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Gottsched: Das IX. Capitel

Diskurs/Poetik/Essay > Poeterey





Erster allgemeiner Theil


Das IX. Capitel.


Von poetischen Perioden und ihren Zierrathen.


1. §. Eine Periode überhaupt ist eine kurze Rede, die einen, oder etliche Gedanken in sich schließt, und für sich selbst einen völligen Verstand hat. Ich nenne sie eine kurze Rede, um dadurch anzuzeigen, daß sie sich zu einer langen, wie ein Theil zum Ganzen, verhält: denn aus vielen Perioden entsteht erst eine gebundene oder ungebundene Schrift. Zudem ist die Kürze einer Periode eine besondere gute Eigenschaft derselben, wie bald soll gewiesen werden. Ich sage ferner, daß eine Periode einen oder etliche Gedanken in sich schließe, um dadurch die einfachen Perioden von den Zusammengesetzten zu unterscheiden. Jene bestehen nur aus einem einzigen Satze, darinn man von einer Sache etwas bejahet, verneinet, bewundert, fraget, oder in Zweifel zieht. Diese hergegen entstehen aus der Verbindung etlicher solcher Sätze, die ihrer Natur nach mit einander zusammen hängen; es sey nun, auf was für eine Art es wolle. Endlich fordre ich von einer Periode, daß sie einen völligen Verstand haben solle: damit das Gemüth am Ende derselben einigermaßen befriedigt und ruhig seyn könne. Denn wenn an dem völligen Sinne einer Rede etwas fehlet; so kann man noch nicht stille stehen: sondern die Gedanken eilen weiter, und wollen die völlige Meynung der Rede fassen; welches allezeit mit einiger Unruhe verknüpft ist. Diese Unruhe nun, ist dem Gemüthe eines Lesers oder Zuhörers allezeit unangenehm, und daher sehnt er sich immer nach einer Befriedigung; die er nicht anders, als beym Schlusse eines Satzes erhält.
2. §. Die Poeten haben die Ehre, daß sie die ersten Erfinder der Perioden sind, und daß die Meister der ungebundnen Schreibart ihnen die Kunst haben ablernen müssen. Wie man nämlich überhaupt eher in Versen, als in Prosa geschrieben hat: so ist auch die poetische Schreibart eher ins Geschicke gebracht worden, als die prosaische. Die Poeten, Museus, Orpheus und Linus, ja selbst Homer und Hesiodus haben lange vor dem Pherecydes gelebt; welcher zu allererst auf die Gedanken gekommen seyn soll, daß man auch ohne ein gewisses Sylbenmaaß schreiben könne. Und da man auch in diesen alten Dichtern, sonderlich im Homer, eine periodische Schreibart antrifft: so weis man hergegen unter den viel neuern prosaischen Scribenten den Isokrates zu nennen, der zu allererst in ungebundner Rede Perioden zu machen, angefangen. Cicero giebt uns in seinem dritten Buche vom Redner Nachricht davon. Die Stelle verdient, daß ich sie an führe: »Die Alten hielten dafür, man müsse in der ungebundnen Rede auch Verse machen, das ist, ein gewisses wohlklingendes Sylbenmaaß beobachten. Denn sie verlangten, daß man nicht sowohl durch gewisse Zeichen der Abtheilung, als vielmehr in der Rede selbst, durch die Worte und Sätze, in gewissen Stellen einen Schluß machen solle nicht zwar unserer Müdigkeit, sondern dem Athemholen zu statten zu kommen. Und das soll vornehmlich Isokrates aufgebracht haben, damit er die ungeschickte Schreibart der Alten, der Anmuth und des Gehöres wegen, zu einem Wohlklange bringen möchte. Denn vermittelst dieser zwey Stücke, haben die Musikverständigen, welche vorzeiten mit den Poeten einerley waren, den Vers und Gesang zur Belustigung ausgekünstelt: damit sie sowohl durch das Sylbenmaaß, als durch die Stimme, belustigen, und dem Ekel der Ohren zuvor kommen möchten. Diese beyden Stücke nun, ich meyne den Wechsel der Stimme, und die Abtheilung der Rede, in geschlossene Sätze, haben sie, so viel es sich hat thun lassen, aus der Poesie auch in die Beredtsamkeit einzuführen, für rathsam gehalten.«
3. §. Wir sehen aus dieser Stelle das innerste Wesen der Perioden, und begreifen zugleich, wie die ersten Dichter auf diese Erfindung gekommen sind. Sie suchten das Ohr zu vergnügen, und den Leuten beym Anhören ihrer Gedichte keinen Ueberdruß zu erwecken. Dahin gehörte nun eine wohlklingende Rede, die in einem Athem ausgesprochen, und doch wohl verstanden werden konnte. Sie maßen also alle ihre Zeilen ab, brachten das Sylbenmaaß darinnen auf, und schlossen, so viel möglich war, jeden Gedanken in einen, zween oder drey Verse; so viel man nämlich in einem Athem bequem aussprechen konnte. Daher entstunden nun die poetischen Perioden. Ein Exempel macht die Sache deutlich. Simon Dach schreibt auf eines Liefländischen Herzogs mit einer Brandenburgischen Prinzeßin Beylager 1643.

Ich bin so fremde nicht in meinem Vaterlande
Dem, der nur etwas hält von Tugend und Verstande.
Mein Churfürst, sagt man mir durch gründlichen Bericht,
Erkennt, ob ich ein Lied geschrieben oder nicht?
So kundig bin ich ihm.


Hier sieht ein jeder, daß in diesen fünftehalb Zeilen der Verstand sich dreymal schließt. Erst machen zwey und zwey Zeilen einen völligen Satz aus, hernach ist eine halbe Zeile ein ganzer Satz; der sich zwar auf das vorhergehende bezieht, aber doch für sich verstanden werden kann. Noch eins aus demselben Gedichte.

Mir dringet längst zu Ohren,
Ja auch ins Herze selbst der süssen Sänger Schall.
Ich höre längst von fern die Heerpauk und den Hall
Der zwölf Trompeten gehn. Für Freuden seh ich springen
Die Bergstadt Ottokars, und alles wieder klingen.
Der reiche Pregel reckt sein nasses Haupt empor,
Horcht, was da sey, und läuft geschwinder, als zuvor,
Dem frischen Hafe zu.


Hier sieht man wieder, daß der Verstand dieser acht Zeilen sich viermal geschloßen hat, nämlich da, wo die Puncte stehen. Und folglich besteht dieses Stücke aus vier Perioden.
4. §. Will man dagegen sehen, wie ein Vers aussieht, darinn keine Perioden sind, so darf ich nur ein Stück aus einem alten Meistersänger anfuhren. Z.E. Der alte Uebersetzer Homers, Joh. Spreng, erzählt im Anfange des ersten Buches wie der Priester Chryses seine Tochter wiedergefordert habe.

Dann dieser Priester Lobesam
Bald für die Schiff der Griechen kam,
Und wollt sein liebe Tochter haben
Dieselb erledigen mit Gaben,
Bracht deren gar ein große Zahl
Für die Kriegsobersten zumal
Von Gold und Silber auch ein Kron
Apollinis, des Gottes fron
Ein güldin Zepter in der Hand
Ersucht die Griechen mit Verstand
Fürnehmlich Agamemnonem
Und Menelaum ganz bequem
Die beyden König hochgebohrn
Des Atrei Söhn auserkohrn
Als hochverständig und großmüthig
Fing an und sprach mit Worten gütig:
Ihr beyde Fürsten hochgedacht
Und auch der Griechen große Macht etc.


