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Ajda Bračič: rakovnik 58

Lyrik heute
Ajda Bračič

Aus dem Slowenischen von Anja Silovšek und Patrik Valouch


rakovnik 58

unterm türrahmen verstecke ich mich, unter den steckdosen in der wand
knarre ich vorsichtig über den boden, klopfe ans tor,
rühre nicht den staub an den regalen auf. die betten sind gemacht.

in allem, was ich bin, ist dieses eine haus,
und ich bin in ihm drin.
durch den mund schüttele ich seine ziegel, lecke den moos in den ritzen seiner feuchten falten.
mit schritten umreiße ich jeden tag den sockel, um nicht zu vergessen,
dass ich das dach auf den schultern trage. Ich schaue immer durch seine fenster,
an die ich immer noch nicht heranreiche. seine wände sind meine weichen wände,
und seine ecken, wohin ich am weitesten hingehen kann.

unterm türrahmen verstecke ich mich, unter den steckendosen in der wand
knarre ich vorsichtig über den boden, klopfe ans tor,
kenne es wie meine westentasche und es kennt mich.
wir rufen uns beim namen.

ich bewohne es mit mir selbst, verzehnfacht.
bin in jeder ecke, sitze hinterm tisch, heize den weißglühenden ofen nach,
knacke mit den spänen des dachbodens. wohin ich auch schaue,
sehe ich mich selbst. solch eins ist es.

im knochenkäfig des schädels
im dunkel hinter den pupillen steht mein haus.
ich wohne darin und werde alt.


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