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Antonin Artaud: Schluß mit den Meisterwerken

Diskurs/Poetik/Essay > Glossen

Antonin Artaud:

Schluß mit den Meisterwerken
(1933)
(Das Theater und sein Double)


Einer der Gründe für die erstickende Atmosphäre, in der wir leben ohne mögliche Ausflucht und Zuflucht – und an der wir alle unser Teil Schuld haben, selbst die revolutionärsten unter uns –, liegt im Respekt vor dem Geschriebnen, Formulierten oder Gemalten, vor dem, was Gestalt angenommen hat, als wenn schließlich nicht aller Ausdruck am Ende wäre, nicht an dem Punkt angelangt wäre, an dem die Dinge bersten müssen, wenn es einen neuen Aufbruch und einen neuen Anfang geben soll.
Man muß Schluß machen mit der Vorstellung von Meisterwerken, die einer sogenannten Elite vorbehalten sind und die die Menge nicht versteht; und sich sagen, daß der Geist keine besonderen Stadtviertel kennt, wie sie heimlichen sexuellen Begegnungen vorbehalten bleiben.
Die Meisterwerke der Vergangenheit sind für die Vergangenheit gut: für uns sind sie es nicht. Wir haben das Recht, zu sagen, was gesagt worden ist, und sogar das, was noch nicht gesagt worden ist, und zwar auf eine Art, die uns entsprechen soll, die unmittelbar und direkt sei, die dem gegenwärtigen Empfinden gerecht wird und die ein jeder verstehen wird.

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