Ich müßte noch ganze Seiten ausschreiben, wenn ich hier ein Ende finden wollte: So gar hängt alles an einander, daß man nirgends stille halten oder aufhören kann. Es hat aber auch unter neuern Poeten Leute gegeben, die nicht anders geschrieben haben, als ob die Periode in Versen ein verbothenes Kunststück wäre. Sonderlich in den ungemischten alexandrinischen Versen halten es einige nicht nur für erlaubt, sondern wohl gar für eine Schönheit: wenn sie alles aneinander hängen, und wohl dreyßig ja vierzig lange Zeilen wegschreiben, darinne man nirgend still stehen kann; wo man nicht durch das Athemholen den Zusammenhang der Worte und Gedanken unterbrechen will.
5. §. Eine solche Schreibart nun, ist in ungebundner Rede schon verwerflich, vielweniger wird sie sich für einen guten Poeten schicken, der noch körnichter, nachdrücklicher und kräftiger schreiben soll, als ein Redner. Die große Weitläuftigkeit ist ein Zeichen schlecht verdaueter Gedanken, und übelgefaßter Ausdrückungen. Sie macht die deutlichste Sache dunkel, und den besten Leser matt und müde. Seine Gedanken werden mit gar zu vielen Dingen überhäuft; und wenn er hofft, daß ihm die folgende Zeile den völligen Sinn des Satzes entdecken werde: so wird er von neuem, aus einem Labyrinthe in den andern gestürzet, daraus er nicht eher, als nach unzähligen Umschweifen den Ausgang finden kann. Wenn man denn endlich an einen Ruhepunct gekommen ist, so weis man selbst nicht mehr, was man im Anfange gelesen hat: so gar ist man, durch die Verwirrung unzählicher Gedanken und Ausdrückungen, überhäufet worden. Günther hat zuweilen seiner Einbildungskraft, etwas zu sehr den Lauf gelassen, z.E. wenn er so schreibt:

Der bettelt geht und kömmt, und kann vor Angst nicht ruhn
Bis daß ich Flavien erbärmlich vorgeleyert,
Wie, da sie gestern spät das Sonntagszinn gescheuert,
Ihr aufgestreifter Arm die Schwanenhaut entblößt,
Und ihm dadurch die Milch der Hoffnung eingeflößt,
Daher in seiner Brust ein neuer Aetna brennte,
Dem auch ihr Schüsselfaß die Glut nicht löschen könnte.


Doch könnte es auch wohl seyn, daß er diese Stelle mit Fleiß, und satirischer Weise so matt und weitschweifig gemacht, als ob er den Canzleystil nachahmen wollte.
6. §. Wiewohl nun dergestalt die Deutlichkeit eine Haupttugend poetischer Perioden ist; diese aber nicht leicht ohne eine beliebte Kürze erhalten werden kann: so will man dadurch noch nicht alle weitläuftige Sätze in Versen verworfen haben. Es giebt freylich zuweilen lange Perioden, die eine Menge kleiner Abtheilungen haben. Weil sie aber alle einander ähnlich sind, und an und für sich selbst verstanden werden können; so entsteht keine Dunkelheit daraus in der ganzen Rede. Z.E. wenn Neukirch in dem schönen Lobgedichte auf die Königinn in Preußen, Sophien Charlotten, ihre Eigenschaften ins Kurze fassen will; so macht er eine Periode von acht Zeilen, die aber aus so kurzen und ähnlichen Theilen besteht, daß sie ganz deutlich bleibt.


Charlott! ach kann ich auch dieß große Wort noch sprechen,
Charlotte liegt erblaßt! und unsre Augen brechen
Zugleich vor kalter Angst. Wir sehen nichts als Nacht,
Und gleichwohl sehen wir Europens Zierd und Pracht,
Des größten Helden Lust, der Damen Preis und Krone,
Das mütterliche Haupt von einem Königssohne,
Minervens Ebenbild, der keuschen Liebe Sitz,
Und alles, was jemals Natur, Verstand und Witz
Nur herrliches gezeugt, nur schönes kann erdenken,
Ins Haus, ins schwarze Haus der bleichen Schaar versenken.


Man hat also sonderlich darauf zu sehen, daß in dergleichen langen Sätzen die Theile nicht nur an sich selbst deutlich, sondern auch unter einander ähnlich seyn mögen. Denn diese Aehnlichkeit macht, daß man die vorigen Stücke bey dem folgenden nicht aus dem Sinne verliert, und bey dem letzten nicht anders denkt, als ob nur eine einzige Eigenschaft, Bedingung, Ursache, Vergleichung oder Folgerung vorhanden gewesen wäre.
7. §. Die andere gute Eigenschaft einer Periode ist, wenn darinnen die natürliche Wortfügung unsrer Muttersprache eben sowohl, als in ungebundner Rede, beobachtet wird. Diese Regel ist seit Opitzens Zeiten bey unsrer Nation für bekannt angenommen worden: und es haben sie so gar diejenigen nicht verworfen, die doch in ihren Schriften vielfältig darwider verstoßen haben. Sie entschuldigen sich allenfalls mit der poetischen Freyheit, der sie sich doch durch den, der obigen Regel gegebenen Beyfall, begeben hatten: oder sie meynen doch, um eines guten Gedankens halber, stehe es ihnen frey, die Sprache zu verstümmeln. Einige aber meynen gar, es bestehe die Schönheit der poetischen Schreibart in solchen Verkehrungen der Wörter; indem man sich dadurch von der prosaischen Rede sehr entfernen könnte. Siehe die Vorrede zu dem schweizerischen Milton. Bey den alten Lateinern und Griechen hat man sich in diesem Stücke so sehr nicht binden dörfen, und man hält insgemein dafür: es wäre ihren Poeten eine jede Versetzung der Wörter und Redensarten gleichgültig gewesen. Allein ich habe bisher noch keinen Beweis davon zulänglich befunden. In Aristotels Poetik c. 23. finde ich, daß ein damaliger Geschichtschreiber, Ariphrades, die Versetzung der Wörter an den tragischen Poeten getadelt; unter andern, wenn sie das Vorwort nach seinem Nennworte gestellet: Z.E. δωμάτων ἀπὸ, DOMO EX, an statt EX DOMO. Wiewohl nun Aristoteles, aus gar zu großer Gelindigkeit, hier die Vertheidigung der Poeten über sich nimmt, und sie gar deswegen lobet, daß sie von der gemeinen Art zu reden abgewichen: so schließe ich doch daraus, daß es in der griechischen Sprache nicht gleichviel gewesen, wie man die Wörter geordnet; und daß auch bey ihnen ein zartes Ohr von einem guten Poeten gefordert habe, bey der natürlichen Wortfügung zu bleiben.
8. §. Von den Lateinern ist es eben so gewiß, daß man nicht alle mögliche Versetzungen bey den Poeten habe dulden können. Z.E. der Vers Virgils:


ARMA VIRUMQUE CANO, TROIAE QUI PRIMUS AB ORIS
ITALIAM FATO PROFUGUS LAUINAQUE VENIT
LITTORA &c.


hätte gat leicht auch folgendergestalt ins Sylbenmaaß gebracht weiden können:

ARMA VIRUMQUE CANO, PROFUGUS QUI PRIMUS AB ORIS
ITALIAM TROIAE VENIT, LAUINAQUE FATO
LITTORA.


