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Armin Steigenberger: gedichte im präsens

Zeitzünder
Foto: Frank Milautzcki
Armin Steigenberger


gedichte im präsens                                                                                         

1
was für eine welt erlebt man als leser?

welt wirkt verlassen, leer, nur die geister
regieren noch, reminiszenzen aus früherer zeit,
blüte und horrorjahre durchzucken die szenerie.

zombiehaft tauchen gesichter auf, auf
geht’s noch zum fadenknüpfen, die roten
linien, man ist treu, nur die züge fahren leer

gewerkschaftlich organisierte nadeln und fäden im wald
hier wie dort durchgrünt dich ein
vollständiges solo. laubgitarre, wüst


2
liegt erster schnee, der wind treibt die flocken
durch die ritzen, weiß das gerippe des gullys

stern für stern verluscht ein glitzern
in deinem auge, alexa, hol mir noch’n paar trauben

aus den wilden reben dort, grause gewitter fauchen auf, auf
geben ein konsequentes bild, zwiegestaltig erklimmen
längere schatten allmählich die gipsfahle wand

nachtspeise: blitze räkeln sich, stanniol funkelt,
erneutes regiment irgendwelcher götter
die für millisekunden gelebt haben und ewig

die fugenlose geschichte erzählen vom unbekannten
friedhof der himmelsfürsten. dort wo form
ihren inhalt stetig abstreitet, hirschig.

was für eine welt wird in deinen gesichten erkannt?


[München, 2018]
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