren,
Darvan de Jungens in der Grammatica lehren.
Dar steit: »Eine Schlange, ein Schuffueth, ein Hund,
Eine Dame, ein Luchs, ein Adder bunt,
De werden vör generis dubij geholden,«
Wyl man nicht weet offt se sindt als se scholden,
Vnd sind van dem twifelhafftigen Geschlecht,
Als de Regel in der Grammatica secht.
Den Damen up Latin sind wilde Zegen,
De gerne na de Böcke lopen plegen.
Darum, Junfern, bewiset juwen Toren,
Wen juw einer Dame heet, schlaet en an den Ohren.
Vergevet my, dat ick so vel heb willen praten
Van der vermengden Spraek: ick kant doch noch nicht laten.
Idt is so myn Gebreck, my geit dörch Marck und Been,
Dat Sammelsurium, wen ickt moet hörn und sehn.
Ick wil twar hyr van nicht bringen mehr Glykenissen,
Sünst möchte Her Matz Pump sick wedderüm bepissen.
Man ick wil juw darvan vertellen eine Histori,
So vel ick kan in yl gripen uth der memori.
Ein hübscher junger Kerl gebahren in Westfalen,
Sick vörgenamen had, he wolde Wyßheit halen:
He hedde wol gehört, dat men in keinem Land,
Als in Franckrick alleen fünd Wyßheit und Verstand.
Vernufft de lege dar, als Dreck licht up der Straten,
Ein jeder kond darvan einn groten Sack vul vaten.
Dar konde men discours und Complementen lehren,
Dörch welke men nu kömt in ansehn, und tho ehren.
Als he was tho Parys gewesen achtein Weken,
Kond he so wol Frantzösch als ein Frantzose spreken,
He wüste cermoni, he kond caresse driven,
Darmit kam he tho Hus, willkamm van Man und Wyven.
Vnd wyl he altidt hed der Hocheit nagejaget,
Ward he dörch Gottes Gnad up einem Huse Vaget.
Vaget up einem Huse, und Schriver up dem Schlate,
Sehr hoge Ampter sind, van groet profit und bate:
Der Buer se früchten moet, und dantzn na ere Pipen,
Idt drüppet all van Geld, wor se man henne gripen.
Se bilden sick vel in, und willen grötter syn,
Als am Frantzöschen Hoff Cardinal Mazarin.
In sodanem respect was de darvan ick rede.
Einmals reep he den Kock, und also tho em sede:
»Escoute Cuisinier, von meinen Cameraden
Hab ich zwei oder drei zum desieuner geladen,
Mach myr ein gut potage, mit alle appertenance,
Wie man es à la Cour dressiren pflegt en France,
à la nouvelle mode, du solt incontinent
Für dieses dein travail ein gut present.
Ich wil à la pareille dein Freund sein en effait,
Mach mir die Suppe nur so wie ich hab geredt.«
De Kock sprack, »ja Her Vagt, als gy hebben gespraken,
So wil ick juw de Supp up goden gloven kaken.«
He lachde bi sick sülvst, und rönde na der Köken,
Begünd uth allen winkeln de Pötte uth to stöken,
Koel, Arfften, Grütt, Warmbe er, ded he tosamen schrapen,
Vnd goet idt altohoep in einen groten Grapen,
Dartho dede he, dat idt schold schmecken desto schmucker,
Eine hand vul stötten Peper, und anderthalff lot Zucker.
Dat muste kaken dick, als Weitenmehlen Brie,
Nümmer heb ick gesehen eine solke companie.
Als idt nu was bereit, und ferdig altomahle,
Gaff idt de Meister up in eine sülvern Skale,
He bröcht idt tho den Heern, de alle darna töffden.
Men do de goden Lüd de kakeratze pröffden,
De Ogen würdn en groet, vul runtzeln kam de Stern,
Ein jeder hedd de Supp weddr uth gespiet gern.
De ein seed, »fi diabl, par ma foy dat schmeckt brösig,
De Kock de dat gekaeckt, de moet syn dum und dösig,«
Em word so angst und bang, dat ein vermenget Roeck
Vth sinem Schorsteen quam, und fohr em in de Broeck.
Idt hörde wol nemand, averst doch in der Nesen
Men mercken kond wat vör ein Roeck idt was gewesen.
De ander sprack: »fi, fi, bö, bö, potz veltes Wunden,
Man schold mit sülker Supp vergeven Kattn und Hunden,«
Ein inventarium recht nu ick maken moet,
Von allem wat my waant im Lyve bös und goet.
Hyrmit so toch he loes: ein Wort twe Ellen lanck,
Bald twischen sine Tene herfloet under de Banck,
Se müsten de dar wern sünt Olrick all anropen.
