Andreas Altmann: Raunächte
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Foto: Kristiane Spitz
Andreas Altmann
Raunächte
Der Wald zeigt sein rohes
Fleisch, schwarzes Blut läuft
an den Rinden herunter, grün
verkrusten die Wunden.
Ich hab in den Nächten weiße
Kleider auf gespannte
Leinen gehängt und unter
ihnen ein Feuer entfacht.
Manchmal hat es geregnet und
die Schränke waren leer.
Ich habe nichts zu verlieren.
Am Tag war die Luft klar,
nur der Rauch stieg auf und
formte Körper, die in Kleidern
über das Feld zwischen den
Bäumen gingen. Sie standen
still, als hätten sie sich
zugewunken und es dann aufgegeben,
weil sie sich nicht näher
gekommen sind. Die Tage gehen
in ihre Vergangenheit. Und
dann kommen sie auf mich zu.
Und ich soll ihnen erzählen,
wohin sie gegangen sind.
Kleine Lichtbälle rollen hin
und her, obwohl sie sich nicht
bewegen. Manche wollen über
das Wasser und versinken
im Weiher. Der spiegelt sie
dann im Himmel. So entsteht
Hoffnung, hast Du gesagt, und
meine Hand genommen.
Wir sind solange gelaufen,
bis das Kind auf die Welt kam.
Dann hast du in meine Augen
gesehen und ich in deine.
Mehr kann ich nicht über das
Leben sagen. Und über
die Liebe. Auch, wenn ich das
nicht verstehen kann.