Andreas Altmann: Ein Fenster steht offen
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Foto: Kristiane Spitz
Andreas Altmann
Ein Fenster steht offen
Für Holger (1963 – 2025)
Schon am Start erkennt man
den Sieger, hat Robert de Niro
in Es war einmal in
Amerika gesagt. Du warst immer schneller
als ich. Doch die Räume waren
klein, in denen wir liefen.
Ab und zu öffnete sich ein
Fenster, eine Tür und wir rannten
gegen die Wände, das gab uns
Halt. Deine Spiegel waren schöner
als meine. Sie schlugen
zurück. Wir sind dem Leben hinterher
gelaufen, immer schneller und
dann immer langsamer. Wir mussten
das Tempo finden, das zu uns
gehört und uns nicht davonläuft.
Die Häuser führten an
abgeschiedenen Straßen entlang. Es war egal,
was wir sagten. Wir sagten
nicht viel. Uns hat die Liebe gerettet.
Darüber hätten wir sprechen
können. Auch wenn es viel ist, es wäre
alles gewesen. War es
Schweigen, das uns immer um unsere Schatten
gebunden hat. Das Vertrauen
der Kindheit und Jugend hält dem Leben
erst an seinem Ende stand.
Viele versäumen es. Wir nicht. Doch
jedes fehlende Wort, jede
versäumte Begegnung hat seinen Grund,
auf dem wir uns
gegenüberstehen und uns in die Augen sehen,
weil wir die Räume mit den
vielen Wänden an den abgestandenen
Straßen nie verlassen haben.
Sie sind das Licht, in dem wir uns erkennen,
aber nicht wiederfinden, weil
es zu dunkel, zu hell ist. Und wir nicht wissen,
warum es uns nur so scheint.
Was soll ich sagen. Am Ende gibt es nur
wenige Worte, die nicht
gesagt werden müssen. Wir kennen sie beide.
Das ist das Geheimnis, das
uns nicht verraten hat, nicht im Raum
und nicht auf der abgelegenen
Straße, die im Grunde immer nur
um das Haus führt, mal aus
der einen, mal aus der anderen Richtung.
Und ein Fenster steht offen,
als hätte uns jemand kommen sehen.