Doch glaube ich, daß dem Virgil und allen Römern über einer so seltsamen Versetzung der Wörter die Ohren würden weh gethan haben. Und doch ist es leicht möglich, noch eine weit ärgere Unordnung in diese Wörter zu bringen, dabey endlich der ganze Verstand der Zeilen verschwinden würde. Zum Exempel:

ARMA CANO PRIMUS TROIAE LAUINA VIRUMQUE
ITALIAM PROFUGUS QUI LITTORA VENIT AB ORIS
FATO.


Oder so:

ARMA CANO TROIAE, PROFUGUS QUI LITTORA VENIT,
ITALIAM LAUINA VIRUMQUE PRIMUS AB ORIS
FATO.


Es ist daher wohl gewiß, daß in lateinischen Poesien eben so wohl die gewöhnliche Ordnung der ungebundnen Rede hat beobachtet werden müssen, als im Deutschen. Und wenn sich ja die Poeten aus Noth zuweilen eine Freyheit herausgenommen, so ist es an ihnen mehr geduldet, als gelobet worden. Man kann hiernach in den Parrhasianis dasjenige prüfen, was Clericus in den Gedanken von der Poesie geschrieben hat.
9. §. Bey den Franzosen hat Pater CERCEAU in einem besondern Tractate zu behaupten gesucht: Das Wesen der poetischen Schreibart bestünde in einer bloßen Versetzung der Wörter. Er führet aus ihren besten Poeten die Stellen an, die bloß darum edel und poetisch klingen; weil man wider die gemeine Art das hinterste vorn, und das vorderste hinten gesetzet hat. Nun weis ich zwar, was ihm der Pater Buffier in seiner neuen Anleitung zur Poesie drauf geantwortet hat: nichts destoweniger aber scheint er so ganz unrecht nicht zu haben. Denn einmal ist es gewiß, daß die französischen Poeten sich vieler solcher Versetzungen bedienen, die kein prosaischer Scribent bey ihnen brauchet; welches sie eben den Anfängern so schwer macht. Zweytens ist es auch gewiß, daß eine Zeile ein ganz neues Ansehen bekömmt, so bald eine etwas ungewöhnlichere Ordnung in die Redensarten gebracht worden; welches ich bald mit deutschen Exempeln erläutern will. Darinn aber kann ich ihm nicht beyfallen, wenn er die verblümten Redensarten für nichts poetisches ansehen will: da doch der häufige Gebrauch derselben, selbst in Fenelons Telemach, die Schreibart viel zu edel macht, als daß es eine prosaische heißen sollte. Die Critici haben vorlängst die reichen Beschreibungen im Curtius, und gewisse verwegene Metaphoren im Florus, für einen poetischen Ausdruck ausgegeben, obgleich dieselben nicht in Versen abgefasset gewesen. Und Quintilian im VI. Capitel seines VIII. Buchs gesteht ausdrücklich, daß die Poeten mehr Freyheiten in verblümten Redensarten hätten, als andere Scribenten.
10. §. Ich bleibe also fürs erste bey unserer alten Regel, und sage, ein Poet müsse eben die Wortfügung beybehalten, die in ungebundner Rede gewöhnlich, oder doch zum wenigsten erlaubt ist, Z.E.

Der schwarze Schäfer steht bey einer hohen Linden,
Gelehnet auf den Stab, und schneidet in die Rinden
Der Liebsten Namen ein. Bald schwingt er in die Höh
Ein treues Hirtenlied von seiner Galathee.

Opitz von R. des Gem.


Hier sieht ein jeder wohl die Versetzungen der Worte, die man in ungebundner Rede nicht gemacht haben würde. In der andern Zeile würde ich gesagt haben: Auf seinen Stab gelehnt, und schneidet der Liebsten Namen in die Rinden ein. Bald schwingt er ein treues Hirtenlied von seiner Galathee in die Höhe. Wer nun die obige Regel in aller ihrer Schärfe annimmt, der muß den angeführten Vers ganz verwerfen. Eben so wird es mit der folgenden Stelle gehen:


Er darf sein Hütlein nicht stets in der Hand behalten,
Wenn er nach Hofe kömmt, und vor der Thür erkalten,
Eh, als er Audienz (Verhör ist viel zu schlecht)
Zuwege bringen kann und ungerechtes Recht.

Eben daselbst.


Hier sieht man wiederum, daß fast alles in ungebundner Rede anders stehen müßte. »Wenn er nach Hofe kömmt,« würde ich gesagt haben, »darf er sein Hütlein nicht stets in der Hand behalten und vor der Thüre erkalten, ehe er Audienz und ungerechtes Recht zuwege bringen kann.« Allein meines Erachtens wären diese und dergleichen Versetzungen an einem Poeten noch wohl zu dulden; wenn sie nur niemals widriger klangen. Es giebt aber viel ärgere, die man gar nicht leiden kann; weil sie der Art unserer Sprache gar zu sehr zuwider laufen. Z.E. Lohenstein im Ibrahim Sultan schreibt:


Ich kann mehr den Gestank der schwarzen Unzuchtkerzen
Des Ibrahims vertragen nicht,
Es muß sich mein Crystall von seiner Bosheit schwärzen,
Stambuldens Glanz verliern ihr Licht.


Und so geht es in unzähligen Stellen: Denn wie verkehrt klingt brechen ab, schlingen ein, zünden an, sprechen zu, streichen an, brennen an, tauschen ein, und andre Arten der Versetzungen mehr, die in dem ersten Auftritte dieses Trauerspiels zu finden sind.
11. §. Eben dergleichen kann man fast in allen unsern Dichtern anmerken, die bis auf Chr. Weisen geschrieben haben, auch so gar Hofmannswaldauen und Bessern nicht ausgenommen, die doch, ich weis nicht wie? ihrer Reinigkeit halber in Ruff gekommen sind. Dahin gehöret auch das thun, welches die Alten so oft eingeflicket haben. Z.E. Opitz von R. des Gem.

Ein frisches Haselhuhn,
Nach dem die Bürger sonst die Finger lecken thun.


Dahin gehört die Trennung gewisser Wörter durch ein anderes darzwischen geschobenes: Z.E.

Er wird mir auch verzeihen,
Daß ich frey öffentlich, als Herold, aus darf schreyen. etc.

Opitz.


Dahin gehört die Veränderung der Geschlechter, da das weibliche ins männliche, oder beydes ins Ungewisse, dem Verse zu gut, verwandelt wird. Z.E. Opitz.

An dem ein schönes Quell mit Rauschen hin und wieder,
Fleußt heller noch als Glas,


da es von Rechtswegen eine schöne Quelle hätte heißen sollen. Dahin gehört auch die Abkürzung gewisser Wörter. Z.E. Lohenstein sagt vom Frauenzimmer

Die keusch- und kältsten brennen,
Wo Fürstenblicke falln.


