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Edna St. Vincent Millay: The Ballad of the Harp-Weaver

Werkstatt/Reihen

Edna St. Vincent Millay

The Ballad of the Harp-Weaver


“SON,” said my mother,

When I was knee-high,

“You’ve need of clothes to cover you,

And not a rag have I.


“There’s nothing in the house

To make a boy breeches,

Nor shears to cut a cloth with,

Nor thread to take stitches.


“There’s nothing in the house

But a loaf-end of rye,

And a harp with a woman’s head

Nobody will buy,”
And she began to cry.


That was in the early fall.

When came the late fall,

“Son,” she said, “the sight of you

Makes your mother’s blood crawl,—


“Little skinny shoulder-blades

Sticking through your clothes!

And where you’ll get a jacket from

God above knows.


“It’s lucky for me, lad,

Your daddy’s in the ground,

And can’t see the way I let

His son go around!”
And she made a queer sound.


That was in the late fall.

When the winter came,

I’d not a pair of breeches

Nor a shirt to my name.


I couldn’t go to school,

Or out of doors to play.

And all the other little boys

Passed our way.


“Son,” said my mother,

”Come, climb into my lap,

And I’ll chafe your little bones

While you take a nap.”


And, oh, but we were silly

For half an hour or more,

Me with my long legs

Dragging on the floor,


A-rock-rock-rocking

To a mother-goose rhyme!

Oh, but we were happy

For half an hour’s time!


But there was I, a great boy,

And what would folks say

To hear my mother singing me

To sleep all day,
In such a daft way?


Men say the winter

Was bad that year;

Fuel was scarce,

And food was dear.


A wind with a wolf’s head

Howled about our door,

And we burned up the chairs

And sat upon the floor.


All that was left us

Was a chair we couldn’t break,

And the harp with a woman’s head

Nobody would take,
for song or pity’s sake.


The night before Christmas

I cried with the cold,

I cried myself to sleep

Like a two-year-old.


And in the deep night

I felt my mother rise,

And stare down upon me

With love in her eyes.


I saw my mother sitting

On the one good chair,

A light falling on her

From I couldn’t tell where,


Looking nineteen,

And not a day older,

And the harp with a woman’s head

Leaned against her shoulder.


Her thin fingers, moving

In the thin, tall strings,

Were weav-weav-weaving

Wonderful things.


Many bright threads,

From where I couldn’t see,

Were running through the harp-strings

Rapidly,


And gold threads whistling

through my mother’s hand.

I saw the web grow,

and the pattern expand.


She wove a child’s jacket,

And when it was done

She laid it on the floor

And wove another one.


She wove a red cloak

So regal to see,

“She’s made it for a king’s son.”

I said, “and not for me.”
But I knew it was for me.


She wove a pair of breeches

Quicker than that!

She wove a pair of boots

And a little cocked hat.


She wove a pair of mittens,

She wove a little blouse,

She wove all night

In the still, cold house.


She sang as she worked,

And the harp-strings spoke;

Her voice never faltered,

And the thread never broke.
And when I awoke,—


There sat my mother

With the harp against her shoulder,

Looking nineteen,

And not a day older,


A smile about her lips,

And a light about her head,

And her hands in the harp-strings

Frozen dead.


And piled up beside her

And toppling to the skies,

Were the clothes of a king’s son,

Just my size.


(1922)












„SOHN,“ sagte meine Mutter,

ich ging ihr bis zum Knie,

“du brauchtest etwas anzuziehn;

ich weiß nicht was noch wie.


Ich hab ja nichts im Hause:

Garn, Schere? keins von beiden

noch Tuch, um einem Jungen

Hosen zuzuschneiden.


Ich hab ja nichts im Hause:

nen Kanten Brot, nen kleinen,

und eine Harfe mit Frauenhaupt,

Käufer kenn ich keinen.“
Und sie fing an zu weinen.


Da fiel schon das erste Blatt.

