Direkt zum Seiteninhalt

Claus Zittel: Romansymphonik

Rezensionen/Lesetipp > Rezensionen, Besprechungen


Jan Kuhlbrodt

Claus Zittel: Romansymphonik. Adornos >Theorie des Romans<. Heidelberg (Universitäts-verlag Winter) 2026. 217 Seiten. 28,00 Euro.

Romansymphonik oder vom Vorhandensein des Fehlenden


Dieses Buch versetzt mich einerseits zurück in die Zeit meines Studiums in Frankfurt am Main Anfang der Neunziger, wo ich auch dem Autor begegnete, andererseits verweist es auf eine Unabgeschlossenheit in doppelten Sinn. Einerseits wird es kein Ende der und damit meiner Beschäftigung mit dem Werk Adornos geben, aber eben auch kein Ende der Theorie überhaupt.

Claus Zittel legt im Heidelberger Universitätsverlag Winter ein Buch mit dem zunächst irritierenden Titel Romansymphonik vor. Im Untertitel heißt es Adornos „Theorie des Romans“.
Nun hat Adorno im Gegensatz zu Lukacs nie eine geschlossene Theorie des Romans veröffentlicht, und er hat damit zumindest für einen Teil der akademischen Welt eine gewisse Lücke hinterlassen. So hebt Zittel auch das Präludium zu seiner Studie mit folgendem Satz an: „Im Jahr 1964 bekannte Peter Szondi gegenüber Adorno, nicht die Hoffnung aufgeben zu wollen, dass dessen ‚Buch über Mahler ein literarisches Pendent erhält…‘“

Dieses erhoffte Werk Adornos allerdings blieb aus. Zittels These ist nun, dass sich das fehlende Buch innerhalb anderer Studien, allen voran dem genannten Buch über Mahler, verbirgt – und er macht sich an eine fast detektivische Arbeit des Entbergens, auf einen Gang durch Adornos Schriften, vor allem durch die musikalischen. Es macht mir, dem von akademischen Pflichten Enthobenen, Spaß, Zittel zu folgen – und es ergeben sich für mich dabei ganz neue Perspektiven auf Adornos Denken, aber auch auf eigene Gedanken.
Zum Beispiel benutze ich gern und häutig den Begriff des Kaleidoskopischen, um (m)ein ästhetisches Verfahren zu beschreiben. Bei Adorno hatte ich diesen Begriff bislang überlesen.

Zittel führt ihn neben anderen im zentralen Kapitel seines Buches aus.
Zurück zum Seiteninhalt