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Jan-Eike Hornauer: Verletzlichkeitsgedicht

Zeitzünder/Lyrik heute
Jan-Eike Hornauer

Verletzlichkeitsgedicht


Es ist ja schon seit Kain und Abel
der Mensch an sich recht vulnerabel.

Doch neu erscheint an unsrer Zeit:
Man suhlt sich in Verletzlichkeit.

Ein wahrer Mensch entsteht im Leiden.
Man leide grässlich, nie bescheiden!

Man leide auch um jeden Preis,
selbst wenn man nichts zum Leiden weiß.

Es gilt, sich selbst zu überwinden,
als Opfer neu sich zu erfinden.

Man klage an und spreche Recht!
Man selbst ist gut, der andre schlecht.

Ach, Menschsein heute, das heißt leiden!
Wir Armen sind nicht zu beneiden …


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