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Fredrik Parelius: Zwei Gedichte

Montags=Text

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Foto: Linn Heidi Stokkedal
Fredrik Parelius
Zwei Gedichte

aus dem Norwegischen von Klaus Anders


Alsøyland   

Alsøyland! Kitzelt es, wenn
die Sitkafichte deinen
schwarzen Erdmuskel knetet?
Die Landzunge,
an den Rändern gefüttert
mit Beeten von Tang
sonnverwittert, spröd auf den Steinen,
Weichgeweb drunter.

Alles umgreifen die Wurzelfinger:
Muscheln und Knochenspitzen,
sie zerbrechen in weiße
Splitter und Kelche,
wo der Menhir ruht,
runenrissig, zerschossen, abgewälzt
in die Straßenfüllung,
den Vergessensschlund.

Und dein Rückgrat?
Der Kiel im Schiffsgrab
geschwollen und gespantet,
halbdürr unter dem Fichtendeck,
doch hält. Uns jetzt,
das Junge sanft.

Auch wenn jene
es teilten und brachen alte
Wundflächen auf.

Dann, wenn die Wegschnecke über
deine Fühlhaare streicht
mit Ebbegeruch
und Flut kommt
und Wind geht
durch Grünsilber am Abend,
erwarten wir Regen
             und nähren dich, Halbland, umspültes,
             nähren deinen Inseltraum.


Alsøy ist eine Landzunge der Insel Tomma, Kommune Nesna, Nordland, Norwegen



Emil Parelius (geb. 1933)                    

Ich seh dich, kämmst Garn, schaffst mit Holz,
haspelst Schnur, spleißt ein Tau, nimmst aus, schraubst,
packst die Dinge fest an.
Ich sehe Knochenkonturen, Blutgefäßfurchen,
Schatten, die in Fingerwinkeln landen,
wie üblich die Beine überkreuz.
Wem ist die Aussicht, die deine war,
die du hegtest wie einen Garten?

Hoch in der Ebbe ist der Tang dürr,
schwärzer als heilige Erde,
und der Fjord vor uns tänzelt so bodenlos, bandlos,
missvergnügt blau mehr als grün im Graulicht der Wolken
– spielt in den Augen, die schauen.
Der Blick ruht auf Inselchen, heidgrünen Fixsternen.

Dann sehe ich es:
die Hände umrunden den Mund und
der Kehlkopf strafft sich, du wirst zum Vogel.
         En Eideraant.
             Akk, kakk, akk – ooo – ooo.
Kurze Lautkaskaden, ausgestoßen.
         Die Finger rollen Rauch und entspannen,
winkeln sich erneut zum Griff. Warten, und die Antwort:
Woge ist Unruh. Werde Vogel.


Fredrik Parelius, geb. 1991, wuchs auf in Mosjøen, Nordland, Norwegen. Lebt seit 2010 in Bergen. Studierte nordische Literatur an der Universität Bergen. Als Lyriker debutierte er mit dem Band Salz / Land im April 2026.

Der Übersetzer dankt dem Autor und dem Gyldendal Verlag für die freundliche Genehmi-gung.

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