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Hans Magnus Enzensberger: self-refuting prophecy

Zeitzünder

Hans Magnus Enzensberger

self-refuting prophecy
(aus: "Mittelmaß und Wahn. Ein Vorschlag zur Güte", 1990)


Überhaupt ist es, nach drei, vier Jahrzehnten, an der Zeit, zu konstatieren, daß die Kritiker der westdeutschen Gesellschaft, die zur linken wie die zur rechten Hand, vom Pech verfolgt waren. Ihre Deutungen haben sich nicht nur als ohnmächtig erwiesen, sie waren falsch. Sie haben ihre Analysen nicht auf kaltblütige Beobachtung, sondern auf Vorurteile, und ihre Prognosen nicht auf Spürsinn für die Zukunft, sondern auf Zwangsvorstellungen gegründet. (Daraus läßt sich nicht folgern, daß ihre Mühe überflüssig war. Das, was früher Gesellschaftskritik hieß, ein Ausdruck, der in den letzten Dezennien nicht von ungefähr verblichen ist, läßt sich mit guten Gründen als self-refuting prophecy betrachten, der Sinn ihrer Aussagen bestünde dann darin, für ihre eigene Widerlegung zu sorgen.)

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