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Frank Milautzcki: All diese Papiere

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Stefan Heuer

Frank Milautzcki: All diese Papiere. Collagen. Berlin (etcetera press) 2024. 110 Seiten. 12,00 Euro. ISBN 978-3-949792-17-5

Vom Suchen und vom Finden und vom Spekulieren auf Reste –
Frank Milautzcki und das kleine Format


Es ist eine Schande, was so alles seinen Weg in meine Sinne findet und notgedrungen wahrgenommen, zum eigenen Ärger sogar abgespeichert wird. Die Gäste bei Heidi Klums Oktoberfest, die zornigen Kommentare von Stefan Mross zur Absetzung seiner Sendung Immer wieder sonntags, die selbst in konservativen Printmedien in ganzseitigen Interviews behandelte Frage, ob die Nachfolgerin der ausgeschiedenen Rosenheim Cops-Sekretärin Miriam Stockl deren Signet-Satz (Es gabat a Leich!) bringen darf, muss oder sollte.

Leider bleibt es nicht aus, dass sich im Gegenzug wichtige und interessante Dinge unter meinem Radar bewegen und im Informationswust verschüttgehen. So sah ich vor kurzem einen facebook-Post, in dem der von mir außerordentlich geschätzte, in Klingenberg am Main lebende Essayist, Herausgeber, Lyriker (letzte Gedichtbände: "verzargen" und "dokument_31", dieser gemeinsam mit Armin Steigenberger, beide gutleut Verlag) und Bildende Künstler Frank Milautzcki zwei weitere schmale Collagen seiner seit einiger Zeit fortlaufenden Hochkant-Serie präsentierte. Zwei besonders schöne Exemplare, wie ich fand, die in mir augenblicklich die Frage aufwarfen, warum es bislang eigentlich noch keinen Einzelband mit seinen Collagen gibt.
      Dass das Quatsch ist und durchaus ein solcher Band existiert, wurde mir erst bewusst, nachdem ich das Internet bemüht hatte. Bereits 2024 ist in der in Berlin ansässigen und von Erec Schumacher verantworteten etcetera press der Band "All diese Papiere" erschienen – den ich hier kurz vorstellen möchte, da er bestimmt vielen von Collagen begeisterten Zeitgenossen durchgerutscht sein dürfte.
Schumacher gründete 2020 die etcetera press berlin und veröffentlichte dort seitdem, neben einem abwechslungs-reichen Programm anderer Autor:innen, eine Chapbookreihe mit eigener konzeptioneller Lyrik. 2021 wurde er auf die Arbeiten von Milautzcki aufmerksam, nahm den Kontakt auf und schlug etwas später vor, einen Collagenband in der etcetera press zu machen.

Im Frühjahr 2024 traf Schumacher dann aus über 200 zwischen Oktober 2023 und März 2024 entstandenen kleinen Querformaten die Auswahl und legte auch den Titel und die Reihenfolge für das Buch fest – und er hat saubere Arbeit geleistet. Selbst als Collagist tätig und mit gutem Auge ausgestattet, gelang ihm eine Anordnung, in der die sich gegenüberstehenden Collagen oftmals Kontakt miteinander aufnehmen, miteinander kommunizieren – sei es in ihrer Farbigkeit, in ihrer Formensprache und/oder beim Sujet.

"All diese Papiere" enthält 99 Abbildungen analoger Papiercollagen, traditionell mit Papier und Kleber gefertigt und ohne anschließendes digitales Finish. Man sieht jede Kante, jede Überlappung, erlebt den Collagisten Milautzcki als "Reißer", der sein Material auffallend häufig mit der Hand statt der Schere in die gewünschte Form bringt, was diesen Collagen einen besonders dynamischen Anstrich verleiht. Viele davon sind ungegenständlich, funktionieren durch Farbe oder miteinander spielende Formen, arbeiten mit Typografie oder Handschriften – andere wiederum sind durchaus figurativ angelegt. Was sie alle gemein haben: Sie sind betitelt und im Band in einer Größe von 8,5 x 12,2 cm abgebildet, während sie im Original tatsächlich noch etwas kleiner sind, nämlich nur 6,2 x 8,8 cm.
Frank Milautzcki: totenwache & zahlenspiele
Ein ebenso fachkundiger wie persönlicher 9-seitiger Essay von Frank Milautzcki beschließt das Buch. Neben einer schönen Schilderung seiner künstlerischen Herangehensweise findet sich dort zum Ende hin auch eine Passage, die das auffallend kleine Format der vorgelegten Collagen erklärt: In den hier versammelten Collagen finden sich als Basis Abschnitte im Format B8, die vor mehr als 15 Jahren beim Beschneiden von Großbögen als Reste anfielen. Damals klaubte ich mir unerlaubterweise am Wochenende aus dem Abfallcontainer einer Druckerei große Andruckbögen, übermalte sie zuhause und schnitt Unikat-Postkarten daraus für den Cardmaker (Assembling mit serieller Originalkunst in A5). Das Vorlagenformat sorgte dafür, dass bei Wegnahme eines x-fachen von A6 noch ein Streifen in Breite des B8 (Format Spielkarte) übrigblieb. Die dort auffindbaren Texturen schienen mir zu interessant, als dass ich sie hätte wegwerfen können. Also lagerte ich sie ein und fand sie 2023 beim Aufräumen wieder, um darauf mithilfe der Abfälle auf dem Werkstatttisch eine Serie Minicollagen zu erarbeiten.

Fazit: "All diese Papiere" ist feinster Augenschmaus im quadratischen Format zum immer wieder Anschauen!

P.S.   Fast vergessen, eine gute Nachricht für alle Fans der Rosenheim Cops: Der ebenfalls seit der ersten Folge mitwirkende Max Müller alias Polizeihauptmeister Michael "Michi" Mohr wird in der kommenden Staffel dabei sein.


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