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Andreas Altmann: Schienenersatzverkehr

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Andreas Altmann

Schienenersatzverkehr


Der Frost ist aus seiner Haut gefahren und auf dem Weg zu sich
selbst auf der Strecke geblieben. So ist es meistens mit den guten
Vorsätzen. Der Boden lässt seine grauen Schleier aufsteigen.
So hängen sie in der Luft. Zweige finden sich in den schwarzen
Schriftzeichen wieder, die ihnen nach dem Eisbruch geblieben sind.
Die Augen sehen mit angehaltenen Blicken über sich hinweg.
Auch der See ist noch zugefroren. Ein Bus fährt die abseitigen
Stationen an. Ein paar Geister steigen ein und aus. Es ist viel Platz
für das Motorengeräusch, das nach und nach den Raum ausfüllt
und jedes Schweigen unmöglich macht. Dabei hätte ich so gerne
an mich gedacht. Aber wozu soll das gut sein. Mutter hat immer
gesagt, sich nicht so wichtig zu nehmen, kann nicht falsch sein.
Kein Wunder, dass ich mir immer nur nachgehe. Dazu hat sie dann
nichts mehr gesagt. Die grauen Schleier werden immer mehr.
Und dunkler. Das Motorengeräusch macht mich blind für mich
selbst. Restschnee liegt in den Gräben. Auch ihm wird langsam
schwarz vor Augen. Plötzlich öffnet sich ein Fenster und es wird kalt.
Das bringt viel Unruhe in meine Gedanken. Die Häuser sehen aus,
als würde niemand in ihnen leben. Und obwohl ich weiß, dass das
nicht stimmt, kann ich es kaum glauben. Aber so ist es immer, eine
Ungewissheit löst eine andere ab. Dann wird es wieder heller und ich
sehe, dass die Scheibe mein Gesicht nicht spiegelt. Darüber vergesse
ich mich für einen Moment. Für wie lange, kann ich nicht sagen.
Ich konnte noch nie in die Zukunft schauen.


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