12. §. Dahin gehöret ferner die Ausdehnung einiger Wörter, die bloß des Sylbenmaaßes halber zu geschehen pflegt; Z.E. Genade, Gelücke, Gelauben, Grabestein, abe, nichtes, Großemutter, etc. Dahin gehöret auch die unnöthige Vorsetzung einer Sylbe, vor ein sonst gewöhnliches Wort: Z.E. Lohenstein.

Dessen Eid
Nichts minder ihn verknüpft, auf die Ergetzlichkeit
Des Sultans, als aufs Heil des Reiches vorzusinnen.


Hier ist das vor augenscheinlich umsonst angeflickt, und ändert die Bedeutung des Wortes eben so wenig, als in dem Niedersächsischen vorfinden; welches nichts mehr, als finden heißt, und nur einen unnöthigen Zusatz bekommen hat. Hieher gehört endlich, wenn man forn eine Sylbe den Wörtern abbeißt, z.E. raus vor heraus.

Der streichet pralend raus, was ihm in nächsten Tagen
Für reiche Töchter sind zur Heirath angetragen.

Canitz.


Und vor diesem so ungereimten Fehler hat sich auch Günther, der doch sonst so rein schreibt, als man es wünschen kan, nicht allezeit in acht genommen. Und wie viel 'rein für herein, 'rauf für herauf, 'rab für herab, nein für hinein, 'nauf, 'nab, 'nüber, 'nunter, 'rüber, 'runter, etc. findet man nicht bey einigen Neuern, die gewiß nicht bedenken, daß kein Mensch in ungebundner Rede jemals so geschrieben. Pflegt gleich die Geschwindigkeit im Reden die erste Sylbe fast zu verbeißen, so ist es darum doch im Schreiben nicht schön. Die Nachläßigkeit der Ausländer, z.E. der Welschen, der Engländer und Holländer macht es nicht gut. Was in ihrer Sprache angeht, das schickt sich darum für unsre nicht. Eben dahin gehört auch das Wörtchen vor, welches einige anstatt zuvor, oder vormals, zu brauchen pflegen: da sie doch leicht sonst, vormals, oder vorhin, an seiner Stelle brauchen könnten.
13. §. Nun weis ich zwar, daß Aristoteles, in dem bereits angeführten Capitel seiner Poetik, die Verlängerung und Verkürzung der Wörter, in der hohen poetischen Schreibart dulden, ja gar für eine Schönheit derselben halten wollen, dadurch man sich von der gemeinen Art entfernen könnte. Allein da sich der alte Euklides ausdrücklich über den Homer beschweret, daß er solches gethan hat: so sehe ich daraus, daß solche gewaltsame Verstümmelung der Wörter auch in Griechenland anstößig gewesen; wie denn auch die neuen Dichter jenen darinnen nicht nachgeahmet haben. Denn in der That ist es wahr, daß es keine Kunst seyn würde, Verse zu machen: wenn es einem frey stünde, nach seiner Phantasie die Wörter auszudehnen und zu verkleinern, wie dieser alte Criticus gesagt hat. Die Belustigung, die man im Lesen eines Verses hat, fällt auch großenteils weg, wenn man sieht, daß der Poet nicht vermögend ist, die Sprache mit seinem Sylbenmaaße in guter Harmonie zu erhalten. Horaz vergleichet einen guten Poeten mit einem Seiltänzer. Was belustiget uns an einem solchen mehr, als daß derselbe auf einem so schmalen Stege mit solcher Gewißheit und Sicherheit einhergehet; ja gar die höchsten Luftsprünge macht, die sonst niemand auf dem flachen Boden nachmachen könnte. Man gebe aber demselben nur einen Steg, der eines Fußes breit ist: so gleich wird unsre Ergetzlichkeit verschwinden; weil es keine so große Kunst mehr seyn wird, darauf zu gehen. So ist es auch mit einem Versmacher bewandt. Sein richtiges Sylbenmaaß ist das Seil, darauf er ohne Fehltritt einhergehen muß. So oft er vorbey tritt, ist es uns zuwider; nicht anders, als wenn der Seiltänzer vom Seile fällt. Er muß gar die verwegensten Sprünge in seinen Gedanken und Ausdrückungen machen können, dabey man denken sollte: nun würde er gewiß seiner Richtschnur verfehlen! und doch wider Vermuthen in seinen engen Schranken bleiben. Dadurch wird nun der Leser überaus vergnüget. So bald man ihm aber eine größere Freyheit, die Sprache zu verstümmeln, verstattet, sogleich wird es gar keine Kunst mehr seyn, Verse zu machen; und man möchte ihm zurufen, was Boileau von einem solchen Stümper schreibt:»Er martert sich fast zu Tode über seinen Versen: warum schreibt er denn nicht lieber in ungebundener Schreibart?«

IL SE TÜE À RIMER; QUE N'ECRIT IL EN PROSE?


14. §. Denn in der That ist es besser, gar keine Verse als schlimme zu machen und zu lesen, weil man sich ohne diese gar wohl behelfen kann. Ich weis wohl, daß es Leute giebt, die alles, was sich nur reimet, für Verse, und zwar für gute Verse halten. Allein es sind auch Leute darnach, deren Hofpoet zu seyn ich nicht begehre. Sie verstehen bey aller ihrer äußerlichen Hoheit des Standes, oder Pracht und Lebensart, kaum so viel, daß sie ihren Namen recht schreiben können. Von diesen nun einen Beyfall zu erhalten, das ist auch denen keine Ehre, die sich doch viel damit wissen; wenn sie alle Kenner der wahren Dichtkunst, für den Pöbel auf dem Parnaß erklären: bloß, weil sie es vorhersehen, daß ihre Arbeit deren Beyfall nicht erhalten wird. Horaz hat den römischen Lucil und andere alte Lateiner, die sich dergleichen Freyheit genommen, in etlichen Satiren ausgelachet und verworfen: obgleich der römische Pöbel, dem alles gleichviel war, und der die regelmäßigen Ausdrückungen von den unrichtigen nicht zu unterscheiden wußte, sehr viel Werks aus ihren Versen machte. Er giebt zu, daß er scherzhaft (FACETUS) und EMUNCTAE NARIS, ein aufgeräumter Kopf gewesen: aber er nennt ihn hart in Versen, und sagt, daß dieselben sehr unsauber flössen.

DURUS COMPONERE VERSUS!
NAM FUIT HOC VITIOSUS: IN HORA SAEPE DUCENTOS
VT MAGNUM, VERSUS DICTABAT, STANS PEDE IN VNO.
CUM FLUERET LUTULENTUS, ERAT QUOD TOLLERE VELLES.
GARRULUS ATQUE PIGER, SCRIBENDI FERRE LABOREM,
SCRIBENDI RECTE.

SAT. IV. L.I.