Beim letzten sagte sie:

„Sohn, dein Anblick lähmt das Blut

deiner Mutter—seh ich, wie


deine kleinen Schulterblätter

mager vorstehn, tuts mir weh;

und wo du ein Jäckchen herkriegst,

weiß Gott in der Höh.


Dein Vater liegt zum Glück

tief in der Erde schon

und kann nicht sehen, wie ich dich

herumgehn lasse, seinen Sohn!“
Und seltsam war ihr Ton.


Da fielen die letzten Blätter.

Winter kam, war da,

ich hatte nicht ein Paar Hosen,

noch Hemd zueigen, ah,


konnt nicht zur Schule oder

zum Spielen vor die Tür.

Und all die kleinen Jungen

gingen vorbei an mir.


„Komm,“ sagte meine Mutter,

„auf meinen Schoß, ich will

deine kleinen Glieder wärmen;

schlaf und halte still.“


Und oh, wir waren närrisch

ein halbes Stündchen vielleicht,

ich, der mit langen Beinen

bis auf den Boden reicht,


gewie-wie-wiegt

zum Mutter-Gans-Gesang!

Doch oh, wir waren glücklich

ein halbes Stündchen lang!


Da war ich, ein großer Junge;

was sagten die Leute? Ich lag

im Schoß meiner Mutter, sie sang mich

in Schlaf den ganzen Tag.
Versteh es wer mag!


Der Winter war hart,

so heißt es heuer;

Brennholz war knapp,

und Essen teuer.


Ein Wind, ein hungriger Wolf,

umheulte unsere Tür,

und wir verbrannten die Stühle;

am Boden saßen wir.


Ein Stuhl, der nicht zerbrach,

war alles, was blieb von den Dingen,

und die Harfe mit Frauenhaupt,

an der sie vorübergingen;
niemand wollt singen.


Vor Weihnachten, da war

mir bitter, bitter kalt,

ich weinte mich in den Schlaf,

als wär ich zwei Jahre alt.


Um Mitternacht, da schien

meine Mutter aufzustehn

und, Liebe in ihren Augen,

auf mich herabzusehn.


Ich sah sie sitzen auf dem Stuhl,

der heil war, eben der,

und sah ein Licht, das auf sie fiel,

doch wußt ich nicht woher,


sah aus wie neunzehn, nicht älter,

nicht einen Tag,

und die Harfe mit Frauenhaupt

an ihrer Schulter lag.


Ihre feinen Finger erregten

die feingespannten Saiten

und webten wunder was

für Herrlichkeiten.


Lauter leuchtende Fäden,

ich konnt nicht sehn, woher,

durchsausten die Harfensaiten,

immer mehr,


und goldene Fäden pfiffen

durch meiner Mutter Hand.

Ich sah, wie das Gewebe

kein Ende fand.


Sie wob ein Kinderjäckchen,

und als sie es getan,

legte sie’s zu Boden

und fing ein andres an.


Sie wob einen roten Mantel,

so fein; da sagte ich:

„Der ist für eines Königs Sohn

gemacht und nicht für mich.“
Und doch war er für mich.


Sie wob ein Paar Kniehosen,

als wär es nichts! Nun gut,

sie wob mir ein Paar Stiefel

und einen Federhut.


Sie wob ein Paar Handschuhe,

eine Bluse aus warmen Flaus,

sie wob die ganze Nacht

im stillen kalten Haus.


Sie sang, und die Harfensaiten

sprachen es ihr nach;

nie zitterte ihre Stimme,

und nie der Faden brach.
Und da wurde ich wach––


da saß meine Mutter, die Harfe

an ihrer Schulter lag,

sah aus wie neunzehn, nicht älter,

nicht einen Tag,


ein Lächeln um ihre Lippen,

ihr Haupt von Licht umloht,

ihre Hände auf Harfensaiten

erfroren, tot.


Und neben ihr hoch aufgetürmt

bis an die Himmelstür

eines Königs Sohnes Gewänder,

sie paßten mir.


(© Günter Plessow, 2015)







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