Mit einem Spanschen Reed de Vaget quam gelopen,
»Coqvin,« sed he, »Cojon, Vidase, loser Tropff,
Itzunder wil ich dir eins langen auff den Kopff,
Cuisiner de Houdan: was ist das für ein fressen?
Hastu noch nicht gelernt potage recht zu dressen?
Was pesle mesle ist das? was sinds für dolle sachen
Darmit du uns in sampt darffst solchen eckel machen?
Ich wolt dich setzen lahn auffs newe holtzern Pferd,
Wenn ich dich, Maqvereau, achtet meines Zornes werth.«
»I Heer Vagt,« sed de Kock, »wil gy mi so betalen?
De Supp is thogericht als gy mi hebt befahlen,
Gy seden my, ick schold juw eine Suppe kaken
Even up sülck maneer als gy hadden gespraken.
Idt was jo althomahl verplümpert wat gy spreken,
Idt was tho samen schrapt uth Düdschland, Franckrick, Greken,
So is de Suppe ock, se is van velen stücken,
Ein jede vör sick sülffst hed sick wol könen schicken,
Men nu is se vermengt, nu is se nicht vel werth,
Schmeckt nicht na Fisch noch Flesch, hefft wedder Kop noch Stert.
Also wen gy Frantzösch und Düdsch thosamen rören,
So kant kein Düdsch verstahn, schold he idt schon anhören,
Men weet nicht wat idt is, und moet so wat narahmen,
Ehr ment vernehmen kan, und up de Mening kahmen.
Darüm gnedig Heer Vagt, wen gy wilt Suppe eten,
So spreket Düdisch mit Frantzöschem nicht besmeten.«
Noch einen korten schnack wil ick hyrvan vertellen,
Wen gy idt hören wilt, van einem riken Gesellen.
In einer groten Stadt, idt is nicht lang verleden,
Was eines Börgers Söhn, van dem de Lüde seden,
Dat Ryckdom und Vernufft sick nicht konden verdragen
Beide by em tho syn: Se hedden sick geschlagen
In einem harden Kamp, darin se lange stunden,
Endlick na schwaren Strydt Vernufft ward aver wunden,
De Wyßheit und Verstand dem Gelde musten wiken,
Vnd dörfften offentlick sick nicht mehr laten kiken.
Disse gode Gesel sick hadde laden maken
Einn Mantel na Maneer, van finen schwarten Laken,
Ein Krage sadt darup, van Sammit Carmesyn,
De upschlag gantz herdael van violet Satyn.
Vmher vyff Finger breed dar was ein knüppels Rand,
Van siden Passement, van farven Blömerand.
Mit dissem Mantel ginck de Geck hofferdig Pralen,
In Kösten, Kindelbeer, und stattlickn aventmahlen.
De Geste altomal de heeldent em tho gode,
Vnd meenden under sick, idt wer nu so de Mode.
Man einer under en uth Franckrick erst gekahmen,
De de Frantzösche Sprack had hüpich ingenahmen,
Vnd wold sick laten sehn, dat he wyßlyck und recht
Had sine dusent Marck an Spraken angelegt,
De trat hervör, und sed: »Monsieur van Coqvemarre,
Wo heb gy juw Habit chamarret so bizarre,
Van aller fort velours? als Flora de deesse
In ein plaisant parterr changeret ere tresse,
De Damen und Signörs all in Extase syn,
Wen se considerern juw genereux maintien
De Geck lachde so hart dat em ein Wind entfohr,
»Seet, seet,« sprack he, »wol is van uns de grötste Doer?
An juwer düdschen Red sind tein frantzösche Lappen,
Vnd sind nicht mehr als veer Colör an miner Kappen.
Vthwendig bin ick Geck, gy sydt ein Geck van binnen,
My sit de Nar im Kleed juw sit he in den Sinnen.«
Dat was ein wises Wort, uth einem schlichten Mund,
Dem einen was de Mantl, dem andern die Rede bunt.
Ick erkenne mi twar vel tho geringe,
Dat ick scholde reden van solken hohem Dinge,
Ick late sülvest wol under tiden
Ein Frantzösisch Wort under dat Düdsche gliden,
Dat gifft der Rede sülke Zierlicheit,
Als ein Demant im gülden Ringe steit.
Averst dennoch, gelyck als andre Spraken mehr,
Dat ock de Düdsche wert Mißbruket sehr,
Dat maket Glyßnerie, und Ehrgitz er Geselle,
De bringen nu de Sprake uth erer rechten stelle.
Wormit konde men sick laten sehn und hören,
Dat einer sine Red weet zierlicker tho föhren
Als eine Amme, de de Kinder upsöget,
Edder ein Buerknulle, de den Acker plöget,
Wen men nicht mit fremder Salse bi hogen Lüden
Wolde sine discours beströwen und bekrüden?