Man sieht aus dieser Stelle auch, daß nicht bloß die Geschwindigkeit im Versemachen Schuld an solchen Fehlern gehabt: sintemal er sehr schwatzhaft und gar zu faul gewesen, sich Zeit und Mühe genug über einer Sache zu nehmen. Man sehe die X. Satire dieses Buches nach, wo er noch ausführlicher davon handelt.
15. §. Ich enthalte mich hier, alle altfränkische Fehler der Poeten, die vor Opitzen gelebt haben, anzuführen. Das stahn, gahn, lahn und han, lobesam, wohlgemuth und zu dieser Frist bedarf keiner Regel mehr; indem es auch von den schlechtesten Dichtern nicht mehr gebraucht wird. Eine andre Bewandniß hat es noch mit den Hülfswörtern, die man zu den Hauptwörtern setzet. Einige lassen dieselben gern aus; andere aber behalten sie gar zu sorgfältig bey. Allein es ist leicht ein Unterscheid zu machen. Wann die Wörter haben und seyn wirklich nur Hülfswörter sind, und bey andern Zeitwörtern vorkommen: alsdann darf man sich kein Bedenken machen, sie nach Erforderung der Umstände auszulassen; wenn nur keine Dunkelheit daraus entsteht. Z.E. Canitz.

Der, weil ein schwarzer Punct im Würfeln ausgeblieben,
Zuletzt aus dem Besitz der Güter wird getrieben.


Da ist in der ersten Zeilen das Wörtchen ist ausgelassen, aber ohne Fehler: weil ohne dieß, das Wort ausgeblieben schon die Sache ausdrückt, und das ist also nur ein Hülfswort war. Aber in der andern Zeile hätte das wird unmöglich ausgelassen werden können, weil sie sonst unverständlich geworden wäre. So gehts auch in allen Fällen, wo das haben ein bloßes Hülfswort ist. Z.E. Opitz schreibt:


Was kann ein Herr, ein Fürst, ein König bessers lesen,
Als was vor uns und ihm geschehen und gewesen;
Wie manches stolze Reich entsprungen und verkehrt,
Wie Völker itzt geblüht, und wieder durch das Schwerdt
Den Untergang geschaut.


Hier ist zuletzt bey geblüht, und geschaut, das haben ohne Fehler ausgelassen; so wie in der andern Zeile, bey geschehen und gewesen, das ist. Nur bey der dritten kann ichs nicht gut heißen, daß zwey ungleiche Wörter, entsprungen und verkehrt, verbunden worden, da sie doch nicht einerley Hülfswort haben können; weil das erste ist, das andere aber worden hätte haben sollen. Und dieses worden hätte gar nicht ausbleiben müssen, um den Verstand recht auszudrücken. Verkehrt kann auch wirksam, und nicht nur leidend erkläret werden: nachdem entweder hat oder worden darunter verstanden wird; und diese Zweydeutigkeit kömmt hier vor.
16. §. Wenn aber die Wörter haben und seyn an und für sich was bedeuten, und rechte Zeitwörter abgeben: alsdann ist es sehr ungeschickt, dieselben auszulassen. Z.E. Opitz im Vesuvius schreibt;

Verzeihe mir mit Gnade,
Daß ich unangesagt mit Schriften dich belade,
Die gar zu schlecht für dich. Ich weis etc.


Und bald hernach in diesem Gedichte:


Alsdann kann erst ein Mensch sich einen Menschen nennen,
Wenn seine Lust ihn trägt, was über uns, zu kennen.


Hier ist in der ersten Stelle das Wort sind, und in der andern das ist ausgelassen. Gleichwohl sind dieselben hier als rechte Hauptwörter anzusehen; ohne die man den Satz unmöglich verstehen kann. Solchen Stellen unsrer ehrlichen Alten, die doch unrein sind, folgen viele Neuere nach, und verderben dadurch die Sprache aufs äußerste; zumal wenn sie gar das hat und haben in dergleichen Fällen ersparen wollen. Was ich aber an Opitzen entschuldigen muß, das werde ich gewiß an keinem andern loben, er sey auch wer er wolle; und wenn er noch so körnigt, dunkel und miltonisch schriebe, ja mit lauter Räthseln sinnträchtiger und gedankenschwangerer Wortriesen aufgezogen käme.
17. §. Noch einerley Frage fällt wegen der Hülfswörter vor, ob man sie nämlich ohne Unterscheid vor, oder hinter ihr Hauptwort setzen könne. Z.E.

Wär es zu jener Zeit, da man auf Tuch und Rinden,
In Cederöl getränkt, auf Helfenbein und Linden,
Und Bley, und Darm, und Erz, und Wachs, und Leder schrieb,
Und solches alles zwar mit großen Kosten trieb:
So würde Caßius sich eher lassen lenken,
Und nicht, wie er gethan, auf tausend Bücher denken,
Die man dennoch zu nichts sonst tauglich hat erkannt,
Als daß man sie sammt ihm zu Asche hat verbrannt.

Franke.


Hier findet man in der fünften Zeile das Hülfswort lassen, vor sein Hauptwort lenken gesetzt, welches doch in ungebundner Rede hinten gestanden haben würde. Imgleichen steht in beyden letzten das hat ebenfalls vorne, da es doch nach prosaischer Ordnung hinten seyn sollte. Allein man sieht wohl, daß dieses wider die obige Regel läuft, und also für keine Schönheit, sondern für einen Uebelstand zu halten ist. Noch eins aus eben dem Poeten:

Es würde der Lucil wohl eher sich ermüden,
Und nicht zweyhundert Vers in einer Stunde schmieden,
Und zwar auf einem Fuß. Ich selber ließ es seyn,
Und zöge meine Schrift zuzeiten enger ein:
Wann nicht der leichte Griff, da man mit großem Frommen
Auf Lumpen schreiben kann, nunmehr wär aufgekommen.


Hier ist abermal wär in der letzten Zeile auf der unrechten Stelle: denn es sollte heißen, aufgekommen wäre. Gesetzt nun, daß dieses nur ein kleiner Fehler ist, den man an einem alten und großen Poeten leicht übersieht, wenn er nur nicht oft kömmt: so ist es doch ein Fehler, der einer Entschuldigung bedarf, und den man lieber zu vermeiden sucht, wenn man ohne Tadel reden will.
18. §. Eine von den allervornehmsten Tugenden, eines guten poetischen Satzes, ist die Deutlichkeit desselben. Diese muß in gebundener Rede eben sowohl, als in ungebundner statt haben, und ohne dieselbe würde ein Poet kein Lob verdienen. Es entsteht sonst die Deutlichkeit aus Wörtern und Redensarten, die jedermann geläufig und bekannt sind, auch in ihrem natürlichen und eigentlichen Verstande gebraucht werden: sodann aber auch aus einer ordentlichen und gewöhnlichen Wortfügung, die der Art einer jeden Sprache gemäß ist. Wären aber diese Stücke zur Deutlichkeit eines Satzes ganz unentbehrlich: so würde folgen, daß ein Poet entweder keine neue Wörter, verblümte Redensarten und neue Wortfügungen machen müsse; oder daß er unmöglich deutlich würde schreiben können. Denn wir haben schon oben gewiesen, daß man in gebundner Rede nicht die gemeinsten und bekanntesten, sondern ungemeine, zuweilen auch alte, zuweilen gar neuzusammengesetzte Wörter, und viel verblümte Redensarten anbringen solle: um edler und erhabner als ein prosaischer Scribent, zu schreiben. Und wir werden bald hören, daß man auch in der Wortfügung viele Neuerungen wagen könne, um sich dadurch von der gemeinen Art zu reden zu entfernen. Allein bey diesem allen kann die Deutlichkeit gar wohl bestehen. Ein Wort kann gar wohl verständlich seyn, wenn es gleich nicht von dem Pöbel täglich gebraucht wird. Ein altes Wort ist auch nicht allemal unverständlich, wenn es nur kein Provinzialwort ist, das außer den engen Grenzen einer Landschaft nicht gilt; wenigstens kann es durch den Zusammenhang ganz deutlich werden. Neugemachte Wörter sind auch sehr wohl zu verstehen, wenn sie nur aus bekannten regelmäßig zusammen gesetzt; und nach der Aehnlichkeit unserer Mundart eingerichtet worden. Die verblümten Redensarten, wenn sie glücklich ausgesonnen werden, geben dem Verstande noch mehr Licht, als die eigentlichen; wenn man sie nur nicht gar zu häufig brauchet. Denn Aristoteles in seiner Poetik hat ausdrücklich angemerkt, daß aus gar zu vielen Metaphoren lauter Räthsel entstehen.
19. §. Zuweilen werden bey dem Scheine der größten Deutlichkeit die verblümten Redensarten so wunderlich durch einander geflochten; daß sie gar nicht verstanden werden können. Z.E. Besser in einem Singespiele läßt den Mars, der nebst den andern Göttern bey der Flora zu Gaste gebethen worden, und etwas späte erscheint, also sprechen:

