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Bernd Lüttgerding, Kristian E. Kühn: Wirst du sein wie damals, zwölf

Montags=Text

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Foto: Oliver Stoll
Foto: Fotostudio Gezett
Münchner Kooperationen 2025
Bernd Lüttgerding, Kristian E. Kühn

[Wirst du sein wie damals, zwölf]


Die Lichter betonen das Dunkel
Von den Wänden wieder hallt
im Leerlauf die Maschine und Gott
verwirft den Menschenbeweis.

Doch da – ein Sandkorn im Auge,
der Spinne gleich, wandert zum Puls,
der schwankt und Echos wirkt.
Vergessen, was die Wand verheißt,

vergessen, dass sie bloß gemacht
und in den Raum gesetzt ist. Stört
sie nicht? Was heißt schon Wand?
Siehst du die Schatten nicht auf ihr,

die spastisch gekrümmten, wie
von Flammen geworfen?
Spiegelungen nur, am Weg
das Unsichtbare zu erkunden.

Der Dritte, heißt es, ohne Worte er,
„der immer dir zur Seite ist“.
Welchen Knopf, ihn zu drücken?
Welchen Stecker, ihn zu ziehen?

Im Netz ein Barden- & Kojote-Heulen,
zu übertönen das Hinaus, Hinein,
Sandkorn wie Spinne, Lamm wie Tiger
Im All zu erfahren, dass wir sind,

dass, wo die Wand sich erhebt,
die flammenbespielte, meine
tastende Hand einen Tunnel spürt,
der glühend lodert in einzigartiger

Krümmung. Wo Wand gewähnt gewesen,
ist Nichts. Und nichts ist zu Ende.
Ich werde entkommen, getragen schon,
als sei da ein Wind, mich entfernen,

hinauf und fort von hier. Ich werde leben,
sofern, was mir ein Tunnel scheint,
nicht ein Kanonenrohr ist, durch das
mir Gott die Erde ins Gesicht schießt.

Wenn er das tut, wirst du dich an nichts
Erinnern, wirst du sein wie damals, zwölf.


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