De mit uthlendische Wort moet syn thosamen flickt,
Vnd mit erschreckliken hogen Titeln dörchgespickt:
De edle Hüchelie kan bringen groet profyt,
Vnd de Rohmgiricheit geschreden is so wyt,
Dat keinr is mit der Ehr de em gebörth, tho freden,
Na grotem Titel kümt he lopen und gereden.
De Stand und Ampt is eins, de Titel moten stigen,
Men weet nicht wor men schal gnoech hoge Titel krigen.
Gades rechtferdige Straff, de nemand kan hemmen,
Hefft gantz Europa willen averschwemmen,
Vnd groten Schaden gedahn vel dusent Lüden,
In Osten, Westen, Norden und Süden.
Mit twen Plagen is dat gantze Land avergaten,
Mit Water, und mit Titel aver de maten
Water und Titel synd alto hoch gestegen,
Darvan ein jeder hefft syn deel gekregen.
De Armen syndt im Water schier versuncken,
De groten Heren in Titeln bald verdruncken,
Als tovörn ein Grave ward getituleret,
Darmit werd nu ein Edelman geehret.
Sülke Gewanheit is gekahmen in den Orden,
Dat eine Gesette daruth is geworden.
Wol nicht wil uth der Lüde ere gratie schlippen,
De moet de Fedder temlick deep in stippen,
Vnd setten den Titel höger ein par Graed,
Als mitbringt dessülven Person und Staet.
Darmit krigt men Gunst, und kostet kein Geld,
Dewyl idt en also wol gefelt,
Vnd se daran finden so goden schmack,
Bel Titel kan man schriven vör einen schilling Black.
Men süht jo wo Gelehrde und Leyen
Ere Hoffarts schorvet mit Titeln kleien.
Præceptor is Hoffmeister, Amptman is de Vaget,
De Schriver Secretarius, Junfer is de Maget,
Ein Capplan let sick nömen Pastoor,
Ein Quacksalver wil heten Doctoor.
Ein Timmerknecht werd Buwmeister genand,
Ein Kroegfidler is Musicant.
Ein Rottenfenger is Kamer Jeger,
Renoverer het sick de Hüseken feger.
Klipkramers de nömet men Koepheren,
Mit höltnen Kannen handeln is juweleren.
Ein Scholapper wil Schoster syn,
Ein Bader und Scherer Chirurgin.
Dit dohn nicht allein de van weltlicken Stande,
Men ock de Geestlicken in Steden und up dem Lande:
De ere Tohörers so tröstliken bereden,
Van Hoffarth und Ehrgitz aff tho treden,
Desülve sülvest na Ehren Titel ringen,
All scholde ock sös Punt Korn henspringen.
Ere Fruwens könen nicht mehr kamen tho rechte,
Dat se einen HerMan hebben tho echte,
Idt moet nu syn ein MesterMan,
De dem Ehebedde weliger vörstahn kan.
»Ein Mester,« seggn se, »kan beter de Schrifft erförschen,
Vnd Gades Wort reiner uth dem Kave dörschen.
Her Niels, Her Laers, sindt van den geringen,
Mester Niels, Mester Laers kan beter klingen.
Mester Hans sit baven an, Her Hans sit unden,
Wen wi in unsem Kaland werden gefunden.
Mester Peder krigt to Offer eine Marck,
Her Peders Offer is veer Schilling in der karck.
Is idt ein Mester, moet man en firen,
So moet he am ersten sinen Pegel uth liren,
He moet erst hebben de Handt int vat,
Wen upgedragen wert gammelmat.«
Darüm idt nu nemand mehr wundert,
Dat der Mester sindt mehr als hundert,
Ja mehr als tho Hamborg Licentiaten,
Mehr als Müse in einem olden Katen.
Dit deit de Hoffarth bi dem dem na Ehr
Vnd baven an sitten jöcket dat hinder Quarteer.
Dit is jo ein van den ergerlycksten dingen,
De ein Minsch in sinen Sinn kan bringen.
Wen de dullen Wysen, darvan ick heb gesecht,
Dit scholden sehn, und idt bedencken recht,
So würde de, de altyd lachde, wenen,
Dat em de Tranen lepen beth an de Tenen:
De altydt weende de würde so gruwlyck lachen,
Dat em Lever und Lunge mochte krachen.
Schold men denn de cureren de dar sind so dul,
Schaffönnie wer nicht gnoech twe dusent Secke vul:
Ick würd gewißlick ock ein goet deel darvon krigen,
My gruwet all darvör: Drüm wil ick echter schwigen.

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