Direkt zum Seiteninhalt

Jan Causa: Von Apoll geschlagen

250 Jahre Hölderlin
Jan Causa

Von Apoll geschlagen
                         
                            für Friedrich Hölderlin

I

Hinter ihm Bordeaux
und seine funkelnden dichterischen Dialoge
mit den Marmorgöttern und -göttinnen im Park,                                    
vor ihm die Loirewiesen und die Routes des Vins.
Denn nirgend bleibt er.
Es fesselt kein Zeichen, nicht immer.
Ein Gefäß ihn zu fassen.


II     

Über den fliehenden Linien
der Landschaft, die er mit Inhalten
belud und die ihn begriff,  
empfing er Diotimas Zeichen.
Mit jedem Schritt, Wort und Bild
jagte er den Grenzen des Sagbaren entgegen
und darüber hinaus,
wie Wasser von Klippe zu Klippe geworfen.
Aus den Kelchen der Blumen
und aus den Kronen der Bäume
stiegen seine Verse auf wie von selbst
und der Engel der Schönheit und Vollendung
flog höher über Goethes ´Osterspaziergang`
als über seinen ´Spaziergang` hinweg.


III

Unterwegs hat ihn die Natur mit ihrer süßen Stille
für Schmerzen von früher bezahlt.
Je mehr es am Rand des Wanderweges
blühte und aus den Wäldern klang,
umso mehr wollte er voran,
er wollte das Offene schauen und rang um
einen alles erneuernden, vereinenden Menschheitsgesang.


IV

Auch diesmal rettete ihn kein Gott vor denen,
die lärmend, schlagend und raubend
aus der Kulisse sprangen.
Apoll hat mich geschlagen!
Apoll hat mich geschlagen!
Die mächtigen Bäume erhoben ihre Arme
klagend gegen das Feuer des Himmels.
Weh mir, wo nehm` ich, wenn es Winter ist,
die Blumen, und wo den Sonnenschein, und Schatten der Erde?


V

Herr Hofbibliothekar,
wir gratulieren Ihnen zu Ihrem Geburtstag
auf das Herzlichste.
Nehmen Sie Ihren Hut und Ihre Flöte
und verlassen Sie mit uns Ihr pflanzenhaft
stilles Dasein im Turm! Wir laden Sie ein
zu einem Frühlingsspaziergang
ins Presselsche Gartenhäuschen am Österberghang,
wo eine kühle Kanne Most auf Sie wartet,
und in der Dunkelheit sehen wir über uns
am Himmel die Straße der Gedichte,
unter denen Ihre Gedichte eine Quelle
der Unendlichkeit aufspringen lassen.
Sie gehen doch täglich Ihre Pfade.
... Liebend lächelt nun der Himmel nieder,
Leben atmen alle Schöpfungen ...

Pallaksch, Pallaksch!


kursiv = u.a. Gedichten von Hölderlin entnommen

***


Zurück zum Seiteninhalt