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Jesús Montoya: Persönliche Geschichte einer Lampe

´Barrio latino
Jesús Montoya

Aus dem venezolanischen Spanisch von Léonce W. Lupette


Íntima historia de la lámpara
a Dira Martínez Mendoza

Voy hacia lo inconcluso de la forma.
Mi idea es que la lámpara no hable,
sino brille.
Idea, lámpara.
Idea, lo ilegible,
lo intangible en el árbol
lo inteligible en mi,
en la lámpara.

Apuleno Dindel, »Las canastas blancas«

En la hora más clara del invierno
percibí que mis amigos venían del futuro
con los dedos como piedras
de esmeralda que espejeaban el aire

nada les dije porque las palabras
dejaron de existir

las palabras eran el Sol
en la ladera del tiempo ínfimo
en mis ojos marchitos niños
de caminar de errar de pie
las palabras eran el Sol
sobre las casas viejas
en sus tímpanos de ceniza
sobre las brújulas redondas
partidas

las palabras eran el Sol
y mis amigos tenían ojos
y sus ojos eran el Sol
sus vestimentas arboladas
sus caras anemonas
sus cirios padres del andar

todo era el Sol
incluso el Sol
y mis amigos como en un sueño dorado
señalaron una montaña
inclinada en la lejanía
la nieve derretía sus dientes blancos
en la cumbre

y las palabras eran el Sol
repito
las palabras eran el Sol

solo esto entendí

y uno a uno fueron desapareciendo
uno a uno fueron
yéndose en la respiración justa
yéndose hacia el Sol
hacia su centro ardiente de silencio
de ondas pálpitos dinámicos

y yo también fui


Persönliche Geschichte einer Lampe
für Dira Martínez Mendoza

Ich suche das Unvollendete der Form.
Der Gedanke ist, die Lampe solle nicht sprechen,
sondern leuchten.
Gedanke, Lampe.
Gedanke, das Unlesbare,
das Unberührbare im Baum
das Verständliche in mir,
in der Lampe.

Apuleno Dindel, »Die weißen Körbe«

In der klarsten Winterstunde
erkannte ich dass meine Freunde aus der Zukunft kommen
ihre Finger wie Steine
Smaragde die die Luft widerspiegeln

nichts sagte ich ihnen weil die Worte
aufhörten zu existieren

die Worte waren die Sonne
am Abhang der geringsten Zeit
in meinen Kinderaugen welk
vom Laufen vom Umherirren im Stehen
die Worte waren die Sonne
über den alten Häusern
auf ihren aschenen Giebeln
über ihren runden Kompassen
in Stücken

die Worte waren die Sonne
und meine Freunde hatten Augen
und ihre Augen waren die Sonne
ihre belaubte Kleidung
ihre Windröschengesichter
ihre wanderväterlichen Altarkerzen

alles war die Sonne
selbst die Sonne
und meine Freunde wie in einem goldenen Traum
zeigten auf einen Berg
der sich in der Ferne neigte
der Schnee schmolz seine weißen Zähne
auf dem Gipfel

und die Worte waren die Sonne
ich wiederhole
die Worte waren die Sonne

nur das habe ich verstanden

und einer nach dem anderen verschwanden sie
einer nach dem anderen
entschwanden sie im passenden Atem
entschwanden sie Richtung Sonne
hin zu ihrer vor Schweigen glühenden Mitte
aus Wellen dynamischem Pochen

und ich bin mitgegangen


Der Autor
Jesús Montoya (Mérida, Venezuela, 1993). Studium der Hispanoamerikanischen und Venezolanischen Literatur an der Universidad de Los Andes. Mitherausgeber der traditionsreichen Lyrikzeitschrift »Poesía de la Universidad de Carabobo, Valencia, Venezuela«. Lebt in Brasilien. Seine Lyrikbände Las noches de mis años (Monte Ávila Editores, 2016) Hay un sitio detrás de los incendios (Valparaíso Ediciones, 2017) und Rua São Paulo (Fundavag, 2019) aus denen sich die vorliegende Auswahl speist, wurden mehrfach ausgezeichnet. Ungekennzeichnete Gedichte in diesem Band sind Erstveröffent-lichungen.
Der Übersetzer
Léonce W. Lupette (Göttingen 1986). Schriftsteller und Übersetzer. Preis für Internatio-nale Poesie der Stadt Münster 2015 für Übersetzungen von Charles Bernstein.
Lebt in Argentinien. Übersetzte u. a. Esteban Echeverría: Der Schlachthof (2010), Jorge Kanese: Die Freuden der Hölle (2014), Friedrich Hölderlin: Poesía última (mit M. G. Burello, 2016), Leonard Cohen: Die Flamme (2018). Zuletzt: Äkste & Änkste denxte (Fadel & Fadel, 2017); Locro (Reina Pagana, 2020).

In Jesús Montoya: Transandínica
Aus dem venezolanischen Spanisch von Léonce W. Lupette
Fotografía: Jesús Montoya
Satz & Design: Fagott, Ffm
hochroth Verlag Heidelberg 2021
Alle Rechte liegen bei den Urhebern
ISBN: 978-3-903182-90-5


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