Mars, der Gott der Kriegesheere,
Folgt der Göttinn aus dem Meere,
Folget seiner Venus nach.
Wart, Aurora! wart, Aurora!
Mars kömmt auch zum Fest der Flora,
Schleuß noch nicht dein Schlafgemach.


Hier verstehe ich weder was Mars, noch was der Poet haben will. Denn außer dem überflüßigen Titel, den er sich giebt, und den alle Götter, zu denen er kömmt, lange wußten, nennt er seine Venus eine Göttin aus dem Meere; welcher Name sich viel besser für die Thetis geschicket hätte. Hernach ruft er Auroren, und verlangt, sie solle ihr Schlafgemach noch nicht schließen, weil er auch zum Feste der Flora käme. War denn das Fest der Flora in Aurorens Schlafkammer angestellt? oder wollte Mars sonst bey ihr seine Herberge auf etliche Minuten nehmen? Was heißt es ferner, das Schlafgemach schließen? Ohne Zweifel schläft Aurora des Nachts, und also muß sie frühe herauseilen, ihrem Phöbus vorzugehen. Da wird es nun dem Mars gleich viel gelten, ob sie ihre Schlafkammer offen läßt oder zuschließt; weil er ohne dem nichts darinn zu thun hat. Des Abends aber die Aurora in ihr Schlafgemach zu führen, das würde eben so viel seyn, als wenn jemand den Nordwind von Süden, oder den Zephir von Osten herkommen ließe. Mit einem Worte, der obige Vers ist ohne Verstand, und besteht aus schönen Worten und verblümten Redensarten, die nichts heißen.
20. §. Ich habe mit Fleiß aus Bessers Schriften ein solch Exempel angeführet, den man seiner natürlichen Schreibart, und richtigen Gedanken halber so vielmal gelobet; daß er sich endlich selbst für unsern besten Poeten gehalten, und alles andre vor und neben sich verachtet hat. In andern, die noch erhabener schreiben, würde ich unzählige solche Stellen finden, die entweder noch unverständlicher seyn, oder doch gute Räthsel abgeben würden. Z.E. wenn Lohenstein die Sonne den Almosenmeister Gottes, den Menschen eine Mappe dieses großen Alles nennet, und hernach bald der göttlichen Vorsehung in die Speichen tritt, bald die Deichsel dem Vaterlande zukehret: so sind dieses lauter unverständliche Räthsel, welche man nicht errathen würde, wenn nicht theils ausdrücklich dabey stünde, was sie bedeuten sollten, theils aber der Zusammenhang solches zeigte. Siehe dessen Rede auf den Herrn von Hofmannswaldau und die Beurtheilung derselben in dem I. Bande der critischen Beyträge. Dieses alles zeiget, meines Erachtens, wie nöthig es sey, bey dem verblümten Ausdrucke seiner Gedanken vor allen Dingen auf die Deutlichkeit zu sehen, und sich ja nicht durch den Schein einer falschen Hoheit in das Phöbus oder Galimatias stürzen zu lassen. Einige Neuere haben uns in diese Wolken und Nebel wieder zu verhüllen gesucht, und dieses zwar unter dem Scheine einer größern Scharfsinnigkeit. Sie haben uns die gemeinsten Gedanken durch dunkle Ausdrückungen schwer zu verstehen gemacht: damit wir glauben sollten, sie hätten uns neuerfundne und vorhin unerhörte Dinge gesagt. Einfältige haben sich betrügen lassen, sind aber nicht besser angekommen als Ixion, der statt einer Göttinn eine Wolke umarmete. Ein Exempel aus Neidharden, macht die Sache deutlich. In einem Gedichte auf einen Grafen zu Waldburg, hebt er so an:


Weg, halbverfaulter Schall erblaßter Schafsgedärme,
Das auf der Folterbank des Griffbrets Zeter pfeift,
Verhaßter Trödelkram, was kreischt doch dein Geschwärme,
Wenn dein geschlängelt S den Speichel in sich säuft.
Was vor ein Aberwitz flößt deinen Sclaven ein
Daß Rachen, Faust und Kopf der Wollust zinsbar seyn,
Da unsre Christenheit in Sack und Asche winselt,
Was macht ein Lachen sich durch Heisers VIVAT breit,
Da Petrus ängstlich weint, und Christus Eli schreyt.
Ja was? entweiht man so, den Wald, die Burg die Glieder,
So kaum die Mattigkeit mit Lispeln eingewiegt?
Was regt die Schnattergans so Gurgel als Gefieder,
Wenn ein erlauchter Schwan, das Haupt zur Ruhe biegt?
Wer Hand und Rücken nur an Ofenkacheln reibet,
Und wem ein brauner Schluck die Kehle schlüpfrig macht,
Dem träumt nicht wie der Frost der schwarz beeisten Nacht.
An Haar und Kleidern mehr, als Fidelharz bekleibet.
Jedoch der Vorwitz spricht: was? ich will doch bestehn:
In fremden Schuhen kann man leicht spazieren gehn.


