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Barbara Felicitas Tax: Gegenlicht

Rezensionen/Verlage


Jan Kuhlbrodt

Barbara Felicitas Tax: Gegenlicht. Gedichte. Dortmund (edition offenes feld, Band 57) 2021. 72 S. 15,50 Euro.

Zu den Gedichten von Barbara Felicitas Tax


In der edition offenes feld erscheinen immer wieder Bücher, die mich überraschen und über die ich mich riesig freue. Jürgen Brôcan, der Herausgeber, scheint angetreten, um schmerzhafte Lücken zu füllen; denn es gibt Gedichtbände, auf die man unterschwellig immer gewartet hat, weil man eine Hand voll Arbeiten der Autorin schon kennt, und weil einen die wenigen Texte von ihr, die man gelesen hat, von Anfang an überzeugten.
    Bei „Gegenlicht“ von Barbara Felicitas Tax handelt es sich um so ein Buch. Vor einigen Jahren, mittlerweile sind es schon über zehn, war ich Redakteur der Literaturzeitschrift Edit, und wir hatten einige Texte von Tax auf dem Tisch liegen, die wir nach sehr kurzer Diskussion in die Zeitschrift aufnahmen. Wir waren begeistert. Zwei Texte davon sind auch in diesem vorliegenden Band enthalten. Zum Beispiel dieser:

Versteck

Fluch am Haff.
Omen der Hubbrücke.
Angler fischen festgezurrt im Schilf
Blut altert
in Peenemünde.              

Die Lakonie dieses Textes reißt einen weiten Bedeutungsraum auf. Er wirkt wie ein Brennglas, und das trifft auf die Texte überhaupt zu. Und diese Gläser liegen auf Karte und Welt gleichermaßen und verwirbeln so den Augenblick mit der Geschichte. Landschaft als Schauplatz und Denkmal.

In der Zeit, in der kein Gedichtband der Autorin kam, erschienen jedoch Übersetzungen. Zum Beispiel war sie betei-ligt an einer Keith Waldrop-Ausgabe und hat mit Norbert Lange den so großartigen wie erschütternden Band „Khurbn“ von Jerome Rothenberg übersetzt.

Das Werk der Autorin Barbara Felicitas Tax scheint langsam zu wachsen, sehr langsam, was der Eindrücklichkeit der einzelnen Texte nicht schadet. Dabei stehen sie nicht solitär, sondern es ist ihnen doch die gemeinsame Herkunft anzu-merken. Wenn gleich sie sich kristallin zeigen, und vielleicht ist das auch der Grund für das langsame Wachstum des Konvolutes. Kristalle eben. Alles, was ihnen nicht angehört, ist weggewaschen, das braucht seine Zeit.

Es handelt sich um kurze Texte. Meist einstrophig. Die Sujets variieren. Elementares und Land-schaft, manchmal ein biblischer Bezug oder ein Bezug auf vorgängige Dichtung, zum Beispiel auf Mandelstam. Aber immer präzise gesetzt:

Esau

Trag den Sand in deinen Händen
Leg dein Glück auf Stielen aus.
Heb die Blätter in den Wind.
Geh auf Reisen, denn du bist ohne Land.

Einer der wenigen mehrstrophischen Texte heißt dann auch „Obsession“ und ist, wenn gleich mehrere Strophen umfassend, dennoch sehr kurz. Er endet mit den Versen:

Klettere auf einen Strohhaufen
und lasse alle deine Hoffnungen sinken.

Dieser Text war in einer englischen Version auch in der Edit abgedruckt. Und er ist trotz des letzten Verses ein Aufruf des Widerständigen in einer paradox strukturierten Welt.
      Klasse, dass er jetzt endlich da ist, dieser Band.


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