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Aristoxenos: Elemente der Rhythmik

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Jan Kuhlbrodt

Aristoxenos: Elemente der Rhythmik. Theorie der musikalischen Zeit. Altgriechisch/deutsch. Übersetzt von Wolfgang Detel. Hamburg (Felix Meiner Verlag) 2021. 186 Seiten. 32,00 Euro.


„Denn so wie der Körper viele Arten von Gestalten annimmt, wenn seine Teile unterschiedlich angeordnet sind – entweder alle Teile oder einige von ihnen – , so nimmt auch von den rhythmisierten Dingen, ein jedes viele Formen an, nicht gemäß seiner natürlichen Art, sondern gemäß der des Rhythmus.“

Der Rhythmus, und hier ist von musikalischem Rhythmus die Rede, nicht von einem anscheinend rhythmischen Bewegtsein in der Natur, verändert also, schafft einen artifiziellen Raum. Das rhythmische Bewegtsein findet in einer musikalischen Situation statt. Bringt diese hervor. Und damit auch eine eigene Zeit.

Vor einigen Jahren jedenfalls stellten wir auf dieser Seite einen Band mit den musikphilosophischen Schriften Günther Anders´ vor. Entstanden sind einige dieser Arbeiten, vor allem die zur musikalischen Situation, gewissermaßen mit dem Rücken zu den Theorien Adornos, und – was das akade-mische Prozedere betrifft – sogar in Konkurrenz. Allerdings reproduziert sich hier ein Verhältnis zweier Disziplinen, das so alt ist, wie die akademische philosophische Ausbildung überhaupt.

Aristoxenos (ca. 350 bis 300 v. Chr.) war ein Schüler von Aristoteles und rechnete sich Chancen aus, diesen in der Funktion als Leiter der Bildungsanstalt zu beerben. Dass es nicht dazu kam, kann durchaus an einem Intrigen- und Ränkespiel unter den Theoretikern gelegen haben, Wir kennen derlei bis heute.

Aber das ist nicht wichtig in der Einschätzung des vorliegenden Buches.
        Spannend ist, dass Aristoxenos mit seinen Schriften die Musikwissenschaft etablierte, sie aus der Philosophie heraus als eine eigene Wissenschaft allererst konstituiert. Etwas, das Adorno und Anders vielleicht rückgängig machen wollten, indem sie das Ausgebüchste in die Philosophie zu reintegrieren suchten.
      Aber Aristoxenos hatte die Musiktheorie im Moment ihrer Geburt mit Widerstandskraft ausgestattet. Diese zieht sie aus der Physik einerseits, der Mathematik, aber auch und vor allem aus ihrem primären Gegenstand, der Musik selbst.

Dabei wurde die Schrift als Fragment von nur wenigen Seiten überliefert.

Was seine Entstehung und Überlieferung betrifft, bildet das Vorwort von Wolfgang Detel eine gute Grundlage der Lektüre. Der Text ist im griechischen Original und in der Übersetzung Detels abgedruckt. Im ausführlichen Kommentar werden Übersetzungsentscheidungen begründet und kontextualisiert. Allein dieses trägt dazu bei, dass man sich tief in das Textgefüge begeben kann.


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