21. §. Nichts ist übrig, als daß ich versprochenermaßen noch zeige, was für Versetzungen der Wörter in unsrer Sprache, der Deutlichkeit unbeschadet, noch möglich sind; und was für eine Zierde die poetische Schreibart davon bekömmt. Man bildet sich insgemein ein, die guten Poeten folgten der ungebundnen Wortfügung aufs allergenaueste: allein ich habe bisweilen das Gegentheil bemerket und wahrgenommen, daß sie viele neue und oft recht verwegene Versetzungen machen; die zwar ungewöhnlich, aber doch nicht unrichtig klingen, und also überaus anmuthig zu lesen sind. Sonderlich habe ich diese Kühnheit an den Meistern in Oden wahrgenommen, darunter ich Opitzen, Dachen, Flemmingen, Tscherningen, Kaldenbachen, Franken, Amthorn und Günthern nennen kann. Die Exempel, die ich aus ihnen anführen will, werden sattsam zeigen, wie edel der poetische Ausdruck dadurch wird: weit gefehlt, daß er entweder unrichtig, oder doch dunkel werden sollte. Wenn Opitz sagen will: Grüne wohl, du starke Raute, dieses Gift der Zeiten, weiche deinen süssen Bitterkeiten, welche nichts bezwingen soll; so kehrt ers um, und singt im II. B. der P.W. viel munterer also:

Starke Raute, grüne wohl!
Deinen süssen Bitterkeiten,
Welche nichts bezwingen soll,
Weiche dieses Gift der Zeiten;
Dieses Gift, das gar zu viel
Herz und Haupt durchdringen will.


Bald darauf will er in einer andern Ode sagen: Wie Phöbus der Wolken blaue Tracht zu malen pflegt: so blinkt der Stern von Mitternacht mit güldnen Stralen. Allein er singt weit edler in einer andern Wortfügung:


So blinkt mit güldnen Stralen
Der Stern von Mitternacht;
Wie Phöbus pflegt zu malen
Der Wolken blaue Tracht.


22. §. Dach will in einer Ode, die ich in Kindermanns deutschem Poeten p. 222. finde, sagen: Mein Aufenthalt war sonst nirgends zu finden, als nur bey den hohen Linden, durch den grünen Wald. Ich liebte ohn Unterlaß eine Quelle, ein frisches Gras etc. allein er ordnet seine Worte weit lebhafter, wenn er so schreibt:

Sonsten war mein Aufenthalt
Nirgends nicht zu finden,
Als nur durch den grünen Wald,
Bey den hohen Linden.
Eine Quell, ein frisches Gras,
Liebte ich ohn Unterlaß:
Da ich denn gesungen,
Daß die Bäum erklungen.


Flemming will seiner Anemonen im Vten Buche der Oden sagen: Ach! dieß einige, war von allen meinen Plagen, noch übrig, daß ich das schwere Liebesjoch abgeschieden tragen muß; allein der Affect, darinn er steht, bringt eine ganz neue Wortfügung zuwege:

Ach! Einzig dieß war übrig noch,
Von allen meinen Plagen,
Daß ich das schwere Liebesjoch
Muß abgeschieden tragen.


Kaldenbach in seinem Klaggedichte auf Opitzen, will sagen: Die betrübte Galathee gieng an des süssen Neckars Rande, in tieferregtem Weh; als Coridon, durch einen grimmigen Riß, sie und ihre Felder in einsamwüstem Stande ließ. Aber das poetische Feuer hat ihn dieses folgendermaßen versetzen gelehret.


An des süßen Neckars Rande
Gieng, in tief erregtem Weh,
Die betrübte Galathee;
Als, in einsam wüstem Stande,
Corydon, durch grimmen Riß,
Sie und ihre Felder ließ.


23. §. Tscherning in einem Gedichte an Fabricius von Danzig, will Preußenland also anreden: Für das grimme Blut und Rauben, werden Pickelhauben, Helm und Harnisch, Spieß und Schwerdt, besser in den Ackerzeug verkehrt. Denn, weil wir mit dem Eisen kriegen, so muß das Feld öde liegen. Aber weit edler hat er die Worte so geordnet:

Besser werden Pickelhauben,
Helm und Harnisch, Spieß und Schwerdt,
Für das grimme Blut und Rauben,
In den Ackerzeug verkehrt:
Denn das Feld muß öde liegen,
Weil wir mit dem Eisen kriegen.


Johann Franke hätte in der Ode auf Hofmanns, Bürgermeisters zu Frankfurth, Hochzeit, in ungebundner Rede sagen müssen: Jene Grabschrift, die Paternus gestiftet, wird dort um Nemaus, wie ein Wunderwesen gelesen: daß die Parce in seiner Ehezeit, ohn allen Zank und Streit zwey und dreyßig Sonnen (Jahre) abgesponnen habe. Allein er kehret alles um, und doch ist es nicht unrecht; sondern recht lebhaft gerathen.


Als wie ein Wunderwesen,
Wird jene Grabeschrift
Um Nemaus dort gelesen,
Die der Patern gestift:
Daß zwey und dreyßig Sonnen
In seiner Ehezeit
Die Pare hab abgesponnen,
Ohn allen Zank und Streit.


Amthor, in der aus dem Rousseau übersetzten Ode auf die Weltbezwinger, hätte die Helden so anreden müssen: Ihr stolzen Krieger, laßt einmal sehen, worauf sich eure Tugend stützt, und wo euch dann das Herz im Leibe sitzt, wenn sich das Glück verdrehen will. Allein er hat es weit edler so gesetzt.

Laßt einmal, stolze Krieger, sehen,
Worauf sich eure Tugend stützt?
Wo, wenn das Glück sich will verdrehen,
Euch dann das Herz im Leibe sitzt?


24. §. Ich könnte auch aus unsern übrigen Poeten noch unzählige Stellen anführen; dieses zu behaupten: wenn die bereits erwähnten nicht schon zulänglich wären. Ich will aber lieber noch eine Anmerkung machen, und den Grund dieser aus erlaubten Versetzungen entspringenden Schönheit entdecken. Einmal ist es gewiß, daß auch unsre Prose sehr vielerley Versetzungen leidet, davon aber eine immer besser klinget, als die andere. Z.E. des Herrn von Canitz Trauerrede auf die brandenburgische Prinzeßinn Henriette, hebt so an: »Fürsten sterben zwar eben so, wie andere Menschen. Doch haben sie zu solcher Zeit vor andern ein großes voraus.« Diesen Satz hätte man, unserer Mundart unbeschadet, auch so vortragen können: Zwar sterben die Fürsten eben so, wie andere Menschen: doch haben sie vor andern zu solcher Zeit ein großes voraus. Imgleichen in dem nächstfolgenden Satze: »Was ihr Tod nach sich zieht, giebt nicht nur eine Veränderung in einem Hause oder Geschlechte, sondern auch zugleich in unzählich vielen Seelen.« Hier hätte das Wort, eine Veränderung, noch an zwo verschiedene Stellen gesetzt werden können, nämlich nach Geschlechte, und ganz am Ende. In andern Stellen dieser Rede würden sich noch mehrere erlaubte Versetzungen vornehmen lassen.
25. §. Fragt man nun ferner, welche Ordnung der andern in zweifelhaften Fällen vorzuziehen ist? so sage ich erstlich: die, welche am besten klinget. Das Urtheil der Ohren entscheidet die Schwierigkeit am besten: denn auf das Gehör des Scribenten kömmt es hauptsächlich an, wenn die Schreibart des einen wohlfließend und harmonisch ist; des andern Ausdruck aber rauh und widerwärtig lautet. Es ist aber, außer dem Wohlklingen, zweytens auf den Affect zu sehen. Das Feuer der Gemüthsbewegungen erlaubt uns nicht allezeit auf die gewöhnliche Ordnung der Wörter zu sinnen: es bricht heraus, und fängt oft den Satz in der Mitten an. Z.E. Ein ruhiges Gemüthe wird sprechen: alle dein Bitten ist umsonst, ich werde es nimmermehr leiden. Du sollst den Tag nicht erleben etc. Allein einen Zornigen wird die Heftigkeit seiner Leidenschaft so sagen lehren: Umsonst ist alle dein Bitten! Nimmermehr werde ichs leiden! Den Tag sollst du nicht erleben! Dergleichen Versetzungen machen eine Rede sehr feurig und lebhaft: und weil dieß in allen Affecten zu geschehen pflegt, die Poeten aber oft selbst darinnen stehen, oft andre Personen, die aufgebracht gewesen, redend einführen, oder ihnen nachahmen; so ist es kein Wunder, daß sie dergleichen nachdrückliche Versetzungen mit gutem Bedachte anzubringen suchen.
26. §. Oft will man den Nachdruck eines Wortes, durch den Ton der Aussprache anzeigen, der sich aber an einer Stelle nicht so gut, als an der andern hören läßt: daher versetzt man dasselbe an einen Ort, wo es sonst nicht hingehöret. Z.E. wenn ich schriebe:

