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Franz Fühmann: Aber kein Kerker

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Franz Fühmann

Aber kein Kerker


Aber kein Kerker ist härter
als der in die Seele gesenkt,
was sind Schlösser und Schwerter,
wenn der Geist ein Bild nicht mehr denkt,
sich versagt ihm, versargt es für immer
in des Hirns versiegeltes Fort,
keine Schauer, keine Schimmer
kommen je wieder von dort.

Freilich: Auch alle die Blitze
und Blicke, die uns entzückt,
die blanke, blendende Spitze
des Witzes: sie sind entrückt
mit den Plänen und Plagen, den bösen,
zusammen geht es ins Grab,
da ist nichts herauszulösen,
alles muß hinab,

das Ganze zugemauert,
daß nichts mehr deutbar sei,
kein Trost, keine Trauer, die dauert,
alles ist vorbei,
eine Grabeszelle
in der Seele, nicht Schmerz, nicht Lust,
eine tote Stelle,
mir schon unbewußt,

schon Legende, Lüge,
daß dies wäre geschehn.
Keine vertrauten Züge,
nichts mehr zu verstehn.
Verschlossen ein Bild für immer
im härtesten, festesten Fort,
keine Schauer, keine Schimmer
kommen je wieder von dort.


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