Hugo Mujica: (Anochece - Es wird Nacht)
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Hugo Mujica
Anochece / Es wird Nacht
Aus dem argentinischen Spanisch von Fedor Pellmann
Anochece
bajamar,
algún graznido,
restos que el mar abandona
en la arena
y esta soledad de ser
solo a medias.
Es la hora
de la melancolía,
la de la ausencia
de lo que nunca estuvo
y sentimos más propio:
lo que todavía de nosotros
no dimos a luz
en la vida.
Es wird Nacht
und Ebbe,
ein Krächzen von irgendwo,
das ist der Rest, den das Meer vergessen hat,
im Sand,
und die ganze Einsamkeit zu sein,
allein‘ und zum Teil.
Das ist die Stunde
der Melancholie,
die der Abwesenheit,
dessen, was nie war,
und einverleibt ist, sodass es fühlt,
was dann von uns
nie ins Licht trat,
im Leben.
Aus Hugo Mujica, Barro desnudo, Madrid 2016, Ed. Visor Libros S.L., 22.
Fedor Pellmann liest seine Übersetzung:
Der argentinische Dichter Hugo Mujica (geb. 1942) schreibt eine Lyrik des Wesentlichen, die tief in der Existenzphilosophie und Mystik wurzelt. Seine Biografie gleicht einer Suche: Nach Jahren in der New Yorker Avantgarde der 1960er verbrachte er sieben Jahre als Trappistenmönch im absoluten Schweigen. Diese Erfahrung prägt sein Werk, in dem aus der Stille das Wort entsteht. Mujicas Gedichte sind extrem verdichtet, verzichten auf Ornamentik. Das Poetische entsteht aus der Logik.