Ich will dir zu Liebe sterben.


So würde es lange so kräftig und nachdrücklich nicht klingen, als wenn ich sagte:


Dir zu Liebe will ich sterben.


Dahin gehört Günthers Stelle aus dem bekannten Liede: Will ich dich doch gerne meiden etc.


In den Wäldern will ich irren,
Vor den Menschen will ich fliehn.


Hier hätte ja der Poet natürlicher Weise sagen können:

Ich will in den Wäldern irren,
Ich will vor den Menschen fliehn.


Flemming ist auch in dergleichen Versetzungen glücklich gewesen. Z.E. auf der 420sten S. schreibt er:

Achtmal hat nun, als ich zähle,
Phöbe volle Hörner kriegt.


Denn von Rechtswegen hätte es heißen sollen:

Phöbe hat nun, als ich zähle,
Achtmal volle Hörner kriegt.


Aber, wer sieht nicht, daß er dadurch den Nachdruck seiner Worte geschwächet, und die Schönheit des Verses nur verderbet haben würde?
27. §. Endlich dienet die Versetzung zuweilen, den Leser eines Gedichtes recht aufmerksam zu machen, weil man von den Nebenumständen den Anfang macht, und den Hauptsatz allererst nachfolgen läßt. Z.E. fängt Besser seine Ruhestatt der Liebe so an:

In diesen brennenden und schwülen Sommertagen
Ließ Chloris sich einmal in ihren Garten tragen.


Hier hebt er von der Zeit an, da er doch von der Person hätte den Anfang machen können. So sagt auch Canitz:

In meinem Schülerstand, auf den bestaubten Bänken
Hub sich die Kurzweil an.


Da hätte er ja von der Kurzweil anfangen können: allein diese Versetzung setzt den Leser in Aufmerksamkeit, und macht ihn begierig zu wissen, was denn in dem Schülerstande geschehen seyn werde? Imgleichen schreibt Flemming auf den Namenstag einer Jungfer dergestalt:

Daß der Lenz die Welt umarmet,
Daß der Erden Schooß erwarmet,
Daß die Nächte werden klein,
Daß der Wind gelinder wehet,
Daß der lockre Schnee vergehet,
Das macht euer Sonnenschein.


Wo man augenscheinlich sieht, daß der natürliche Anfang hätte heißen müssen: Euer Sonnenschein macht, daß der Lenz etc. Eben so hätte Rachel folgende Zeilen

Zu einem sammtnen Rock die groben Leinwandhosen,
Wer hätt' es sonst erdacht, als Narren und Franzosen?


natürlicher Weise ganz umgekehrt ordnen müssen: wenn er sie nicht dergestalt viel nachdrücklicher befunden hätte. Ueberhaupt könnte man die Worte Horatii hieher ziehen, wiewohl er sie in anderer Absicht geschrieben:

IN MEDIAS RES,
NON SECUS AC NOTAS, AUDITOREM RAPIT.


28. §. Doch verlange ich mit dem allen der unverschämten Frechheit der Sprachverderber keineswegs Thür und Thor zu öffnen, die ohne Verstand und Nachsinnen das unterste zu oberst kehren, und doch für gute Poeten angesehen seyn wollen. Die Versetzungen sind nicht aus Noth erlaubt, um das Sylbenmaaß vollzustopfen; denn dieß gehört für die elendesten Stümper: sondern nur alsdann steht es frey, sich derselben zu bedienen, wenn ein besonderer Nachdruck, oder eine neue Schönheit des Ausdruckes daraus entsteht. Wer dieses nicht in Acht nimmt, und ohne Scheu, wider die Natur unsrer Mundart, alle Regeln der Sprachkunst aus den Augen setzt, der verdient, ein Pohl oder Wende genennt zu werden, der nicht einmal Deutsch kann, geschweige, daß er ein Poet zu heißen verdienen sollte. Denn das werden lauter Soloecisimi und ἀκυρολογίαι, die kein Kenner seiner Muttersprache ertragen kann: wenn gleich manche Neulinge den Mangel ihres Geistes und Witzes, den sie bey der ordentlichen Wortfügung nicht zeigen können, nur durch die Verhunzung der deutschen Sprache zu verbergen suchen. Wallisius sagt dieses zwar seinen englischen Poeten nach, daß sie die Grammatik sehr aus den Augen setzten: und ein gebohrner gelehrter Engländer, hat mir solches insonderheit vom Milton bekräftiget; dessen vornehmste Schönheiten in grammatischen Schnitzern bestünden. Bey uns hergegen, wird keine solche Frechheit gelten, die nicht auch in ungebundner Rede, im Affecte, zu dulden ist. Eben so seltsam würde es seyn, wenn man die Wortfügung fremder Sprachen in der unsrigen anbringen wollte; welches vielen, die mehr Französisch als Deutsch können, sehr leicht zu entfahren pflegt. Z.E. wenn ich schreibe: Die Augen über das Feld ausspazieren lassen; oder: Einem Frauenzimmer den Hof machen, weil die Franzosen sprechen: PROMENER SES YEUX SUR LES CHAMPS, und FAIRE SA COUR À UNE DAME. Das sind lauter handgreifliche BARBARISMI in unsrer Mundart, die kein Mensch versteht, der nicht französisch kann: wohin denn auch die Mittelwörter gehören, die auch von einigen geschwornen Participianern, sehr unverschämt gebraucht werden. Schlüßlich, ein Poet muß überall die Regel des Boileau beobachten:


SUR TOUT, QU'EN VOS ECRITS LA LANGUE REVERÉE,
DANS VOS PLUS GRANDS EXCÉS, VOUS SOIT TOUJOURS SACRÉE.
EN VAIN VOUS ME FRAPPEZ D'UN SON MELODIEUX;
SI LE TERME EST IMPROPRE, OU LE TOUR VICIEUX,
MON ESPRIT N'ADMET POINT UN POMPEUX BARBARISME,
NI D'UN VERS EMPOULE L'ORGUEILLEUX SOLECISME,
SANS LA LANGUE, EN UN MOT, L'AUTEUR LE PLUS DIVTN
EST TOUJOURS, QUOIQU'IL FASSE, UN MÉCHANT ECRIVAIN.


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