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Andreas Altmann: Von den Dingen

Gedichte > Gedichte der Woche

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Andreas Altmann

Von den Dingen


Die Hitze hat Löcher in Blicke gebrannt. Häute lösen sich
von den Dingen. Vielleicht hilft das, sich von Erinnerungen
zu trennen, die an den Wegrändern lauern, hinter den Ecken
stehen oder Träume verführen. Die offenen Wiesen sind braun.
Niemand zeigt die zerrissenen Leichen, die zerfetzten Körper
und schreienden Seelen der Menschen im Krieg an der Front.
Es gibt Zahlen und Meldungen über Verluste. Das soll genügen.
Vorerst. Die Waldbrände haben sich ausgebreitet. Den Stühlen,
die früher um den großen Tisch standen, an denen wir das Leben
getrunken haben, wurden die Beine abgeschlagen. So sollte es
nicht weitergehen. Städte, in die wir geflohen sind, haben uns
lebend geborgen. Bald wird die Ernte eingefahren. Worte laufen
in ihren Echos auseinander. Sie haben sich zu oft in die Augen
gesehen. An manchen Nachmittagen klingelt die Nachbarin
alle Minuten an unserer Tür und fragt, wann ihr Mann kommt.
Er ruft dann aus der Wohnung ihren Namen, den sie nicht mehr
kennt. Dann denke ich, dass wir uns nicht oft genug küssen.
Weit öffne ich die Tür, damit du nicht klopfen musst, wenn du
nach Hause kommst. Die Blätter der Pappeln zittern so zart,
ohne Angst zu haben oder zu frieren. Das hat mir schon immer
gefallen. Das Schöne wohnt dort, wo wir die Sehnsucht verfolgen,
hast du gesagt. Du warst schon immer klüger. Ich hab keine Angst,
mir in die Augen zu schauen. Dafür gehe ich in mich, auch wenn
mir der Spiegel zuvorkommt. Und mir ein anderes Gesicht zeigt.


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