Direkt zum Seiteninhalt

Volker Sielaff: Metaphysik auf Eis

Gedichte



Metaphysik auf Eis


Eine Glasflasche Kant, Verriegelung der Tür,
ein erratischer Block, eine Kantine, ein Gespür.
Habseligkeiten, die ein Begehr in ihm wecken,
eine dunkle Sehnsucht nach gläsernen Decken.

Zeit, den Geist im Schankraum aufzusuchen,
sich eine Minibar am Strand von Krk zu buchen,
ohne Vokale, die plastisch-still im Glase klingen:
Hört sie den Rosenstar auf der Veranda singen?

Und halb im Schlummer: Träumt sie sein Knie?
So hingestreckt auf Glimmereis sah er sie nie.
Ihre Bahia-Liste, Bezeugungen, ihre Yilliputille,
entwaffnender Blick durch die Cat-eye-Brille.

Und allerorts: Stille. Die Gläser abgewaschen.
Ein Tasten nach Cornflakes in leeren Taschen.
Der Meister schlurft müd in Pantoffeln vorbei:
seine Metaphysik, letzte Fähre, Schweigen am

                                                                                   Kai.



(Volker Sielaff: "Glossar des Prinzen", Luxbooks 2015)

Zurück zum Seiteninhalt