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Jack London: Die "Sauerteigs"

Diskurs/Poetik/Essay > Glossen


Jack London


Aus: Wolfsblut. 4. Teil, Kap. "Der tolle Gott"



Nur eine kleine Anzahl weißer Leute lebte in Fort Yukon, und diese waren schon seit langer Zeit dort ansässig. Sie nannten sich »Sauerteig« und waren auf diese Bezeichnung stolz. Auf die andern, die mit den Dampfern kamen, blickten sie herab und bezeichneten sie als »Chekaquos«, weil sie ihr Brot mit Hefe zubereiteten, was diese etwas übelnahmen. Und doch war alles nur Neid von seiten der Sauerteigs, denn sie buken das Brot nur deshalb so, weil sie es nicht besser verstanden.

Also blickten die Leute im Fort auf die neuen Ankömmlinge herab und freuten sich, wenn es ihnen übel erging. Sie freuten sich besonders über das Unheil, das Wolfsblut und sein Anhang unter den Hunden der Fremden anrichtete. Wenn ein Dampfer ankam, so erschienen die Leute aus dem Fort stets am Ufer, um sich den Spaß anzusehen, und sie freuten sich darauf ebenso sehr wie die Indianerhunde, und sahen auch bald, wie schlau und mordlustig Wolfsblut sich dabei gebärdete. Vor allem ergötzte sich ein Mann an dem Schauspiel. Beim ersten Pfiff des Dampfers kam er angerannt, und wenn der Kampf vorüber war, so kehrte er langsam und wie bedauernd ins Fort zurück. Manchmal wenn ein sanfter Hund aus dem Südland niedergeworfen wurde und in Todesnöten schrie, jubelte der Mann laut auf und sprang vor Freude in die Höhe. Immer aber blickte er mit begehrlichem Auge auf Wolfsblut.

Die Leute im Fort nannten den Mann den Schönen. Man kannte seinen Vornamen nicht, so wurde er in der Gegend allgemein der schöne Schmitt genannt. Allein er war durchaus keine Schönheit. Ganz im Gegenteil! Die Natur hatte ihn stiefmütterlich behandelt.

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